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profil-Morgenpost
10/05/2021

Wir haben da etwas Neues ...

... das Politikerinnen und Politikern nicht immer passt. Warum wir Fakten checken für wichtig halten.

von Eva Linsinger

Die Regierung spricht von sich selbst am allerliebsten im Superlativ, darunter tut sie es selten. Wir hörten oft, dass Österreich als bestes, schnellstes, tollstes, Land durch die Corona-Krise kam, es die größten, umfangreichsten Hilfspakete gab und überhaupt alles hierzulande am suprigsten geklappt hat. Österreich bestes Corona-Land: Ganz gestimmt hat das selten, seit Österreich bei der Corona-Impfrate anderen EU-Staaten hinterherzockelt, ist das pralle Selbstlob von Türkis-Grün über Türkis-Grün beim Corona-Management leiser geworden. Dafür preisen Kanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Werner Kogler neuerdings die „größte Steuerreform der Zweiten Republik“ und betonen, dass „Österreich als eines der ersten Länder in Europa eine CO2-Bepreisung“ einführt.

Wieder Superlative. Aber: Beides stimmt so nicht. Denn berechnet am Bruttoinlandsprodukt, der einzig sinnvollen Messgröße, war die Steuerreform aus dem Jahr 2016 zumindest gleich groß. Und: Österreich ist nicht „eines der ersten“, sondern exakt das 14. Land in Europa, das die Co-2-Bepreisung einführt. Sportminister Kogler müsste eigentlich wissen, dass der 14. Platz nicht als Stockerlplatz zählt und es dafür keine Medaillen gibt. Details dazu können Sie hier nachlesen, auf faktiv, der neuen Faktenchecker-Plattform von profil. Nachzulesen in der aktuellen Ausgabe hier.

Wir haben es uns damit zur Aufgabe gemacht, genau zu überprüfen, was Politikerinnen und Politiker und andere in der Öffentlichkeit stehende Personen sagen: Übertreiben sie? Flunkern sie ein wenig? Sagen sie gar die Unwahrheit? Oder lässt sich durch Fakten belegen, was behauptet wird? Stimmt es ganz genau?

Ihre ersten Reaktionen, liebe Leserinnen und Leser, waren überwältigend positiv – danke! In der Politik freuen sich nicht alle genauso uneingeschränkt darüber. Kein Wunder: Die Politik verbreitet lieber Good News, allein im Bundeskanzleramt sitzen dafür 60 Leute. Österreich ist damit nicht allein: Seit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ist es bei manchen Machthabern Usus geworden, im Dauerstakkato auf Medien einzudreschen, bei „unbotmäßigen“ Fragen zu hyperventilieren, alles als „Fake News“ zu denunzieren, was gerade unangenehm erscheint und sich auf „alternative Fakten“ auszureden. Exakt 30.573 mal verbreitete Trump falsche oder irreführende Fakten – wir wissen das, weil Faktenchecker in US-Medien genau mitgezählt haben. ORF-Anchor Armin Wolf begründet in einem spannenden Vortrag vor der Schweizer Medienbranche, warum Faktenchecken wichtig ist – nachzulesen hier - und er den profil-Faktencheck daher für eine gute Idee hält.

Nein, weil manche danach fragen, Fakten zu checken, das hat nichts damit zu tun, Meinungen beschränken zu wollen, nichts liegt uns ferner. Aber: Es gibt einen Unterschied zwischen Meinung und Fakten. Ob Österreich als „eines der ersten europäischen Länder die CO-2-Bepreisung einführt“, ist keine Meinung – sondern eine Tatsachenbehauptung. Die beleg- oder widerlegbar ist. Und genau das soll Journalismus tun: Zwischen Unfug und interessanten Meinungen, zwischen wahr und unwahr unterscheiden.

Gibt es eine Behauptung, die Sie gerne überprüft wissen möchten? Schreiben Sie uns.

Haben Sie einen schönen Tag – und lassen Sie sich keine Fake News auftischen!

Eva Linsinger

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