Wilderer von Annaberg: Die letzten Jahre des Alois H.

Wilderer von Annaberg: Die letzten Jahre des Alois H.

Was vom Verbrechen übrig bleibt: Die letzten Jahre des Wilderers und Vierfachmörders Alois H. und seine tragische Hinterlassenschaft.

Das Haus - "mein kleines Schloss“ nannte es Alois Huber - war sein zweites Gesicht. Versteckt in einer Mulde, Landhausstil der 1990er-Jahre, gediegen. Steinsäulen im Halbrund, Modell Amphitheater. Ein Schwimmbassin, seit Langem unbenutzt. In der Küche Stöße von Gmundner Geschirr. Viel Schmiedeeisen, Jagdtrophäen in Mengen. Hinter dem Haus perfekte Vorrichtungen zum Zerlegen von Wild, ein Seilzug, ein Wasserbecken. Die große Kühlzelle fehlt, sie war aus einem Gasthaus gestohlen.

Unmittelbar daneben ein Bildstock, Mausoleum für die im Juli 1999 verstorbene Ehefrau Rosmarie. Hier stand die Urne mit ihrer Asche. Am Tag seines Todes schlug Alois H. die Glastür ein, nahm sie mit sich in den Bunker, dort legte er zur Verwischung seiner Spuren Feuer, wie er es so oft getan hatte, und richtete seine Waffe auf sich selbst.

Die Konkursmasse

Das Haus und der hügelige Grund, auf dem es steht, sind die Hinterlassenschaft jenes Mannes, der zwei Jahre lang als Wilderer-Phantom gejagt worden war. Am 17. September des Vorjahres hatte sich Alois Huber in den Wäldern rund um Annaberg, Niederösterreich, seinen Rückzug freigeschossen. Drei Polizisten und ein Rettungsfahrer erlagen seinen Gewehrkugeln.

Der Melker Rechtsanwalt Johann Huber bemüht sich redlich, das Ende dieser kriminellen Laufbahn als "Konkurs 14S175/13w“ abzuhandeln. Es gibt Regeln und Usancen, an denen er sich festhalten kann. Doch fallweise erinnern ihn fremde Gestalten, die er dabei ertappt, wie sie mit schaurigem Grusel an den "Betreten und Fotografieren verboten“-Schildern auf dem Anwesen herumschleichen, daran, dass er keinen "normalen Fall“ übernommen hat.

Vergangenen Donnerstag fährt ein Auto mit Melker Kennzeichen vor. Der Fahrer steigt aus, schiebt das Eisentor mit den Initialen A, R und H auf, um sich an Ort und Stelle umzusehen, denn er habe gehört, "das ist zu kaufen“.

Der Masseverwalter muss dafür sorgen, dass das Vorhandene an Geschädigte und Opfer verteilt werden kann. Alois Hubers Familie hat auf Ansprüche verzichtet. Die Republik Österreich will zwei Millionen Euro für die Versorgung der Witwen und Kinder der ermordeten Polizisten. Auch die kaputten Einsatzfahrzeuge stellt sie in Rechnung. Versicherungen verlangen die Millionen zurück, die sie den Opfern des Einbrechers und Brandstifters Alois H. ausbezahlt haben. Anwalt Huber akzeptierte 3,8 Millionen Euro als berechtigte Ansprüche.

Die ermordeten Einsatzkräfte hinterließen vier Frauen und acht Kinder, fünf davon noch schulpflichtig. Sie sind ebenfalls Gläubiger in diesem Konkurs. Ihre Anwälte Nikolaus Rast und Klaus Gimpl forderten sechsstellige Beträge für sie ein. Am Ende, wenn abgerechnet wird, werden für jeden von ihnen ein paar tausend Euro übrig bleiben. Denn das finanzielle Erbe von Alois H. - in Summe einige hunderttausend Euro - wird auf alle nach dem gleichen kleinen Prozentsatz verteilt.

Gerechtigkeit ist bei diesem Konkurs ein hoher Anspruch. "Unerträglich“ findet etwa Udo Jesionek von der Kriminalitätsopferhilfe Weisser Ring, dass die Not der Kinder und Witwen von Gewaltopfern mit den Ansprüchen der Republik und von Versicherungskonzernen konkurrieren muss. Je mehr der Masseverwalter herausholt, desto mehr bleibt auch für die Opfer. Selbst für die Lederhosen von Alois H. gibt es Interessenten. Seine vier Pistolen, die Motorräder und Autos sind bereits verkauft. Sein letztes Tatauto aber, einen Pickup-Truck, ließ Huber verschrotten. Im Konkurs 14S175/13w geht es auch um Pietät.

Das immaterielle Erbe des Verbrechens

So schwer es ist, auch das Leid der Opfer muss in Zahlen gefasst werden. Doch jede Zahl ruft Neider auf den Plan, wie die Familien der Mordopfer nach der ersten Welle an Beileidsritualen schmerzlich erfuhren. Es sei ihnen nicht leicht gefallen, auf Spenden angewiesen zu sein, erzählten sie Isabella Bieringer vom Weissen Ring. Seit Medien über das Konkursverfahren und "109.000 Euro für ein Polizistenleben“ berichteten (so hoch ist die gesetzliche Einmalentschädigung), werden manche nicht mehr von ihren Nachbarn gegrüßt.

Und dann gibt es noch die Menschen, die Alois H. bestohlen hat, deren Häuser er aufbrach und anzündete. Dass er entdeckt wurde, hat bei vielen Erleichterung ausgelöst. Im Weinlokal der aus der bekannten Dürnsteiner Familie kommenden Wirtsleute Ina und Raymond Thiery in Rossatz war Alois H. am Abend des 31. Jänner 2001 eingestiegen. Er erbeutete zwei Statuen, einen alten Brustpanzer und ein Aktbild. Im Keller drosch er auf Kisten mit feinem Marillenschnaps ein, öffnete die Hähne der drei Weintanks, jeder einzelne war bis zum Anschlag gefüllt. 9000 Liter Riesling versickerten. Danach entfachte er im Kamin der Gaststube Feuer. Die Ofentür ließ er weit offen. In der Küche stellte er Pfannen voll Öl auf den Herd und drehte die Hitze maximal auf. Nur aufgrund fehlender Luftzufuhr kam es nicht zum Großbrand.

Nach Hubers Enttarnung sind die Thierys den Verdacht los, sie selbst hätten ihren Wein auslaufen lassen, um die Versicherungssumme zu kassieren. "Diese Anschuldigungen haben mich mehr getroffen als die Tat“, sagt Raymond Thiery. Das Restaurant hatte er mit seiner Ina rasch wieder hergerichtet, die Weinberge aber verpachteten sie: "Wir konnten nicht ausschließen, dass es jemand auf uns abgesehen hatte und uns womöglich die nächste Ernte vernichten würde.“ Dieser Tatbestand gilt übrigens als Vandalismus. Dagegen waren die Thierys nicht versichert.

Rund 100 Kilometer weiter südlich steht die Jagdvilla des Hutmacher-Fabrikanten Leo Nagy. Die Erinnerung an eine Augustnacht 2004 lässt ihn heute noch erschaudern: "Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn wir an diesem Abend nach Gutenstein gefahren wären.“ Das Anwesen war menschenverlassen, als Alois Huber in Nagys Waidmanns-Himmel einbrach: ausgestopfte Luchse, Schneehasen, Vögel, ein Wolf mit gähnendem Maul, hunderte Geweihe, Wildschweinköpfe, Schatullen mit Tierzähnen. "Alles selbst geschossen“, sagt Leo Nagy: "Man hängt sich als anständiger Jäger kein Tier an die Wand, das man nicht eigenhändig erlegt hat.“

Waidmann und Wilderer Alois H. hatte das Anwesen bei einem Jägertreffen kennengelernt. 51 Rehbockgeweihe, vier Gämse, zwölf Wildschweintrophäen, neun antike Jagdmesser, fünf alte Pistolen, drei ausgestopfte Waldrappen, eine Bärendecke, ein Luchsfell lud er in seinen Transporter. "Er bevorzugte europäisches Wild. Nur meinem Puma aus Kanada konnte er nicht widerstehen“, sagt Leo Nagy.

Um die Spuren zu beseitigen, setzte Alois H. die mächtige Holztreppe in der Mitte des Hauses in Brand, das trotz eines Feuerwehrgroßeinsatzes niederbrannte. Nagy: "Alle Zeitungen waren voll mit Bildern von unserem Haus.“ Polizei und Jägerschaft vermuteten als Täter eine Diebesbande aus Osteuropa, darauf spezialisiert, Trophäen an erfolglose Jagdtouristen zu verscherbeln. Inzwischen hat der alte Herr seine Sammlung fast vollständig zurückbekommen. Es brauchte fünf Autofahrten, um sie wieder an ihren angestammten Platz zu bringen. Das Haus ist längst neu aufgebaut, originalgetreu. Nur Jägertreffen veranstaltet Nagy keine mehr.

Der Strafakt

Bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten hinterließ Alois H. einen vielbändigen Strafakt. Das Verfahren, das seit 2010 gegen den damals noch unbekannten Wilderer lief, bekam im Vorjahr die Aktenzahl 4 St175/13y, es befindet sich nun im Stadium der "Beendigung von Todes wegen“. Die Opfer seien auszuforschen, das Diebesgut sei zurückzugeben, was dann noch übrig bleibe, sei zu versteigern, so die Sprecherin Maria Tcholakova.

Der Abschlussbericht der Polizei soll bald fertig sein. 95 Taten legen die Ermittler dem Toten zur Last, eine ab 1995 langsam anschwellende verbrecherische Serie. In diesem Jahr bricht Alois Huber bei einem Unternehmen ein und lässt Werkzeug mitgehen. Danach bleibt er für zwei Jahre lang unauffällig, bevor er im Sommer 1997 im Bezirk St. Pölten die Eingangstür eines Privathauses aufzwängt, das einem langjährigen Jagdpächter gehört. Er rafft Jagdkleidung, Waffen, und Alkoholika an sich - 25 Flaschen klare Brände, Cognac und Sekt - und montiert die Alarmanlage ab. Der Schaden: 28.000 Euro. Nur den Wein lässt er stehen.

1998 verläuft laut Strafakt wieder ruhig, 1999 wird eine Tat aktenkundig. Es ist das Jahr, in dem Rosi, die Frau des späteren Vierfachmörders, stirbt. Danach geht es Schlag auf Schlag. Seine Einbruchs-, Diebs- und Zerstörungsserie in Auszügen:

• 2000, Bezirk Krems: Aus einem Forsthaus, das den Bundesforsten gehört, nimmt Alois Huber Trophäen, Flinten, Repetiergewehre, Ferngläser, Rücksäcke, Handschuhe, Messer, Putzzeug für Waffen und Patronen mit. Schaden 25.000 Euro.

• 2001 erbeutet er in einer Schießstätte in seinem Heimatbezirk Melk Trophäen und Kleidung im Wert von 23.000 Euro. Im selben Jahr holt er aus einem Wohnhaus nahe Amstetten Waffen, Schmuck, ein Motorrad, Kleidung. Den Tatort überschüttet er mit flüssigem Lack, was den Schaden um 45.000 Euro in die Höhe treibt.

• 2002 steigt er im Bezirk Scheibbs in das Jagdschloss Steinbach in Göstling ein, reißt die Telefonleitung aus der Wand, bricht den Waffenschrank auf und legt einen Brand. Um 5.30 Uhr rücken Löschfahrzeuge und insgesamt 100 Feuerwehrleute aus. Der Schaden beträgt 4,2 Millionen Euro.

• 2004 räumt er das erwähnte Jagdschloss des Hutfabrikanten Nagy im Bezirk Wiener Neustadt aus und brennt es nieder.

• 2007 macht er sich an drei Baggern des Bundesheeres zu schaffen und entwendet aus ihnen drei Arbeitsscheinwerfer.

Insgesamt 50 Mal dringt er laut Staatsanwaltschaft in Privathäuser, Forsthütten und Jagdunterkünfte ein, er legt Brände, zertrümmert Autofenster, schlitzt Autoreifen auf (in einer Nacht sind es 154) und richtet in Summe fast zehn Millionen Euro Schaden an. Seine Spur der Verwüstung konzentriert sich auf Niederösterreich. Ein Mal schlägt er in Salzburg und in Wien zu, 13 Mal im Bezirk Graz, wo er mehrmals als Wilderer auf der Lauer liegt.

Zwischen 2005 und 2012 macht er sich zur Brunftzeit mit gestohlenen Kennzeichen auf den Weg. Er schießt vom Auto aus, damit er rasch flüchten kann. Zwölf Mal bleiben ausblutende Tierkörper zurück. Meist trennt er den Hirschen die Häupter ab, "fachmännisch“, wie das Protokoll vermerkt. Manchmal schneidet er das Projektil aus dem Fleisch, um keine Spuren zu hinterlassen.

Das Rätsel Alois H.

Was bleibt von ihm als Person? Alois H. hatte nicht viele Menschen, die ihm nahestanden. Als seine Asche beigesetzt wurde, fand sich nicht mehr als ein Dutzend ein. Einer von ihnen war Herbert Huthansl. Vergangene Woche steht der 74-Jährige in seiner Jägerkluft an der Theke des "Jägerhof“ in Anzendorf bei Melk. Aus seiner Hosentasche ragt der Griff eines Jagdmessers. Keiner hat den Wilderer, der am 17. September des vergangenen Jahres vier Menschen mit Schüssen niederstreckte, so gekannt wie er. Doch was heißt das schon?

"Ich war sein bester Freund“, sagt Huthansl. Gekannt habe er von ihm aber nur eines von zwei Gesichtern. Die Männer waren mit ihren Harleys ausgefahren und als Waidmänner durch den Wald gestreift, sie hatten miteinander gegessen und sich über Formel 1, Motorräder und die Jagd unterhalten. Privates berührten sie nie. "Der Lois“ hatte mit seiner Familie gebrochen. Nach dem Warum hat Huthansl, der Ältere der beiden, den jüngeren Huber nie gefragt.

Im Ort hielt sich der Transportunternehmer aus Großpriel abseits. Schlug Huthansl vor, jemanden zur Motorrad-Tour mitzunehmen, machte dieser kein Hehl daraus, dass er lieber allein mit dem Freund blieb: "Ich war seine Insel.“ Die Männer hatten sich angefreundet, als der aus Wien zugereiste Bauunternehmer Huthansl den "Lois“ auf eine Gamsbockjagd einlud. Nach dem Krebstod von Hubers Frau Rosi saß er an den Wochenenden bei den Huthansls mit am Tisch. Er brachte der Hausfrau Blumen und zu Ostern handgemalte Eier, seinem Freund schenkte er eine Holzkassette voll Patronen, in die er seinen Namen eingravieren hatte lassen.

Zwei Wochen vor dem blutigen 17. September riss bei einem gemeinsamen Kaffee der Panzer auf. "Ich muss mich verändern“, sagte Alois Huber. Sein Freund hatte sich seinen Teil gedacht, als Huber seiner Putzfrau kurz zuvor einen Motorradhelm kaufte: "Ja, du musst den Bademantel von der Rosi und den Schmuck wegräumen und dir wieder eine Frau nehmen.“ Doch den Freund schien anderes zu quälen: "Ich bin schizophren“, sagte er, und als der Ältere sich lustig machte ("Was ist das überhaupt?“) redete er düster von einem "zweiten Ich“. Dann brach das Gespräch ab, und auch wenn Huthansl sich bemühte, es noch einmal aufzunehmen. "Treibst du es mit Kindern? Was ist los?“, der Lois wollte nicht mehr sagen: "Du wirst es erfahren.“

Nun sitzt sein Freund mit dieser monströsen Geschichte da. Was hätte er gemacht, hätte er sie früher erfahren? Er werde "seinen Trieb nicht los“, habe der Lois im letzten Telefonat gesagt: "Er wollte jemandem wehtun, Schaden zufügen, Besitz ergreifen. Das war seine Krankheit.“ Und noch früher? Womöglich hätte er ihn dazu gebracht, zu einem Psychiater zu gehen, "und es wäre nicht zu den vier Toten gekommen“.

Bei einem Harmonikafest, das sein Stammgasthaus "Jägerwirt“ ausgerichtet hatte, stahl Alois Huber Gewehre, drosch auf Autos ein und zerstach Reifen, selbst jene des Wirtes. Am nächsten Tag saß er in der Gaststube und gab sich so verwundert wie alle anderen. Und wäre er eines Tages bei seinem besten Freund eingestiegen und hätte er, Huthansl, ihn überrascht, "hätte es gekracht - da wäre ich ihm im Weg gewesen“.

Das war Alois Huber nach seiner Überzeugung nämlich auch, "eiskalt“. An dem Tag, an dem er ihn um sieben Uhr morgens anrief und sagte: "Du bist mein bester Freund. Ich habe die Burgi erlöst und jetzt bin ich dran“, begriff Huthansl: "Wirst dir halt wieder einen Hund nehmen“, sagte er. Nein, nein, war Hubers Antwort, er sei der, "den alle suchen, der Wilderer“, und der, "der die Hütten angezündet hat“. Huthansl wollte reden, doch Huber winkte ab: "Du brauchst nicht kommen. Ich bin umzingelt. Ich hab drei Polizisten erschossen.“

"Feinde“ habe das zweite, unbekannte Ich des Huber Lois in den Polizisten gesehen. Nach dem Mord an drei von ihnen und an einem Rettungsmann war er in den Bunker gestiegen und hatte ein letztes Mal geschossen, dieses Mal in seinen Kopf. Den Bunker bekam selbst sein bester Freund Herbert Huthansl erst danach zu Gesicht.

Offene Fragen zum Wilderer-Einsatz

17. September 2013. 54 Patronen blieben auf dem Holzlagerplatz zurück, an dem Alois Huber sich mit seinen Verfolgern ein Feuergefecht liefert. Er hatte eine schreckliche Munition gewählt. Als er auf seine Opfer anlegte, hatten sie keine Chance. Zwei Polizisten streckte Alois Huber mit einem Kopfschuss nieder. Einem Cobra-Beamten zielte er auf die Brust, einen Sanitäter erschoss er durch das Autofenster. Am Ende lud Alois Huber vier Morde auf sein Gewissen. Hätte man sie verhindern können? Zumindest einen davon, zwei?

Dass Innenministerin Johanna Mikl-Leitner nach dem Einsatz diese Fragen "pietätlos“ fand, macht in der Gaststube des "Jägerwirts“ einige wütend. "Die Herren mit den goldenen Sternen sitzen im Warmen und lassen ihre Leute im Gatsch liegen“, wird geschimpft. Die Ermittler dürfen keine Silbe sagen. Was von der Presseabteilung nicht abgesegnet ist, ziehe eine Anzeige wegen Bruchs der Amtsverschwiegenheit nach sich, heißt es aus der Polizei. Beim Einsatzkommando Cobra konzentrierten sich alle Energien darauf, nach außen alles abzudichten. Und die Ressortspitze sitzt Gesprächsanfragen mit dem Argument aus, es werde evaluiert, ein Ergebnis sei nicht vor Mai zu erwarten.

Vielleicht hofft man, dass drei tote Beamte und ein toter Sanitäter in Vergessenheit geraten. Dabei sollte das Ministerium nicht auf das schwache Erinnerungsvermögen der Bevölkerung vor Ort bauen. Herbert Huthansl, der mit Alois Huber telefonierte, als Polizeieinheiten sein Anwesen umlagerten, nimmt sich als "normaler Bürger“ das Recht heraus, "diesen Einsatz nicht in Ordnung zu finden“: "Die Beamten hatten kein Nagelband, keine Nachtsichtgeräte, keine Scheinwerfer. Das Schussgefecht dauerte eineinhalb Stunden. Wie kann es sein, dass zwei Leute im Auto sitzen und warten, bis der Lois ein, zwei Kilometer zu Fuß daherkommt und sie mit dem Gewehr erschießt? Und warum hat der Polizist, dem er in die Brust schießt, keine kugelsichere Weste am Leib? Wer hat da welche Kommandos gegeben? “

Die Fragen sind - ein halbes Jahr nach dem 17. September - noch nicht einmal ansatzweise beantwortet. Auch das bleibt von Alois H.

Bild: Philipp Horak für profil