#brodnig: Zweiklasseninternet
Gesellschaft

#brodnig: Zweiklasseninternet

Darf Donald Trump härter auf Twitter toben als andere Nutzer?

Zu Recht sorgte das Video für Empörung: Donald Trump verbreitete auf Twitter eine Aufnahme, in der es so aussah, als verprügle der US-Präsident den Fernsehsender CNN. Man sieht eine alte Aufzeichnung von einem Wrestling-Turnier. Trump reißt einen Mann zu Boden und schlägt auf ihn ein. In dem viel diskutierten Video wurde das Gesicht des Opfers gegen das Logo von CNN ausgetauscht. Trump fand es scheinbar lustig, dass er darin sinnbildlich den etablierten Journalismus niederschlägt. Das ist nun ungefähr die einmillionste Aufregung, die Trump in nur sechs Monaten im Amt lieferte - der Fall lässt allerdings auch einige Rückschlüsse zu:

Erstens verrät das viel über Twitter. Das Unternehmen erklärte, dass das Posting von Trump nicht gegen die Regeln verstoße - obwohl die Site eigentlich "Gewaltandrohung“, "Belästigung“ und "Hass schürendes Verhalten“ untersagt. Generell lässt Twitter viel stehen: Nur eine von 100 gemeldeten strafbaren Hassbotschaften wird von Twitter gelöscht. Das zeigt eine Studie im Auftrag des deutschen Justizministeriums.

Wird dem US-Präsidenten mehr Aggression erlaubt als anderen Usern?

Zweitens ist es ein Problem, wie intransparent Twitter agiert: Trump darf Aggression verbreiten, sein Account wird nicht gesperrt. Ende 2016 hat Twitter aber einige Profile rechter amerikanischer Nutzer "gebannt“: Warum wird bei ihnen hart eingegriffen und bei Trump nicht? Wird dem US-Präsidenten mehr Aggression erlaubt als anderen Usern - gibt es ein Zweiklassentwitter? Das wissen wir nicht, Twitter erklärt sein Vorgehen kaum. Wir brauchen mehr Transparenz, nach welchen Kriterien große Plattformen Nutzer sanktionieren. Selbst ein Neonazi hat verdient, dass ihm erklärt wird, wieso er verbannt wurde.

Drittens - das gehört festgehalten - zeigt es die fortschreitende Destruktion der US-Debatte. Wir diskutieren, ob der Präsident der Vereinigten Staaten (!) es verdient hätte, wegen rüpelhaften Verhaltens von Twitter ausgeschlossen zu werden. Mir fehlen mittlerweile die Worte.

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  • Gottfried Wimmer (SKUES) Fr, 14. Jul. 2017 16:48

    Ich brauche dieses "Gezwitscher" - ist sowieso nur Unsinn, vor allem von diesem Trumpfler! Wenn ich Gezwitscher hören will, dann gehe ich in die Natur - am besten bei Tagesanbruch.

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