Die profil-Cover zu allen Österreichischen Nationalratswahlen seit 1971

Die profil-Cover zu allen Österreichischen Nationalratswahlen seit 1971

Von Kreisky bis Faymann: Wir haben für Sie die profil-Cover zu allen Österreichischen Nationalratswahlen seit 1971 aus dem Archiv geholt.

18. Oktober 1971

Kreisky beendete schon nach eineinhalb Jahren die Minderheitsregierung und riskierte angesichts günstiger Vorzeichen Neuwahlen, die tatsächlich mit dem erstmaligen Erreichen der absoluten Mehrheit für die SPÖ endeten. Konkret erreichten die Sozialisten exakt 50 Prozent der Stimmen und konnten ab sofort ohne die Unterstützung anderer Parteien regieren.

5. Oktober 1975

Die SPÖ legte noch einmal leicht auf 50,4 Prozent zu, ÖVP und FPÖ verloren minimal. An der politischen Ausgangslage änderte sich somit nichts. Die Sozialisten bildeten wieder eine Alleinregierung unter Kreisky.

6. Mai 1979

Die SPÖ unter Bruno Kreisky erreichte mit 51 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis. Das starke Abschneiden der Sozialdemokraten überraschte insofern, als Kreisky im Jahr davor die Volksabstimmung über das Anti-Atom-Kraftwerk Zwentendorf verloren hatte, an die er eigentlich sein politisches Schicksal gebunden hatte. Während die FPÖ minimal zulegte, büßte die ÖVP geringfügig an Zustimmung ein. Parteichef Josef Taus übergab nach seiner gescheiterten Kanzler-Kampagne die Rolle als VP-Obmann und Oppositionschef an Alois Mock.

24. April 1983

Bei seinem letzten Antritt verlor Kreisky die absolute Mehrheit und trat zurück. Mit 47,6 Prozent blieb die SPÖ aber die Nummer eins und bildete in der Folge mit dem neuen Bundeskanzler Fred Sinowatz und den Freiheitlichen unter Norbert Steger eine Kleine Koalition. Obwohl Mocks ÖVP als einzige Parlamentspartei zulegte, blieb ihr nur der Gang in die Opposition. Erstmals kandidierten bei dem Urnengang mit den Vereinten Grünen und der Alternativen Liste Österreichs zwei Grün-Parteien, die aber nicht einmal addiert den Einzug ins Parlament geschafft hätten.

23. November 1986

Die SPÖ rettete unter ihrem neuen Spitzenkandidaten Franz Vranitzky trotz Verlusten das Kanzleramt. Die siegesgewisse ÖVP blieb drei Mandate hinter den Sozialisten und musste sich mit der Rolle des Junior-Partners in einer Großen Koalition begnügen. Die FPÖ konnte ihren Stimmenanteil auf 9,4 Prozent verdoppeln, eine Genugtuung für den neuen Obmann Jörg Haider, nachdem Vranitzky die rot-blaue Koalition nach Haiders Machtübernahme beendet und Neuwahlen ausgerufen hatte. Erstmals schafften die Grünen unter Freda Meissner-Blau den Einzug in den Nationalrat, dem nach 27 Jahren Pause nun wieder vier Fraktionen angehörten. Die Wahlbeteiligung rutschte erstmals in der Zweiten Republik unter die 90-Prozent-Marke (88,85 Prozent).

7. Oktober 1990

Haiders Freiheitliche setzten den traditionellen Großparteien weiter zu. Mit 16,6 Prozent erreichte die FPÖ erstmals ein zweistelliges Ergebnis. Während die SPÖ nur geringfügig verlor und ihre Mandate halten konnte, rasselte die ÖVP mit Josef Riegler mehr als neun Prozentpunkte nach unten. Die Grünen stagnierten, konnten sich aber im Nationalrat etablieren. Die Große Koalition wurde fortgesetzt.

9. Oktober 1994

Obwohl sich aus Protest gegen das FPÖ-Ausländervolksbegehren das Liberale Forum von den Freiheitlichen abgespalten hatte, ging der blaue Siegeszug weiter. Mit 22,5 Prozent rückte die von Haider in die Wahl geführte FPÖ der ÖVP schon bis auf fünf Prozentpunkte nahe. Die stärkeren Verluste musste diesmal die - nicht mehr als Sozialistische sondern als Sozialdemokratische Partei antretende - SPÖ mit nur noch knapp 35 Prozent hinnehmen. Die Koalition mit der ÖVP wurde fortgesetzt, allerdings verfügte sie über keine Zwei-Drittel-Mehrheit mehr. Erstmals in der Zweiten Republik waren fünf Parteien im Nationalrat vertreten, da das LIF bei seiner Premiere am Wahlzettel auf sechs Prozent kam.

17. Dezember 1995

Der neue ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel initiierte über einen Budget-Streit vorgezogene Neuwahlen, die aber nicht in das von ihm erwünschte Ergebnis mündeten. Zwar konnte die Volkspartei leichte Gewinne verbuchen, jedoch legte die SPÖ Franz Vranitzkys deutlich stärker zu und blieb mit Abstand Nummer eins. Die FPÖ musste erstmals in der Ära Haider Verluste hinnehmen. Die Grünen wurden vom Liberalen Forum überholt und waren nur noch fünftstärkste Kraft im Hohen Haus. Die Große Koalition mit Kanzler Vranitzky und Vizekanzler Schüssel wurde fortgesetzt.

3. Oktober 1999

Die Wahl brachte einen der größten Umbrüche der jüngeren Zeitgeschichte: Zwar hielt die SPÖ unter ihrem neuen Vorsitzenden Viktor Klima Platz eins, doch reichte das nicht, um weiter in der Regierung vertreten zu sein. Denn VP-Chef Schüssel machte seine Ankündigung, bei Platz drei in die Opposition zu gehen, nicht wahr, sondern koalierte mit den Freiheitlichen - die ihm, obwohl um ein paar hundert Stimmen stärker, das Kanzleramt überließen. Angesichts der fremdenfeindlichen Politik der FPÖ hatte dies eine Protestwelle mit Massen-Demonstrationen und EU-Sanktionen zur Folge. Die FPÖ hatte wie die ÖVP 26,91 Prozent der Stimmen geholt, für sie ein Rekordergebnis. Das LIF verpasste beim dritten Antreten den Einzug in den Nationalrat. Noch klarer scheiterte die Liste des bei den Präsidentschaftswahlen davor noch recht erfolgreichen Bau-Unternehmers Richard Lugner.

24. November 2002

Nach dem "Knittelfelder Putsch" mit dem darauf folgenden Rücktritt von FPÖ-Chefin und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer beendete Kanzler Schüssel die schwarz-blaue Koalition und ging in Neuwahlen, die seine ÖVP fulminant gewann. Die Volkspartei legte mehr als 15 Prozentpunkte zu und wurde mit 42,3 Prozent klar stärkste Fraktion. Während auch SPÖ und Grüne deutlich gewannen, stürzte die von Herbert Haupt angeführte FPÖ gleich 17 Prozentpunkte ab und blieb gerade noch zweistellig. Die ÖVP konnte zwischen drei potenziellen Partnern auswählen und entschied sich letztlich für eine Fortsetzung von Schwarz-Blau.

1. Oktober 2006

Trotz ÖGB/BAWAG-Skandals im Vorfeld konnte die SPÖ Alfred Gusenbauers an der ÖVP vorbeiziehen und war wieder stärkste Kraft im Nationalrat. Das sogenannte "dritte Lager" litt unter der Abspaltung des BZÖ, wodurch die Grünen mit erstmaligem Überspringen der Zehn-Prozent-Marke auf Platz drei vorstießen. Die FPÖ, die von Heinz-Christian Strache in die Wahl geführt wurde, blieb im Prestige-Duell mit dem BZÖ unter Peter Westenthaler klar voran. Das orange Bündnis kam mit 4,1 Prozent nur hauchdünn in den Nationalrat. Klar an der Vier-Prozent-Hürde scheiterte die Liste des EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin.

28. September 2008

Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) ließ in Folge eines EU-kritischen Leserbriefs der SPÖ-Spitze an die "Kronen Zeitung" die Große Koalition mit den Worten "Es reicht" platzen. Bei der vorgezogenen Wahl mussten beide Regierungsparteien Verluste hinnehmen. Die SPÖ rutschte erstmals unter die 30-Prozent-Marke, blieb aber stärkste Kraft. Stark zulegen konnten Freiheitliche und das mit (dem zwei Wochen später tödlich verunglückten) Jörg Haider angetretene BZÖ. Die Grünen verloren leicht und waren zum zweiten Mal nach 1995 nur fünftstärkste Kraft im Nationalrat. Keine Chance auf den Einzug hatte die Liste des früheren Tiroler Arbeiterkammer-Präsidenten Fritz Dinkhauser. Die Große Koalition wurde mit dem neuen Spitzenduo Werner Faymann (SPÖ) und Josef Pröll (ÖVP) fortgesetzt.

29. September 2013

Die erste fünfjährige Legislaturperiode wurde zur Gänze durchgedient - und die Wahl änderte nicht viel: SPÖ und ÖVP fielen noch etwas tiefer ins historische Tief, hielten aber knapp die Mehrheit. Faymann und Michael Spindelegger (ÖVP) setzten also die Große Koalition fort - wenngleich die ÖVP mit anderen Partnern liebäugelte. Schwarz-Blau hatte jedoch keine Mehrheit - es hätte also eine der beiden neuen Parlamentsparteien für einen Dreier-Bund gewonnen werden müssen. Denn die NEOS hatten überraschend den Einzug geschafft, ebenso das Team Stronach (das schon vor der Wahl durch Abwerbungen ein Parlamentsklub war). Verabschieden musste sich das von Josef Bucher in die Wahl geführte BZÖ. Die Beteiligung war gering wie nie zuvor: Nur 74,91 Prozent - erstmals weniger als drei Viertel - nützten ihr Wahlrecht.