OECD-Studie: Akademikerquote steigt, geringe Aufwärtsmobilität

Aufnahmetest für das Medizinstudium in Wien im Juli 2015.
Aufnahmetest für das Medizinstudium in Wien im Juli 2015.

Aufnahmetest für das Medizinstudium in Wien im Juli 2015.

Geringe "Aufwärtsmobilität" und ein teures Schulsystem: Vergangenen Dienstag wurden im Bildungsministerium die Ergebnisse der OECD-Studie "Education at a Glance" präsentiert.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentierte gemeinsam mit Dirk Van Damme, Leiter des Centre for Educational Research and Innovation (CERI), die Bildungsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) "Education at a Glance". Überrascht hat dabei vor allem die sprunghaft gestiegene "Akademikerquote". Andere Kennzahlen blieben weitgehend gleich, so auch die geringe "Aufwärtsmobilität".

Nur 21 Prozent der jungen Erwachsenen in Österreich erreichen einen höheren Abschluss als ihre Eltern. Im tertiären Bereich sind es sogar nur elf Prozent der 25- bis 34-Jährigen, das ist die geringste Aufwärtsmobilität unter den OECD-Ländern. "In Österreich haben Kinder von AkademikerInnen viel höhere Chancen, selbst ein Studium abzuschließen als Kinder von Personen, die vielleicht nur die Pflichtschule absolviert haben", kommentiert Van Damme die Ergebnisse.

Neue Definition

Insgesamt stiegen die Absolventenzahlen im tertiären Sektor überraschend an, was vor allem an der Neudefinition des Begriffes liegt. Auch die vierten und fünften BHS-Jahrgänge sowie Aufbaulehrgänge wurden als "kurze tertiäre Bildungsprogramme" anerkannt. 15 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben einen solchen Abschluss, während lediglich zwei Prozent über einen Bachelor-Abschluss verfügen. Elf Prozent haben einen Master-Abschluss, nur ein Prozent einen Doktor-Titel.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentiert gemeinsam mit CERI-Leiter Dirk Van Damme den OECD-Ländervergleich „Education at a Glance“.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentiert gemeinsam mit CERI-Leiter Dirk Van Damme den OECD-Ländervergleich „Education at a Glance“.

Absolventen einer tertiären Ausbildung können sich über hohe Beschäftigungsquoten freuen, 85 Prozent sind in einem Arbeitsverhältnis. Am schlechtesten schneiden hier Bachelor-Absolventen ab: Ihre Beschäftigungsquote (77 Prozent) liegt ganze 12 Prozent unter der von Master-Absolventen und sieben Prozent unter jener der Absolventen von berufsbildenden Schulen und Aufbaulehrgängen. Ein Doktor-Titel bringt keine besseren Job-Aussichten, ein Mann zu sein jedoch sehr wohl. 87 Prozent der Männer mit einer tertiären Ausbildung haben einen Job, aber nur 83 Prozent der Frauen. Zwischen 35 und 44 verdienen sie nur 71 Prozent dessen, was ein vergleichbar ausgebildeter Mann verdient.

Teures Schulsystem

Die Kosten für das österreichische Schulsystem im Vergleich hoch, Lehrer verdienen weit mehr als im OECD-Durchschnitt: "Bei den jährlichen Ausgaben pro SchülerIn liegen wir über dem OECD-Schnitt, Hauptgrund dafür sind die kleinen Klassengrößen und ein im OECD-Durchschnitt extrem gutes Betreuungsverhältnis." Auch die Fortschritte in der Elementarpädagogik lobt Heinisch-Hosek: "Der Anteil der Kinder, die in den Kindergarten gehen, ist seit 2005 beträchtlich gestiegen." Mittlerweile sind 71 Prozent aller Dreijährigen in Betreuung, sowie 96 Prozent der Fünfjährigen.