Türkischer Botschafter Ümit Yardim

Türkischer Botschafter Ümit Yardim

Ausland

EU-Beitritt bleibt „strategisches Ziel“ der Türkei

Türkischer Botschafter Ümit Yardim fordert von Österreich mehr Empathie für sein Land.

Der seit vier Monaten in Wien tätige Botschafter der Türkei, Ümit Yardim, wünscht sich von den Österreichern mehr Empathie für sein Land. Die Türkei habe seit dem Putschversuch von 2016 einen umfassenden Kampf gegen Terrorismus führen müssen, so Yardim, der die Gülen-Organisation nicht beim Namen nennen wollte. Allein im Außenministerium habe man ein Viertel der Beschäftigten wegen deren Mitgliedschaft zu Gülen verloren.

Gegenüber Mitgliedern der „Association of European Journalists“ (AEJ) und des Verbands der Auslandspresse nahm Yardim auch zur Medienfreiheit in seinem Land Stellung. Die EU-Kommission hat in ihrem letzten Türkei-Bericht weitere Verschlechterungen bei Rechtstaatlichkeit und bei der Pressefreiheit festgestellt. Über 150 türkische Journalisten sitzen im Gefängnis, meist mit fragwürdigen Anschuldigungen der Unterstützung für terroristische Organisationen.

Zur Pressefreiheit merkte Yardim an, dass in türkischen Medien weiterhin „konstruktive Kritik“ an der Regierung erlaubt sei. Zum Fall des österreichischen Bloggers und Studenten Max Zirngast, der in der Türkei auf seinen Prozess wartet, wollte er sich nicht äußern. Die Türkei würde bei der Medienfreiheit zu streng beurteilt. Es gebe EU-Länder, die die Pressefreiheit ebenfalls eingeschränkt hatten. In der Türkei hätten viele Journalisten „Terrorpropaganda“ betrieben.


Für die Türkei bleibe die Vollmitgliedschaft in der EU weiterhin „strategisches Ziel“. Ankara hoffe auf eine Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen. Trotz der kritischen Haltung der kürzlich aufgelösten österreichischen Regierung zum EU-Beitritt der Türkei setze er auf eine weitere Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Im Jahr 2021 ist das gemeinsame kulturelle Jahr geplant, wodurch er sich intensivere Kontakte vor allem auf österreichischer Seite erhoffe. In türkischen Buchläden gebe es derzeit viele Bücher über Geschichte und Kultur Österreichs, das Interesse in Österreich für türkische Autorinnen und Autoren sei dagegen gering. AEJ-Präsident und profil-Redakteur Lahodynsky erinnerte den Botschafter an die deutschen Übersetzungen der Werke von Orhan Pamuk und Asli Erdogan.

Wirtschaftlich sei der gegenseitige Warenaustausch mit drei Milliarden Euro hoch. Österreich sei mit Investitionen von zehn Milliarden Euro sogar der viertgrößte Investor in der Türkei. Im Tourismus erwartet die Türkei mehr Touristen aus Österreich. Die strengen Visa-Bestimmungen Österreichs behinderten Besuche türkischer Gäste.

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  • Gottfried Wimmer (SKUES) Di, 18. Jun. 2019 09:45

    Was meint Herr Yardim mit "mehr Empathie für sein Land"?
    Meint er die Türkei oder dessen Bewohner oder den Herrn Erdogan und seine Kumpane, die
    andersdenkende Bürger einsperren,
    kritische Journalisten als Terroristen bezeichnen und einsperren,
    eine präsidiale Diktatur als Staatsform errichtet haben,
    Wahlergebnisse so lange fälschen bis sie genehm sind?
    Dafür fordert er "Empathie"?


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