Tschech-Populismus
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Tschech-Populismus

Andrej Babiš ist spätestens seit seinem Sieg bei den Parlamentswahlen in Tschechien an diesem Wochenende über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt.

Aber selbst falls Sie von diesem Politiker bisher nichts gehört haben sollten, könnte er Ihnen bekannt vorkommen – er verkörpert einen Typus, der in der politischen Szene der westlichen Industriestaaten so etwas wie einen Mega-Trend darstellt. Vier Aspekte des Modells "Anti-Politiker".

Er ist reich.

So wie Silvio Berlusconi. Das ist mehr als ein Detail aus der Biografie, vielmehr eine scheinbar logisch hinreichende Begründung dafür, dass der Politiker ökonomisch interessenlos ist, vor der Korruption gefeit - und es somit gut mit seinem Land meint. Die Strafakte Berlusconi lehrt, dass Reichtum und Korruption einander nicht ausschließen. Dennoch sind Wähler immer noch gern bereit, einem reichen Politiker eine eher diffuse Form von Unabhängigkeit zuzuschreiben. Andrej Babiš ist Eigentümer des Industriekonzerns Agrofert, der pro Jahr mehrere Milliarden Umsatz macht und der größte private Arbeitgeber Tschechiens ist - und gilt als zweitreichster Bürger Tschechiens.

Er ist unternehmerisch.

So wie Donald Trump. Wer ein Unternehmen gewinnbringend führen kann, wisse auch, wie ein Staatswesen verbessert werden könne, so sie These. Ebenso wie Trump, Autor des Erfolgsratgebers "Wie man reich wird - Ansichten und Einsichten eines Multimilliardärs“, hat auch Babiš ein Buch verfasst. Dessen Titel lautet übersetzt: "Wovon ich träume, wenn ich Zeit habe zu schlafen“. Darin erläutert der Unternehmer seine Vision der Republik Tschechien des Jahres 2035. Sein Leitmotiv: Den Staat zu führen wie ein Unternehmen.

Er ist gegen das System.

So wie Beppe Grillo. Das politische System aus Parteien von links bis rechts habe sich in seinen Augen längst überlebt und produziere nur noch ideologisch motivierte Scheinlösungen. Andrej Babiš sieht seine Partei jenseits des klassischen Rechts-Links-Schemas, erhält meist das Prädikat "populistisch“ und ist im Hinblick auf politische Partnerschaften unberechenbar.

Er ist unzufrieden.

So wie Roland Düringer. Es handelt sich dabei um eine ganz spezifische Form der Unzufriedenheit. Sie entspringt der Überzeugung, dass die Eliten dysfunktionale Mechanismen aufrechterhalten, anstatt das Leben der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern, und mündet in sogenannten Wutbürgerreden und Bewegungen, die vorgeben, unideologisch zu sein. Die Bürgerinitiative, die Andrej Babiš 2011 gründete und die er ein Jahr später zu einer Partei umfunktionierte, heißt ANO 2011. Die Abkürzung bedeutet auf Deutsch: Aktion unzufriedener Bürger.

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