Wirtschafts-Comics: Der Fantastilliardär und andere Kapitalisten

Wirtschafts-Comics: Der Fantastilliardär und andere Kapitalisten

Während Institutionen darüber rätseln, wie man Mensch und Wirtschaft am besten schon von der Schulbank weg erfolgreich zusammenbringt, zeigt die Welt der Comics, dass es ganz einfach geht. Man muss nur Kind sein im Kopf - egal wie jung oder alt.

Sie halten "Feuerwehrmann" für den Beruf mit dem höchsten Prestige und wollen nur für ein Unternehmen arbeiten, das zu ihnen passt und sympathisch ist. Womit ein "Steuerfachangestellter" sein Geld verdient, ist ihnen rätselhaft -denn wichtiger als jeder Jobinhalt ist ohnedies die Bezahlung. Wenn 15-bis 29-Jährige zu Wirtschaft und Werten befragt werden, wie etwa kürzlich vom Umfrageinstitut Forsa in Deutschland (Ende 2014) oder der GfK Sozial-und Organisationsforschung in Österreich (November 2014), sind die Ergebnisse so sympathisch, wie sie die Welt da draußen niemals bereithalten würde. Im echten Leben geraten Junge tatsächlich oft schnell ins Schleudern, sobald sie mit Geld und Finanzen in Berührung kommen. Bei Österreichs Schuldenberatern etwa ist jeder dritte Klient unter 30 Jahre alt und steht mit durchschnittlich 32.000 Euro in der Kreide.

Wie bringt man Mensch und Wirtschaft zusammen?

Kein Wunder, dass sich nicht nur Institutionen (zuletzt forderte Familienministerin Sophie Karmasin ein praxisbezogenes "Übergangsjahr" für Jugendliche mit dem Ziel, deren Fokus auf unternehmerische Tätigkeiten zu lenken), sondern auch immer mehr Geschäftsmodelle damit beschäftigen, wie man Mensch und Wirtschaft rechtzeitig zusammenbringt, sodass der eine die andere versteht - und am Ende eine erfolgversprechende Allianz herausschaut.

Das Wiener Start-up Three Coins etwa hat vor einem Jahr ein viel beachtetes Mobile-Game - "Cure Runners" - entwickelt, bei dem vor allem Digital Natives spielend den Umgang mit Geld erlernen. Einen anderen Zugang eröffnen Wirtschafts-Comics. Neben immer wieder neu zusammengefassten Spezialausgaben über das Leben des berühmten "Fantastilliardärs" aus Entenhausen (Egmont Comic Collection) bringt zum Beispiel der deutsche Infocomics-Verlag "Tibiapress" Fach-Editionen heraus, in denen Begriffe wie Kapitalismus, Ökonomie, Marxismus oder die Theorien von Keynes durchaus anspruchsvoll, aber eben nicht staubtrocken erklärt werden. In der jüngsten Neuerscheinung auf dem Sektor, "Das Überleben der Spezies. Eine kritische, aber nicht ganz hoffnungslose Betrachtung des Kapitalismus" (Egmont Graphic Novel), nehmen der belgische Sozialwissenschafter Paul Jorion und der Zeichner Grégory Maklès den Finanzkapitalismus streng unter die Lupe. Was die Bücher eint: Sie bilden und mobilisieren gleichzeitig kindliche Impulse, egal wie alt ihre Leser sind. Ein Ausruf wie "Ich will alles!" fällt schließlich nicht nur an den Spieltischen von Dreijährigen.

Das Überleben der Spezies

Alles beginnt mit Legomännchen, die sich angesichts von Gen-Burgern, Atomkraftwerken in Erdbebengebieten und dem Bienensterben die Frage stellen, ob der Weltuntergang kurz bevorstehe. Doch "wenn man verstehen will, was in der Welt schiefläuft, muss man zuerst begreifen, wie aus einem anständigen, ehrbaren Primaten der furchtbare Mister X werden konnte". Dieser Mister X hat für eine "Bank Goldman Sax" ein Finanzprodukt entwickelt, das sich wie ein böser Zauberspruch liest. Von dieser unheilvollen Tatsache ausgehend, werden "Das Spiel von Verteilung der Überschüsse","Was mit dem Überschuss geschieht" und die "Widerlegung der Fakten" zeichnerisch erläutert. Am Ende kommt die Erkenntnis, dass "Kapital das Geld ist, das dort fehlt, wo es gebraucht wird" und wir die Welt "selbst ändern müssen. Wir müssen aufhören, das an Experten zu delegieren". Na dann!

Das Überleben der Spezies von Paul Jorion und Grégory Maklès. Egmont Graphic Novel. 120 Seiten. 24,99 Euro

Economix

Ein Feuerwerk an Lobeshymnen begleitet den "Streifzug durch die Wirtschaftsgeschichte in der Theorie -und der Realität" von Michael Goodwin und Dan E. Burr: "New York Times","FAZ","Tagessspiegel", ja sogar die Literaturexperten vom Fachmagazin "Literaturen" ergossen sich in Jubelmeldungen. In "Economix. Wie unsere Wirtschaft funktioniert" erklären der New Yorker Schriftsteller Michael Goodwin und der Zeichner Dan Burr auf sehr unterhaltsame Weise, wer und was die Wirtschaft diktiert und wie Staaten darauf reagieren. Sie führen durch wirtschaftliche Zusammenhänge, hinterfragen Floskeln wie die "Theorie des Big Business" und Fachjargon wie "Deficit Spending". Als Comic-Figur führt Goodwin selbst durch das Buch und stellt darüberhinaus die wichtigsten Wirtschaftswissenschafter und -Theoretiker jeweils aus ihrer Zeit heraus vor. Witzig, ironisch und auch wirklich lehrreich.

Economix von Michael Goodwin/Dan Burr. Mit einem Vorwort von Rudolf Hickel. Verlagshaus Jacoby & Stuart, 304 Seiten, 19,95 Euro.

Keynes

Von Winston Churchill stammt der legendäre Ausspruch: "Wenn ich zwei Ökonomen nach ihrer Meinung frage, erhalte ich drei verschiedene Antworten. Zwei davon sind von Herrn Keynes." Seit Ausbruch der Krise gibt es wohl keinen zweiten Wirtschaftswissenschafter, der so oft zitiert wird wie deren "Chef-Ökonom". Allen, die in turbulenten Runden über die Rettung des Abendlandes diskutieren, verhilft die Lektüre dieses Buches, das sich auch intensiv den privaten Seiten Keynes' widmet, zum perfekten Einstieg.

Keynes. Ein Sachcomic von Peter Pugh und Chris Garratt. Tibiapress, 176 Seiten, 12,40 Euro

Ökonomie

Wussten Sie, ... dass "Ökonom" als Berufsbezeichnung erst seit dem 19. Jahrhundert existiert, aber der Begriff "Ökonomie" bereits in der griechischen Antike geprägt wurde? ... Dass Jean-Baptiste Colbert, französischer Finanzminister unter König Ludwig XIV., schon Mitte des 17. Jahrhunderts erkannt hatte: "Einzig und allein die Menge des Geldes unterscheidet Staaten hinsichtlich ihrer Macht und Bedeutung", und ... dass Sir Isaac Newton als staatlicher Münzmeister den Großteil seines Vermögens bei der Südseeblase von 1720 verlor? Wie komplex wirtschaftliche Systeme funktionieren und ob sie sich überhaupt in konsistente Theorien verpacken lassen, illustriert dieses Sachbuch aufs Feinste.

Ökonomie. Ein Sachcomic. Von David Orrell und Borin Van Loon. Tibiapress, 176 Seiten, 12,40 Euro

Onkel Dagobert - Aus dem Leben eines Fantastilliardärs

Warum ist der reichste Erpel der Welt eigentlich so schrecklich geizig? Diese und andere Fragen zu den Grundlagen von Donald Ducks unermesslichem Reichtum beantwortet die Biografie "Onkel Dagobert - aus dem Leben eines Fantastilliardärs". Donaldisten, also echte Kenner der Materie, bemängeln zwar das Fehlen wichtiger Episoden in diesem Buch, doch das, was nach Erfolg Strebende am meisten interessiert, scheint hier jedenfalls geklärt: Wie, verdammt noch einmal, kann man nur so reich werden? Ein Klassiker der Wirtschaftsliteratur.

Onkel Dagobert - Aus dem Leben eines Fantastilliardärs von Carl Barx, ehapa Comic Collection, 416 Seiten, 30,80 Euro