ASTRONAUTENMENÜ: Versteigerte Apollo 11-Mahlzeiten

ASTRONAUTENMENÜ: Versteigerte Apollo 11-Mahlzeiten

Gesellschaft

eadrink: Tuben und Sackerl

50 Jahre Apollo 11: Essen, Trinken und Verdauen im All.

Die erste Mahlzeit ohne Atmosphäre

Juri Gagarin nahm als erster Mensch im Weltall Nahrung zu sich. Während seiner nicht einmal zweistündigen Erdumkreisung am 12. April 1961 drückte der russische Kosmonaut im Raumschiff Wostok I jeweils etwas püriertes Fleisch und Schokoladensauce aus 160 Gramm schweren Zahnpastatuben. Im Übrigen kursiert weit verbreitet die Annahme, Tubennahrung sei für die Raumfahrt entwickelt worden. Es gibt sie aber seit den 1940er-Jahren. Die American Can Company füllte damals Kalorien in Metalltuben, um Kampfpiloten während ihrer Einsatzflüge zu ernähren.

Der Speiseplan von Apollo 11

Am 11. November 2016 versteigerte Heritage Auctions in den USA fünf kleine Speisen um insgesamt 4000 US-Dollar. Es handelte sich um dehydrierte, zu diesem Zeitpunkt fast 50 Jahre alte Original-Mahlzeiten der Apollo-11-Mission, allerdings solche, die nicht mit auf dem Mond waren, sondern in Überzahl hergestellt wurden: ein Apfel-Getreide-Würfel, ein Erdbeer-Getreide-Würfel, ein Grapefruit-Drink in Pulverform, ein Block Rindereintopf und ein Sack Pfirsichgranulat, alles eingeschweißt in Plastikbehälter, die aussahen wie Infusionsbeutel – und irgendwie waren sie das ja auch. Die erste Mahlzeit auf dem Mond verspeiste dann Neil Armstrong: in Würfel gepressten Speck. Die rehydrierten, vor dem Verzehr im Beutel durchzuknetenden Spaghetti mit Fleischsauce, sagte er später, hätten ihm aber viel besser geschmeckt.

Stoffwechsel und andere kleine Probleme

Die NASA-Wissenschafter standen vor den ersten Weltraum-Missionen nicht nur vor technischen Herausforderungen: Kann man in der Schwerelosigkeit überhaupt etwas hinunterschlucken, ohne dass es sofort wieder hochkommt? Man wurde sich dieses Problems vor allem bewusst, weil der Kosmonaut German Titow 1961 bei seiner Wostok-II-Mission als erster Mensch im All erbrechen musste, was ihm sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde brachte.

Ein weiteres Problem: Was ist, wenn der Astronaut mal muss? Problem Nr. 1 wurde in Versuchsreihen mit John Glenn getestet, der 1962 die Mission „Friendship 7“ absolvierte – die dreifache Umrundung der Erde in einer Rakete. Fazit: Ja, man kann dort oben runterschlucken; Glenns Test bestand schlicht darin, etwas Wasser zu trinken. Die Lösung von Problem Nr. 2 bestand ganz einfach in extrem ballaststoffarmer Ernährung. Während der Apollo-11-Reise war das natürlich nicht mehr möglich; sie dauerte acht Tage. So nahmen Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins halt ein Sackerl für ihr Gackerl – und ließen es einfach auf dem Mond liegen. Das taten auch die weiteren fünf Apollo-Besatzungen. Für Statistik-Nerds: Auf dem Mond liegen seit Anfang der 1970er-Jahre 96 Behälter mit menschlichen Hinterlassenschaften.

Zu den aberwitzigsten Anekdoten der Apollo-Ära zählt die wenig bekannte Geschichte der Crew der Apollo 10, die plötzlich ein kleines Fäkalienstück durch die Kabine fliegen sah. Es entspann sich folgender Dialog:
Stafford: „Wer war das?“
Cernan: „Wer war was?“
Stafford: „Schnell, eine Serviette, da fliegt ein Haufen durch die Luft!“
Young: „Meins war’s nicht.“
Cernan: „Ich glaub, meins auch nicht.“
Stafford: „Meins war fester, schmeiß es weg.“
Young: „Allmächtiger!“
(Gelächter in der Kabine)

Ein Schluck Mondwein

Alkohol ist während Weltraum-Missionen der USA und auch unmittelbar davor streng verboten. Dennoch wurde bei der ersten Mondlandung Wein getrunken, sogar erlaubterweise. Buzz Aldrin, ein bekennender Presbyterianer, durfte auf dem Trabanten die Kommunion einnehmen, wozu eben ein Schluck Wein gehört. Er erinnerte sich später, wie die Flüssigkeit in der Umgebung mit einem Sechstel der irdischen Schwerkraft langsam am Glasrand hinaufrann, bevor er trank.

Dokumentiert wurde die Episode nicht; eigentlich sollte sie sogar vertuscht werden, allerdings nicht aus Abstinenz- und Sicherheitsgründen. Als nämlich Apollo 8 im Jahr 1968 den Mond umkreiste, lasen die Astronauten an Bord aus dem Buch Genesis, was heftige Proteste auslöste: Die Vermengung von Kirche und Staat bei einer Weltraum-Mission habe gegen die Verfassung verstoßen.

klaus.kamolz@profil.at

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