Tiroler Festspiele: Wirbel um Ladung von Auskunftsperson im "Fall Kuhn"

Gustav Kuhn

Gustav Kuhn

Kaufmännische Leiterin der Festspiele Erl bei Anhörung dabei.

Vergangene Woche erhielten Künstlerinnen, Musiker und Ex-Mitarbeiter der Tiroler Festspiele Post von der Gleichbehandlungskommission. Betreff: Ladung von Auskunftspersonen. Die Empfänger, fünf Frauen und acht Männer, hatten dem inzwischen beurlaubten Intendanten Gustav Kuhn „anhaltenden Machtmissbrauch“, „sexuelle Übergriffe“, „übergriffiges Verhalten in vielerlei Hinsicht“ und „strukturelle Gewalt“ vorgeworfen (profil berichtete ausführlich). Am 14. November sollen sie vor der Gleichbehandlungskommission aussagen – ein Ereignis mit Seltenheitswert. Normalerweise wird das im Bundeskanzleramt angesiedelte Gremium von Arbeitnehmern angerufen, die sich diskriminiert oder sexuell belästigt fühlen – nicht von Arbeitgebern. Der Termin am 14. November kam jedoch auf Betreiben der Tiroler Festspiele zustande. Die Folge: Die Antragstellerin darf einen Vertreter schicken. Wie der schriftlichen Ladung zu entnehmen ist, ist das im vorliegenden Fall die kaufmännische Leiterin der Tiroler Festspiele. Wenn die Künstlerinnen, Musiker und Ex-Mitarbeiter über ihre leidvollen Erfahrungen erzählen – einzeln und in einer nicht öffentlichen Sitzung – sitzt ausgerechnet jene Frau mit im Raum, die sich mit Kuhn die Geschäftsführung der Tiroler Festspiele teilt. Davor war sie im Büro der Grünen Ex-Landesrätin Christine Baur tätig, die wiederum seit dem Sommer Ombudsfrau für die Tiroler Festspiele Erl ist. „Das lässt bei uns sämtliche Alarmglocken schrillen“, sagt Christoph Ziermann, Ex-Marketingchef der Tiroler Festspiele Erl und eine der angeschriebenen Auskunftspersonen: „Wer garantiert uns, dass unsere Aussagen nicht unverzüglich an Gustav Kuhn weitergehen, der sie womöglich nur dazu nützt, weitere Klagen einzubringen?“

Ombudsfrau kalmiert

Zweifel sind angebracht: Eine der Sängerinnen, die vor zwei Wochen in profil ihre Erlebnisse in Erl schilderte, wurde von Kuhn vergangene Woche auf Unterlassung geklagt. Ombudsfrau Baur kalmiert: „Die Intention ist aufzuklären, nicht auszufratscheln, um danach abzuwatschen. Man kann außerdem verlangen, allein befragt zu werden.“ Der beurlaubte Maestro jedenfalls scheint mit einem da capo als Dirigent zu rechnen: Im Festspielhaus stapeln sich bereits die neuen Programmhefte. Laut den hellblauen Broschüren steht auch die kommende Wintersaison ganz unter seiner künstlerischen Leitung.