© APA/HANS PUNZ

Österreich
09/03/2020

profil-Morgenpost: Schwiegervaterbeeindruckmagazin

Guten Morgen!

von Angelika Hager

Bei einem Gespräch für die kommende Ausgabe fragte ich den Schriftsteller, Theaterstar und Schlaganfall-Überlebenden Joachim Meyerhoff (Foto), der jetzt in Berlin lebt, zu seiner profil-Beziehung. Er antwortete nachgerade enthusiastisch, dass profil eine wichtige Rolle in seiner Lesekultur spiele, vor allem in seinen Wiener Jahren: „Ich wartete im Café oft richtig ungeduldig, bis ein Gast das profil ausgelesen hat, um es mir zu holen. Ich wollte immer auf dem neuesten Stand sein. Allein schon um meinen Schwiegervater, der begeisterter profil-Leser ist, zu beeindrucken und mit ihm mitzuhalten, las ich es jede Woche.”

Die Politik habe in Österreich so einen „unglaublichen Sinn für das Theatralische”, so Meyerhoff, in Kombination mit „einer unfassbaren Dreistigkeit”, die natürlich auch einen hohen Unterhaltungswert besitze.

Am 7. September 1970, also exakt am kommenden Montag, erblickte die erste profil-Ausgabe das Licht der Republik und bot der Politik von da an eine Bühne, in der allwöchentlich die Abgründe und Schattenseiten ausgeleuchtet wurden und werden. Gründer Oscar Bronner wollte ein Magazin, in dem „die Packeleien aufgedeckt werden.” Der Stoff sollte nie ausgehen.

„Das Land spielt uns in die Hände”, erzählt der 83-jährige Claus Peymann im Malersaal der Josefstadt, wo er gerade glückselig in den Endproben für Thomas Bernhards Dramolette „Der deutsche Mittagstisch” steht. Im Bernhard-Universum schwimmt naturgemäß in jeder Nudelsuppe ein Nazi.

Das Land mit seiner oftmaligen Skrupelfreiheit in den Spitzen von Politik und Gesellschaft und seiner fehlenden Sensibiliät für die NS-Historie spielte auch profil die letzten fünfzig Jahre in die Hände.  Die Hassliebe, die Thomas Bernhard für Österreich empfand, prägte sicherlich auch die jeweiligen Herausgeber.

Im aktuellen Heft interviewt Christian Rainer, profil-Herausgeber seit 1998, im Rahmen einer Jubiläumsreihe den langjährigen Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, der als Vertreter der Mehrheitseigentümer eng mit den Auf und Abs des Magazins verbunden war. Auf die Feststellung, dass es leichtere Möglichkeiten für eine Unternehmensgruppe gebe, Rendite zu machen, antwortete Konrad: „Das muss es einer Unternehmensgruppe wie der unseren - und immer noch meinen - wert sein. Als Dienst an der Gesellschaft.”

Dienst am Genie tat Claus Peymann, oftmaliges profil-Covergesicht, letzte Woche, als er mit seiner Truppe auf den Grinzinger Friedhof pilgerte, um das Grab von Thomas Bernhard zu besuchen. Auf dem Rückweg begegnete Peymann per Zufall Franz Vranitzky bei einem Heurigen, der als „nackter Kanzler” 1996 auf dem profil-Cover Skandal-Furore machte (was zu einer Ablöse des damaligen Herausgebers führte). „Es war ein Moment von poetischer Dramaturgie”, schwärmt Peymann, „ein Moment wie aus einem Thomas-Bernhard-Dramolett.”

Aber auch wie aus einer profil-Geschichte, könnte man hinzufügen.

Ich wünsche Ihnen einen poetischen Tag mit profil.

Angelika Hager

P.S: Tun Sie uns bitten den Gefallen und warten Sie nicht wie Meyerhoff im Café, bis jemand das profil ausgelesen hat. Nehmen Sie es einfach mit nach Hause.

 

Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.

Angelika Hager
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.