#brodnig: Der Start-up-Unsinn
Gesellschaft

#brodnig: Der Start-up-Unsinn

Wie ein wichtiger Begriff zum Modewort verkommt.

Dieser Ausdruck wird leider zu inflationär verwendet: Start-ups. Nahezu jedes neu gegründete Unternehmen gilt aktuell als eines. Das mag hip klingen, ist aber kompletter Unfug. Denn wer auf eBay neuerdings selbst designte T-Shirts verkauft oder einen schicken Cupcake-Laden eröffnet, ist zwar ein Jungunternehmer, betreibt aber noch kein Start-up. Im Wirtschaftsmagazin "Forbes" erklärte Firmengründer Neil Blumenthal: "Ein Start-up ist ein Unternehmen, das daran arbeitet, ein Problem zu lösen, bei dem die Lösung weder offensichtlich ist noch der Erfolg garantiert." Im Grunde braucht jedes Start-up einen innovativen Ansatz -oft erschließt es Marktlücken, die uns bis dahin gar nicht als Lücke bewusst waren. Nehmen wir das heimische Startup MySugr, das für Zigmillionen Euro an den Pharmagiganten Roche verkauft wurde: Es bietet eine kluge App, die Diabetikern hilft, Überblick über ihre Blutzuckerwerte zu behalten. Ein solches Tool gab es vor zehn Jahren nicht (damals gab es noch nicht einmal Apples App Store).

Noch ein zweiter Aspekt entscheidet, ob ein Jungunternehmen ein Start-up ist: Es braucht Wachstumspotenzial. Im Marketing-Sprech sagt man: "Es muss skalieren." Vergleichen wir den Cupcake-Laden mit MySugr: Will ich statt 1000 Cupcakes eine Million Cupcakes erzeugen, steigen meine Kosten für Zutaten, Lagerung etc. immens. Viele digitale Produkte können leichter skalieren und potenziell einen großen Markt erobern: Für eine App wie MySugr macht es keinen großen Unterschied, ob sie von 1000 oder einer Million Usern genutzt wird. Serverkapazitäten sind billig. Mich erinnert das Wort "Start-up" an das @-Symbol in den 1990er-Jahren: Wer damals internet@ffin wirken wollte, nutzte den Klammeraffen anstelle des Buchstabens "a" im Geschriebenen -eine furchtbare Phase. Heute reden halt alle von Start-ups, um modern zu wirken. Zum Glück geht auch dieser Hype irgendwann vorbei, da bin ich g@nz sicher.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter ingrid.brodnig@profil.at facebook.com/brodnig twitter.com/brodnig

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