ÖSV-Plakat - Liessmann: "Der unbedingte Wille zur Moral"

Das Plakat für den FIS-Alpinskiweltcup der Damen am 28./29. Dezember 2018 auf dem Semmering sorgte für Aufsehen und Kritik.

Das Plakat für den FIS-Alpinskiweltcup der Damen am 28./29. Dezember 2018 auf dem Semmering sorgte für Aufsehen und Kritik.

Ein vermeintlich sexistisches Werbeplakat für Damen-Skirennen, entworfen vom österreichischen Maler Christian Ludwig Attersee, wurde nach einem Shitstorm auf Social Media zurückgezogen. Der in Wien lehrende Philosoph Konrad Paul Liessmann findet das "lächerlich".

"Die Barbaren sind mitten unter uns. Sie lauern nicht am rechten oder unteren Rand der Gesellschaft, sie gehören nicht zu den Bildungsfernen und Bildungsverlierern, sie kommen nicht aus unterentwickelten Regionen, sondern sie sitzen an den Schaltstellen von Kunst und Wissenschaft, schreiben in Qualitätsmedien, diskutieren an Universitäten, leiten Gemäldegalerien, dominieren die Talkshows. Barbaren sind sie dennoch. Denn im Grunde ihres Herzens verachten sie die Kunst. Unter dem Vorwand, gegen Sexismus und Rassismus zu kämpfen, übermalen sie Gedichte, lassen Bilder aus Museen verschwinden, retuschieren Filme, boykottieren Konzerte ...".

So beginnt ein viel zitiertes und diskutiertes Essay des Wiener Philosphen Konrad Paul Liessmann, das zu Jahresbeginn in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) erschien. Erfüllt die Causa Attersee für ihn diesen Tatbestand der "Barbarei"?

"Die Sache mit dem Attersee-ÖSV-Plakat finde ich weniger barbarisch als ziemlich lächerlich. Der unbedingte Wille zur Moral trübt offensichtlich das Wahrnehmungsvermögen und die ästhetische Urteilskraft auch denkender Menschen in einem immer wieder verblüffenden Ausmaß. Ernst nehmen kann man diesen Diskurs kaum noch." Deswegen habe er auch nicht mehr dazu zu sagen.