Wie hilft ein Avatar beim Vokabelpauken?

Macedonia und ihr Avatar "Heidi".

Macedonia und ihr Avatar "Heidi".

Manuela Macedonia, Psycholinguistin, hat eine virtuelle Sprachlehrerin entwickelt, die mit ihren Gesten das Lernen erleichtert.

Die Psycholingusitin Manuela Macedonia jobbte als Sprachlehrerin für Italienisch, als sie eine einschneidende Entdeckung machte: Je mehr sie ihre Studenten motivieren konnte, sich zu bewegen, desto leichter merkten sich diese Vokabeln, Sätze und Dialoge. Öffneten sie zum Beispiel beim Aussprechen des Wortes "libro" mit ihren Händen ein imaginäres Buch, blieb das Wort besser hängen.

2011 wies Macedonia ihre These in einer international viel beachteten Studie nach. Gestikulierende Probanden konnten viel mehr Wörter speichern als jene, die nur durch Zuhören und Lesen gelernt hatten. Macedonia: "Durch die Geste entsteht im Gehirn ein komplexeres Netzwerk, das nicht nur Sprachareale sondern auch Regionen verbindet, die für Sinne und Motorik zuständig sind. Je größer das Netzwerk, desto besser kann man sich die Vokabeln merken."


Durch die Geste entsteht im Gehirn ein komplexeres Netzwerk

Um menschliche Lehrer zu unterstützen entwickelt die Linguistin am Institut für Wirtschaftsinformatik in Linz und am Max-Planck-Institut für Neurowissenschaften in Leipzig virtuelle Sprachlehrer. Heidi, ein Avatar, der Austauschstudenten an der Linzer Uni erste Deutschkenntnisse lehrt, ist sehr geduldig. Unermüdlich spricht und zeigt sie Vokabeln vor und registriert mithilfe eines Spracherkennungsprogramms, ob die Studenten die Worte korrekt aussprechen. Dasselbe gilt für die dazugehörige Geste. Heidi erkennt durch das System Kinect die Bewegung des Benutzers und lässt sie ihn im Zweifelsfall wiederholen. Ob Pauken mit dem Avatar oder mit einer menschlichen Lehrkraft: Die Lernleistung unterscheidet sich ersten Studien zufolge nicht - solange beide die Vokabeln mit Bewegung vermitteln.

Noch befinde sich Heidi in einem "embryonalen Stadium", so Macedonia. Ihre Bewegungen sind etwas abgehackt, ihre Erscheinung kann nicht mit den teuren Avataren in Computerspielen mithalten. Künftig soll sie so viel wie möglich über ihre Schüler abspeichern und sie gemäß ihres Alters, ihres Vorwissens und ihrer Auffassungsgabe individuell unterrichten. "Avatare wie Heidi könnten künftig auch den nach Österreich strömenden Flüchtlingen helfen, schnell Deutsch zu lernen", sagt Manuela Macedonia.