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profil-Morgenpost
03/24/2022

Das große Corona-Versagen

Maske rauf, Maske runter: Auch der dritte Gesundheitsminister dilettiert vor sich hin.

von Eva Linsinger

Frauenministerin Susanne Raab: positiv. Finanzminister Magnus Brunner: positiv. Neos-Parteichefin Beate Meinl-Reisinger: positiv. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser: positiv. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker: positiv. Die Liste der Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker, die in den vergangenen Tagen positiv auf Corona getestet wurden, wird länger und länger. Kein Wunder: Die fünfte Welle rauscht durch Österreich, jeder kennt derzeit jemand, den das Virus erwischt hat, die Neuinfektionen lagen zuletzt bei 53.071 pro Tag.

In Worten: Dreiundfünfzigtausendeinundsiebzig. Nur vier Zahlen zum Vergleich: Vor rund zwei Jahren, am 16. März 2020, wurde der erste Lockdown in Österreich verhängt – damals gab es exakt 200 Corona-Neuinfektionen pro Tag. Damals lag die so genannte 7-Tage-Inzidenz (die Fälle pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche) bei 12. Derzeit liegt sie bei satten 3531. Exakt 440.145 Menschen zählen derzeit zu den „aktiven Fällen“.

Und mittlerweile dämmert es auch all jenen mit sehr flacher Lernkurve, dass die großflächigen Öffnungen Anfang März vielleicht doch keine super Idee waren. Klar, die derzeitige Corona-Variante verläuft deutlich milder, mit 227 Menschen liegen wenige auf den Intensivstationen (die Höchstzahl betrug 670), aber die Normalstationen sind mit 3039 Erkrankten gut gefüllt. Vor allem aber: Menschen in Gesundheitsberufen erkranken reihenweise. In Kärnten fällt ein Fünftel des Spitalspersonals aus, auch andere Krankenhäuser klagen über massive Personalengpässe. Nicht nur sie: Die Wiener Linien müssen wegen der vielen Krankenstände die Intervalle der Öffis reduzieren.

Masken-Verordnung nicht rechtzeitig fertig

Und was macht der Gesundheitsminister, Johannes Rauch, der mittlerweile dritte im Amt? Dasselbe wie seine Vorgänger. Vergangene Woche kündigte er das Revival der Maskenpflicht an, gelten sollte sie eigentlich ab gestern, Mittwoch, leider wurde die Verordnung nicht rechtzeitig fertig, bis Donnerstag ist es sich dann doch noch ausgegangen. Die nächste Verordnung wird bestimmt notwendig, es bleibt spannend, es bleibt spannend.

Gesundheitsminister Johannes Rauch

Österreichs Corona-Politik (oder: Nicht-Politik) taugt mittlerweile auch international als Lachnummer, in der „Süddeutschen Zeitung“ findet der Karikaturist die heimische Masken-rauf-Masken-runter-Politik überaus komisch. Das kann mein Kollege Sebastian Hofer nur bedingt nachvollziehen, selbst ihm, einem bewunderswert ausgeglichenen Gemüt, ist das Lachen vergangen. „Man fühlt sich, nach zwei Jahren Corona und drei Wochen Ukrainekrieg, überempfindlich und wattebedürftig. Man erträgt keine schlechten Nachrichten mehr und, wenn man ehrlich ist, auch keine schlechte Stimmung, also beginnt man zu vermeiden“, schreibt Hofer in einer neuen profil-Kolumne. Die Kolumne erscheint ab nun jeden Mittwoch und ergibt ein Lexikon der modernen Emotionen. Teil 1 über Verpuppung lesen Sie hier.

Bleiben Sie gesund – und gute Besserung allen Erkrankten!

Einen schönen Tag wünscht

Eva Linsinger