Privatbanken: Harter Wettkampf in Österreich

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01/29/2022

Privatbanken: Harter Wettkampf in Österreich

Die Private-Banking-Branche sieht trotzt Konsolidierung und Margendruck noch Potenzial in Österreich.

von Robert Prazak

An Privatvermögen mangelt es in Österreich nicht – und es ist trotz der Coronakrise gewachsen: Eine Billion Dollar betrug es 2020 laut Global Wealth Report der Boston Consulting Group, ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Jahr davor. Auch im vorigen Jahr dürfte sich dieser Trend fortgesetzt haben. In Österreich gibt es also viele vermögende Personen – das wiederum sollte ausreichend Geschäft für die Anbieter von Private Banking und Wealth Management bringen. Und doch ist es zuletzt zu einer Konsolidierung gekommen, die für Aufruhr in der Branche gesorgt hat. Das lag vor allem am Rückzug von zwei Schweizer Banken aus Österreich sowie an einer Fusion:

  • Die UBS hat ihren österreichischen Wealth-Management-Zweig an die LGT Bank übergeben, die sich im Besitz des Fürstenhauses von Liechtenstein befindet – dieser Übergang wurde Ende Juli abgeschlossen. Die LGT Bank mit CEO Meinhard Platzer erhöhte damit ihr Volumen der veranlagten Kundengelder von 12,4 auf 17 Milliarden Euro.
  • Auch die Credit Suisse hat Österreich mit ihrem Private-Banking-Geschäft verlassen. Die Bank hat nach dem Rückzug ihren Kunden empfohlen, zur LLB – das ist die Liechtensteinische Landesbank – zu wechseln. Damit haben die Banken aus dem Fürstentum sozusagen die Rolle von zwei Schweizer Konkurrenten in Österreich übernommen. Die Zürcher Kantonalbank ist allerdings in Österreich geblieben und will weiter wachsen. 
  • Die Fusion von Schelhammer & Schattera und Capital Bank zu Schelhammer Capital wurde im September vollzogen. Dieses Unternehmen ist nach eigenen Angaben mit einem verwalteten Kundenvolumen von knapp 24 Milliarden Euro nunmehr die größte Privatbank in Österreich. Die fusionierte Bank gehört zur Gänze der Grazer Wechselseitigen Versicherung (Grawe).

„Für einige große Player ist das Geschäft hier nicht so gut gelaufen, das ergibt die Chance, Marktanteile zu gewinnen“, analysiert Maximilian Clary und Aldringen, Leiter Private Banking der Erste Bank, die jüngste Entwicklung. Er spricht von einer „signifikanten Konsolidierung“. Nach Ansicht von Hermann Wonnebauer, Vorstandsvorsitzender der erwähnten Zürcher Kantonalbank Österreich (ZKB), ist es für Kunden immer schlecht, wenn sich das Angebot verringert. „Ich habe daher ein lachendes und ein weinendes Auge, wenn Konkurrenten sich verabschieden.“ Covid-19 habe die Entwicklung noch beschleunigt, meint Jens-David Lehnen, Bereichsleiter Private Banking bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. „Der österreichische Markt wird auf mittelfristige Sicht nahezu ausschließlich von lokalen Anbietern dominiert, die in der Lage sein müssen, eine klare Positionierung zu finden.“ Für Christian Jauk, Vorstandsvorsitzender von Schelhammer Capital, folgt die Entwicklung einer klaren Logik. „Größere ausländische Marktteilnehmer haben das Marktpotenzial neu bewertet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Chancen für Wachstum nicht attraktiv genug sind.“ Private Banking sei eben sehr wettbewerbsintensiv ­ – und die Margen haben sich seit 2016 halbiert, wie aktuelle Studien zeigen.

2,1 Billionen Dollar beträgt das Gesamtvermögen der Österreicher, wenn zum Finanzvermögen (ca. eine Billion) auch noch Sachvermögen wie Grundbesitz oder Kunst gezählt wird.

Tatsächlich ist der Markt bei weitem nicht so einfach, wie dies auf den ersten Blick und angesichts des Volumens des Privatvermögens erscheinen könnte. So wie die Banken insgesamt haben nämlich auch die Privatbanken bzw. Vermögensverwaltungen nicht nur mit sinkenden Margen, sondern darüber hinaus mit regulatorischen Vorgaben zu kämpfen. Diesen Kostendruck in Kombination mit zunehmender Regulierung sieht Christian Jauk als Grund, dass die Konsolidierungsphase seiner Meinung nach noch nicht abgeschlossen ist. Der Margendruck bleibe aufrecht, glaubt auch Clary und Aldringen. „Man sieht aber, dass sich jene Player, die ein funktionierendes Geschäftsmodell haben, langfristig behaupten.“ Die Kunden wollen sich darauf verlassen, dass ihr Partner langfristig hier bleibt.

Wie geht es weiter in dieser Sparte? Trotz des schwierigen Umfelds sind die Akteure durchaus positiv gestimmt. Der Markt habe noch Potenzial, zeigt unser Rundruf bei den Anbietern. Welche Argumente werden nun angeführt? Für ZKB-Chef Wonnebauer sind die Schweizer Wurzeln weiterhin ein gutes Argument: „Swiss made hat nach wie vor eine gute Reputation.“ So könne seine Bank auf rund 200 Analysten in Zürich zurückgreifen. „Wir haben eine sehr geringe Fluktuation, die Kunden fühlen sich wohl und werden vor Ort von Österreichern betreut.“ Die Österreicher sind beim Geldanlegen heikel, so viel steht fest. Man müsse die Besonderheiten des Marktes eben verstehen, bestätigt Jens-David Lehnen (Raiffeisen): Vermögen entsteht in den seltensten Fällen durch unternehmerische Leistung oder Innovation, sondern ist bereits verteilt. „Es ist ein bisschen so, als wäre man einer von sechs Gästen auf einer Dinner-Party, aber an der Tafel stehen nur fünf Stühle. Die Frage ist: Wie bekomme ich einen Platz am Tisch?“ Die Antwort seiner Bank: mit einem Omnikanal-fähigen Angebot, niederschwelligen und gleichzeitig hochqualitativen Produkten und Dienstleistungen vor allem im Bereich Wertpapiere.

Für den Private-Banking-Bereich der Erste Bank sieht Clary und Aldringen unter anderem Nachhaltigkeit als Kernthema. „Wir wollen nachhaltiges Anlegen zum Standard machen.“ Nicht nur, weil es Sinn mache und notwendig sei, sondern auch weil es risikoadjustiert beziehungsweise langfristig eine bessere Performance bringe. Wachstumspotenzial ergebe sich außerdem schon dadurch, dass es immer mehr Kunden in Österreich gibt, die zu Geld kommen. „Das ist etwa die Erbengeneration, aber auch die Start-up-Szene, wo immer wieder viel Geld in kurzer Zeit generiert wird.“ Seine Bank könne ihnen den gewünschten digitalen Lifestyle auch im Private Banking anbieten.

Letztlich ist das Umfeld ja nicht nur für die Banken herausfordernd, sondern auch für die Kunden selbst. „Die niedrigen Zinsen in Kombination mit steigender Inflation sind Gift für erspartes Vermögen“, sagt Christian Jauk (Schelhammer Capital). Dieses Umfeld zwingt Anleger in risikobehaftete Anlageformen zu investieren, doch die Expertise darin baue man nicht von heute auf morgen auf. „Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit nachhaltigen Veranlagungslösungen.“ Für Jauk ist Traditionsbewusstsein in Kombination mit einem langfristigen und modernen Zugang zu Anlagestrategien wichtig. Clary und Aldringen wiederum meint: „Wir sehen nach wie vor hohe Cash-Bestände in Österreich, daraus ergibt sich ein großes Potenzial. Der größte Fehler, den man machen kann, ist langfristig verfügbares Geld nicht zu investieren.“

35 Prozent des Privatvermögens der Österreicher liegen laut Schätzungen in Aktien und Investmentfonds, 40 Prozent in Spareinlagen und Bargeld.

Tatsächlich gibt es Potenzial für Privatbanken und Wealth-Management-Abteilungen der großen Institute – vor allem angesichts des hohen Anteils des Privatvermögens, der auf Sparbüchern oder sogar als Bargeld gehortet wird. Zwar ist die Bereitschaft, in Aktien oder Fonds zu investieren, zuletzt deutlich gestiegen. Doch noch immer sind sogar die Österreicher mit ausreichend Finanzkraft eher zurückhaltend, was neue Veranlagungsstrategien betrifft. Das Problem dabei: Vor allem jüngere Zielgruppen innerhalb der Gruppe der Reichen und Ultrareichen fühlen sich von den klassischen Angeboten der Banken nicht immer angesprochen. Laut Analyse der Boston Consulting Group haben sie eine höhere Risikobereitschaft und wollen mit ihrem Geld zudem etwas für die Gesellschaft bzw. Umwelt bewirken. Der Fokus auf die nächste Generation sei für Anbieter unerlässlich, betont Jens-David Lehnen. „In den kommenden zehn Jahren werden alleine in Österreich rund 15 bis 20 Milliarden Euro Vermögen übertragen.“ Die Kundenberatung müsse sich von einem noch zu ausgeprägten Fokus auf einzelne Personen hin zu einem Relationship-Management-Ansatz entwickeln in Form eines Family Bankers, der Lösungen für die verschiedenen Lebenszyklen der Kunden findet.

Dazu kommt die Verfügbarkeit digitaler Angebote bzw. Services, die jüngere Kunden erwarten – und nicht nur die. In dieser Hinsicht haben die österreichischen Privatbanken längst die Zeichen der Zeit erkannt. Die nächste Kundengeneration sei einerseits in der digitalen Welt zuhause, andererseits wünschen sich junge Menschen genauso persönlichen Kontakt und Austausch, glaubt Jauk. „Die Herausforderung für die Privatbanken der Zukunft wird es sein, beide Bedürfnisse zu verstehen und darauf einzugehen.“

Was bringt 2022 für Anleger? „Volatilität ist heuer ein Kernthema: Es wird in den USA Zinserhöhungen geben und Liquidität wird dem Kapitalmarkt entzogen, das hat bereits Auswirkungen“, sagt Maximilian Clary und Aldringen, Leiter Private Banking der Erste Bank. Anleger sollten bei Neuinvestments mit ihrem Berater die Situation genau analysieren und Volatilitäten für Marktchancen nutzen bzw. schrittweise einsteigen. Generell sei man mit den richtigen Aktien langfristig gut aufgestellt und können nach den Zugewinnen der letzten Jahre Korrekturphasen überstehen. „Aktien sind auch nach wie vor sinnvoller als Anleihen“, sagt Clary und Aldingen, der Gold als „sinnvolle Beimischung angesichts der hohen Inflation“ sieht. Werden die Österreicher also Aktien nutzen, um langfristig anzulegen? Hermann Wonnebauer (ZKB) ist eher pessimistisch: „Die Sparguthaben in Österreich sind noch sehr hoch, irgendwann werden diese Beträge ins Investment tröpfeln. Doch ich werde es nicht mehr erleben, dass die Sparquote massiv fallen wird.“