Sparvereine: Die Tradition, das Geld beim Wirten zu lassen

Sparvereine: Die Tradition, das Geld beim Wirten zu lassen

Sparvereine sind ein Teil der österreichischen Wirtshausgeschichte. Das Gasthaussparen entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Zwischenkriegszeit war nicht zuletzt für Sparer und Sparvereine eine Ära der Herausforderungen. „Nachdem die Inflation Rücklagen aufgefressen hatte, gewann das Sparen mit der Währungsreform 1924/25 und der Einführung des Schilling wieder an Attraktivität“, betont Wirtschaftshistoriker Christian Dirninger von der Universität Salzburg.
Während der NS-Zeit kamen Sparvereine weitgehend zum Erliegen, nur da und dort soll es laut mündlicher Überlieferung ein paar widerspenstige Sparmeister gegeben haben, mit deren Gemeinschaftserlös der Wirt um die Weihnachtszeit am Schwarzmarkt ein Schwein erstand und es statt der Auszahlung im Hinterzimmer einen gemeinsamen Festschmaus gab. Im Zweiten Weltkrieg fand das Sparen unter ganz anderen Gesichtspunkten statt. Sparen war nationale Bürgerpflicht, in der Sparkasse wohlgemerkt, Horten hingegen unter Strafe gestellt. Die Reichsmark der Kleinsparer veranlagten die Banken beim Staat und dienten damit der sogenannten geräuschlosen Kriegsfinanzierung.

Nach dem Krieg musste Kapital aufgebaut werden. In den 1950er-Jahren stand deshalb das Sparen hoch im wirtschaftspolitischen Kurs. „Sparförderung war ein zentrales Instrument des Raab-Kamitz-Kurses“, sagt Dirninger. In diesem Klima gewannen auch die Sparvereine wieder an Bedeutung, viele wurden neu- oder wiedergegründet. Banken und Sparkassen förderten das Gemeinschaftssparen durch attraktive Zinsen und auch kleine Geschenke für die Vereine.

Spätestens seit den 1990er-Jahre gilt das Geschäft mit Kleinsparern als wenig rentabel, die Geldinstitute bremsten ihr Engagement, einige zogen sich ganz aus diesem Segment zurück.