Österreich

Westenthaler: Ein Politrabauke zelebriert mit ORF-Bashing sein Comeback

Die Ein-Mann-Aufregungsmaschine Peter Westenthaler ist zurück. Und greift gegen den ORF in die Vollen, ganz so, wie er es von seinem Idol Jörg Haider gelernt hat. Der Protest seiner Stiftungsratskollegen dagegen wird vehementer. Der Bahö gefällt Westenthaler.

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Eigentlich ist das Extrazimmer im „Café Museum“ an diesem sonnigen Mittwochnachmittag geschlossen, aber für Peter Westenthaler gibt es eine Ausnahme: Er darf dort drinnen sitzen. Westenthaler ist Stammgast im Kaffeehaus nahe der Wiener Ringstraße, kein Wunder: Der langjährige Polit-Rabauke werkt schräg gegenüber als streitbarer TV-Politik-Talker beim Fellner-Boulevardsender „oe24“ und matcht sich dort mit SPÖ-Urgestein Josef Cap um die griffigsten (manchmal: untergriffigsten) Wuchteln. Legendär die Darbietung der beiden zum ÖVP-Parteitag, als sie Schnulzen von Zarah Leander schmetterten: „Nur nicht aus Liebe weinen“ (Cap) und „Es wird einmal ein Wunder geschehen“ (Westenthaler). An diesem Mittwoch teilt Westenthaler gegen „die grüne Göre“ aus und trompetet: „Willst du mit Lena Schilling allein in einem Aufzug fahren? I net.“

Für feine Klinge war Westenthaler nie bekannt, seine Politmethode war stets der scharfe Bihänder: Attacken und Diffamierung, garniert mit hämischem Grinsen. 1988 lief das Wiener Arbeiterkind Westenthaler, kurz nach der HTL-Matura, dem damals aufstrebenden Jörg Haider über den Weg und machte als Mitglied der berühmt-berüchtigten „Buberlpartie“ und Lehrbub des Altmeisters des heimischen Rechtspopulismus steile Karriere: Haiders Sekretär, Pressereferent, Klubobmann in der ÖVP-FPÖ-Regierung, immer auch für unangenehme Jobs zuständig, etwa Haider-Kritiker aus dem Weg zu räumen. 2008 verabschiedete er sich, nicht ganz freiwillig, aus der Politik.

Jetzt ist der 56-Jährige, braungebrannt wie alle FPÖler in den 1990er-Jahren, nur die Haare grauer, mit Wucht zurück: „Ein persönliches Comeback, aber kein politisches“, nennt er es. FPÖ-Obmann Herbert Kickl, mit dem er früher Schreibtisch an Schreibtisch in der blauen Pressestelle saß, suchte einen Scharfmacher im ORF und rief Westenthaler an, seit März sitzt er im ORF-Stiftungsrat. „Ich bin kein FPÖ-Mitglied, aber unsere Vorstellungen zum ORF decken sich zufällig“, sagt Westenthaler. Und rattert im Stakkatotakt herunter: „Meine Vision: Den ORF komplett neu aufstellen. Als einer der ersten Punkte wird die neue Regierung ein neues ORF-Gesetz beschließen, ungefähr im Dezember, dann die ORF-Gremien neu aufstellen, die Haushaltsabgabe abschaffen, im Sommer 2025 die komplette ORF-Führung neu besetzen.“ Voraussetzung für all das: ein FPÖ-Wahlsieg und die FPÖ in der nächsten Regierung, aber von beidem geht Westenthaler fix aus.

Und greift gegen den ORF in die Vollen. Wettert bei privaten Konkurrenzsendern wie „Servus TV“ oder „oe24“ gegen die „Propagandamaschine“ ORF, wirft ihm „parteipolitische Agitation“ vor und tobt gegen „Gehälter, wo dir das Grauen kommt“. Keiner schreit so vehement gegen den ORF wie die Ein-Mann-Aufregungsmaschine Westenthaler. ORF-Bashing scheint sein neues Lebenselixier.

Sicherer Brüller ORF-Attacke

Das passt perfekt zur beinharten FPÖ-Linie: Brachialattacken gegen die gemeinen „System-Medien“ im Allgemeinen und den „Zwangsgebühren“-ORF sind in jedem Bierzelt ein sicherer Brüller. Anti-ORF geht immer, nach dem Motto agierte schon Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der als Vizekanzler gegen „Lügen“ im ORF zu Felde zog (und sich Klagen einhandelte).

Aber passt dieses enthemmte Dauerfeuer gegen Österreichs größtes Medienunternehmen zu Westenthalers Funktion als ORF-Stiftungsrat? Auf keinen Fall, finden seine Kollegen: 30 von 35 Mitgliedern des Stiftungsrates, von ÖVP, Grünen und NEOS, weisen Westenthaler in einem scharfen Brief unmissverständlich darauf hin, dass er gemäß ORF-Gesetz verpflichtet sei, im Interesse des ORF zu handeln. Und nicht „unternehmensschädigend“ agieren dürfe.

Eva   Linsinger

Eva Linsinger

Innenpolitik-Ressortleitung, stellvertretende Chefredakteurin