Tina und Edith Meinhart in Tiflis

Tina und Edith Meinhart in Tiflis

© Edith Meinhart

profil-Morgenpost
12/29/2021

Zwischen den Welten

profil-Journalistin Edith Meinhart flog in dieser Woche nach Tiflis, um die aus Österreich abgeschobene, 13-jährige Tina zu besuchen.

von Thomas Hoisl

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester – „Zwischen den Jahren“ genannt – sind eine eigenwillige Angelegenheit. Für die einen ist es die Zeit des gemütlichen Stillstandes, für die anderen der nervige Wartesaal für das kommende Jahr. Viele fragen sich, was anfangen mit diesen Tagen, vor allem während Pandemie und Omikron. Traditionell haben sich nach Weihnachten Sonderangebote und Lagerabverkäufe etabliert, in Großbritannien heißt die Zeit deshalb auch „Boxing Week“ („boxing“ ursprünglich im Sinne von „Verpackung“ und weniger als „Faustkampf ums Schnäppchen“ gemeint). Gefühlsmäßig überwiegt hierzulande aber dann doch die Entschleunigung – offener Urlaub wird verbraucht, das Weihnachtsgelage verdaut, Skipisten angesteuert. Das Konzept von „Zwischen den Jahren“ als Herunterfahren des Alltaglebens scheint seit der Pandemie (Lockdowns und Quarantäne sei Dank) auch fast schon Gewohnheitssache.

In der Nacht außer Landes gebracht

profil-Journalistin Edith Meinhart nutzte die Tage dagegen für eine besondere Recherchereise. Sie flog nach Georgien, um in Tiflis die 13-jährige Tina zu treffen. Sie erinnern sich: Anfang 2021 herrschte um das Schicksal der Schülerin große Aufregung. Tina, die in Österreich geboren und in Wien aufwuchs und ins Gymnasium ging, wurde gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrer Mutter im Jänner nach Georgien abgeschoben. Proteste von Mitschülerinnen und der Zivilgesellschaft halfen nichts: In der Nacht brachten Beamte das Mädchen und ihre Familie außer Landes, eine Blockadeaktion vor der Asylunterkunft wurde gewaltsam geräumt.

Edith Meinhart bekam nun Einblicke in das Leben der abgeschobenen Familie in Georgien, besuchte sie daheim und begleitete Tina im Alltag. Auch knapp ein Jahr danach gehe ihr die Abschiebung „überhaupt nicht aus dem Kopf.“ Durch die Umstände habe die 13-Jährige ein Schuljahr verloren, steht aber weiterhin täglich mit ihren Wiener Klassenfreunden in Kontakt und gibt die Hoffnung nicht auf, nach Österreich zurückzukommen. Die Fotoreportage lesen Sie hier, im kommenden profil wird Meinhart über Tinas Geschichte und weitere Entwicklungen in ihrem Fall berichten.

Kommen Sie gut durch die letzten Stunden des Jahres!

Thomas Hoisl

PS: Hat Ihnen die Morgenpost gefallen? Dann melden Sie sich jetzt an, um Ihren Werktag mit aktuellen Themen und Hintergründen aus der profil-Redaktion zu starten:

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.