Ingrid Brodnig

Ingrid Brodnig

Gesellschaft

#brodnig: Digital gelähmt

Ärzte wissen es, und ich weiß es auch: Das Handy führt zu ungesunden Verrenkungen.

Als ich ein Kind war, habe ich manchmal so lange Videospiele gespielt, bis mein Daumen richtig wehtat und meine Hand ganz verkrampft war. Wirklich weiterentwickelt habe ich mich offensichtlich nicht: Mittlerweile verbringe ich zwar weniger Zeit mit Spielen, aber ständig habe ich eine verspannte Schulter vom Halten des Handys. Und wenn ich nicht gerade das Smartphone nutze, sitze ich wahrscheinlich am Computer und tippe. Nicht nur mir geht es so. Ärzte sprechen mittlerweile von einem Phänomen namens „digitale Lähmung“.

Was kann man da tun?

Dieser Begriff machte vor ein paar Monaten Schlagzeilen, als der Bundesverband der Orthopäden Alarm schlug. Die Ärzte thematisierten, dass gerade Jugendliche sehr viel Zeit am Smartphone verbringen. Und natürlich sind Teenager nicht die Einzigen. Beim Halten des Handys nimmt man in der Regel eine belastende Position ein – vor allem, wenn man den Kopf dabei nach vorn neigt. „So ein Kopf hat etwa zwei Kilogramm. Bei aufrechter Haltung ist das normalerweise kein Problem – wenn wir uns aber ständig nach vorn neigen und die Muskulatur nicht genug trainiert ist, müssen die Bänder der Halswirbelsäule diese Belastung übernehmen“, wird Ronald Dorotka, Präsident des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie, im „Kurier“ zitiert.

Solche Haltungsfragen mögen ein Luxusproblem sein verglichen mit früheren Generationen, die Hungersnöte oder Kriege erdulden mussten. Aber auch wenn unsere heutigen Probleme nicht ganz so gravierend erscheinen wie die unserer Großeltern, muss ich festhalten: Ein ständig schmerzender Nacken ist sehr unangenehm. Was kann man da tun? Ärzte meinen, man sollte sich des Problems bewusst werden. Vielen ist gar nicht klar, was für eine verkrümmte Haltung sie am Handy einnehmen. Auch Tische mit schrägen Arbeitsflächen könnten helfen. Und natürlich Bewegung, Pausen, Sport. Ich finde, das klingt alles vernünftig. Mein Problem ist nur: Wenn ich rausgehe und mich bewege, spiele ich gleichzeitig Pokémon Go. Dabei schaue ich erst recht wieder aufs Handy. Ich fürchte, für mich kommt jede Hilfe zu spät.

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  • Fritz Gessler (FritzGessler) Mi, 10. Apr. 2019 10:29

    verrenkungen wären das hamloseste. der frappante anstieg an ('gutartigen') hirntumoren, knochenmarkkrebs/leukämie in den letzten 20 jahren - durchwegs bereits bei kindern und jugendlichen sollte zu debken geben: ausser dem exzessiven handy-gebrauch (bei mutter&kind) hat sich nämlich wenig kanzerogenes getan...

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