Österreichischer Lobbyist saß wegen Korruptionsvorwürfen in Ungarn in U-Haft

Der französische Transportkonzern Alstom soll im Gegenzug den Zuschlag für die Lieferung von U-Bahn-Zügen bekommen haben.

Der französische Transportkonzern Alstom soll im Gegenzug den Zuschlag für die Lieferung von U-Bahn-Zügen bekommen haben.

Ungarns Behörden verdächtigen Zoltán Aczél der Korruption im Zusammenhang mit dem französischen Transportkonzern Alstom – Aczél ist auch für die österreichische Strabag als Berater tätig

Wie das Nachrichtenmagazin profil in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, saß der österreichische Lobbyist Zoltán Aczél vergangenen Oktober knapp drei Wochen lang in Budapest in Untersuchungshaft. Dies erfuhr profil aus Kreisen der ungarischen Justiz.

Die Behörden verdächtigen ihn, im Jahr 2006 mutmaßliche Schmiergelder von Alstom in der Höhe von rund sieben Millionen Euro an – bisher unbekannte – ungarische Politiker weitergeleitet zu haben. Im Gegenzug soll der französische Transportkonzern Alstom den Zuschlag für die Lieferung von U-Bahn-Zügen bekommen haben. Ungarns Ermittler haben ein Firmennetzwerk in Österreich und Dänemark im Verdacht, über das Schmiergelder geflossen sein könnten. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Aczél dementiert zunächst gegenüber profil, dass er in U-Haft gesessen sei. In einem Telefonat spricht er von einem „bösen Gerücht“. Auf nochmalige schriftliche profil-Anfrage („Waren Sie in Budapest in U-Haft?“) verweigert er jedoch eine klare Antwort: „Ich werde mich an politischen Spielen nicht beteiligen.“ Aczél betont, dass bereits in Österreich aufgrund derselben Causa gegen ihn ermittelt worden sei – doch die Ermittlungen sind 2014 eingestellt worden.

In Österreich tauchten auch 2006 Vorwürfe gegen Aczél auf. Sie bezogen sich auf die Lobbying-Agentur Eurocontact, die er gemeinsam mit dem ehemaligen Liberales-Forum-Parlamentsabgeordneten Alexander Zach betrieb. Der Baukonzern Strabag soll sich gezielt der Eurocontact bedient haben, um Kontakt zu ungarischen Parteien zu suchen. Ein Korruptionsverfahren gegen Strabag-Gründer Hans Peter Haselsteiner wurde 2013 eingestellt. Bis heute ist Aczél für die Strabag als Berater tätig, wie profil vorliegende Aufträge belegen.