Van der Bellen: „Europa nur gemeinsam stark“

Van der Bellen im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern

Van der Bellen im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern

Der Bundespräsident sprach mit Jugendlichen aus der Steiermark über EU-Wahlen, Klimakrise und Gefahr durch Europa-Gegner.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen rief zum Europatag bei einer Begegnung mit steirischen SchülerInnen des „European Youth Forum Neumarkt (Eyfon)“ in Wien zur Teilnahme an den Europawahlen auf. „Es dürfen nicht rechtspopulistische Kräfte, die Europa zerstören oder schwächen wollen, triumphieren“, mahnte das Staatsoberhaupt. „Nur gemeinsam kann Europa globale Herausforderungen wie Klimakrise, Migration oder Beschäftigung meistern. Alleine gelingt das nicht einmal großen EU-Ländern wie Deutschland oder Frankreich.“

Verständnis fürs Schulschwänzen

Österreich könne gemeinsam mit anderen EU-Mitgliedsländern viel bewegen. Die EU sollte in Zukunft auch die sechs Staaten des Westbalkan aufnehmen. Van der Bellen erinnerte daran, dass Österreich lange „unter dem Schutzschild der Nato und der Amerikaner“ gestanden sei. Dies habe verhindert, dass Österreich „ein Teil der Sowjetunion“ geworden sei. Heute gebe es für die EU „schwierige Beziehungen“ mit Russland und mit US-Präsident Donald Trump. „Die EU muss ihre Kräfte bündeln, um auf weltpolitischer Ebene handlungsfähig zu sein“, meinte Van der Bellen, der mit seiner neuem neuen „first dog“ Juli, einer ausgesetzten griechischen Hündin, zum Treffen kam.

Junge Leute hätten ein Anrecht, sich für ihre Zukunft einzusetzen, zeigte Van der Bellen auch für Schulschwänzen zur Teilnahme an Klima-Demonstrationen Verständnis. „Zwei Stunden versäumter Schulunterricht sind reversibel, die Klimakrise nicht“. Eine CO2-Steuer sollte rasch eingeführt werden. „Wenn die Methanblasen unter der Erde Sibiriens platzen, dann ist die Klimakrise nicht mehr beherrschbar“, warnte Van der Bellen.

Scharf kritisierte der Bundespräsident den Gebrauch des Begriffs „Bevölkerungsaustausch“, zuletzt durch FPÖ-Politiker. „Der letzte großangelegte Feldversuch, eine homogene Bevölkerung herzustellen, geschah unter der NS-Diktatur. Das war natürlich nur mit Gewalt durchzusetzen.“

Präsident Van der Bellen mit profil-Redakteur Otmar Lahodynsky

Präsident Van der Bellen mit profil-Redakteur Otmar Lahodynsky

Neues EU-Schulbuch auf englisch

Die 20 steirischen Schülerinnen und Schüler, die an der Debatte mit dem Staatsoberhaupt im Wiener Volksgarten mitwirkten, hatten an Projekten des „Europäischen Jugendforums Neumarkt“ (Eyfon) teilgenommen. Begründer der Initiative ist Christoph Leitl, Chef der Unternehmervereinigung „Eurochambres“ und langjähriger Präsident der Wirtschaftskammer Österreich. Er präsentierte auch das neue auf englisch übersetzte Schulbuch „EU for you!“, das von profil-Redakteur Otmar Lahodynsky und Wolfgang Böhm („Die Presse“) verfasst wurde. Es soll ausländischen Teilnehmern an Jugendtreffen auf der Burg in Neumarkt in der Obersteiermark ein Basiswissen über Europa ermöglichen. Leitl kündigte an, dass Jugendliche aus Konfliktgebieten im Rahmen von „EYFON“-Seminaren zum Abbau von Vorurteilen und Hass angeleitet werden sollen. So sei geplant, dass bald junge Leute aus der Ukraine mit Russen oder Serben mit Kosovo-Albanern in der Obersteiermark zusammentreffen.