E-Sports: "Ich verstehe, wenn man als Frau aufhört"
Gesellschaft

E-Sports: "Ich verstehe, wenn man als Frau aufhört"

Yvonne Scheer alias "MissMadHat" spielt Videospiele auf Wettbewerbsniveau. Als erste Genderbeauftragte des E-Sport-Verbandes Österreich soll sie mehr Mädchen für E-Sports begeistern. Im Interview mit profil spricht sie über die Hürden, die einem als Frau in der Szene begegnen.

profil: Wie sind Sie zum E-Sport gekommen?
Scheer: Mit 12 oder 13 Jahren hatte ich das erste Mal Kontakt mit Videospielen, als ich mir "The Legend of Zelda" gekauft habe. Ein Freund hat später angeregt, dass ich auch "Call of Duty" spielen soll. Das war dann total meines: das Teamplay, die Strategien. Dennoch hatte ich Schwierigkeiten in die E-Sport-Szene reinzukommen, weil mich mein Nickname "MissMadHat" bei Spielen eindeutig als Frau identifiziert. Ich habe dann aber ein tolles Team gefunden, mit dem ich von Anfang an eine gute Chemie hatte ("AuT pBo"). 2013 wurde ich dann mit ihnen zum ersten Mal Staatsmeisterin im Spiel "Call of Duty Black Ops 2". Mit meinen Freunden gegen andere Teams zu spielen, gibt mir bis heute den Kick.

profil: Warum gibt es immer noch so wenige E-Sportlerinnen?
Scheer: Es gibt so wenige Mädchen, die Ego-Shooter (Anm.: Spiele, bei denen man mit Schusswaffen Gegner bekämpft) spielen und auch dran bleiben. Jene, die seit 2013 bei einer Staatsmeisterschaft waren, kann ich an einer Hand abzählen. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht sind die Prioritäten in der Jugend anders. Man muss schon sehr viel trainieren. Oft gibt es auch Berührungsängste mit Ego-Shootern. Ich war zuerst auch skeptisch, aber dann hat es mir total Spaß gemacht. Viele glauben sicher auch, dass sie nicht gut genug für Wettkämpfe sind.


Viele haben Angst, dass ihnen diese Beleidigungen dann auch offline bei Spiel-Events begegnen, so ist es aber nicht

profil: Wie gehen Sie mit sexistischen Kommentaren oder Beschimpfungen um?
Scheer: Als Frau muss man sich im E-Sport viel mehr beweisen und wird oft belächelt. Das ist mühsam. Wenn jemand meinen weiblichen Nicknamen sieht, gibt es meist drei Möglichkeiten, was passiert: 1. Die Person denkt, es steckt gar keine Frau dahinter. 2. Die Person will mich als Freundin adden, gerade weil ich eine Frau bin. 3. Ich werde total degradierend behandelt und bekomme Nachrichten wie "Hey, zurück in die Küche, bring mir ein Bier!". Heute stehe ich da drüber. Früher musste ich mir eine aber dicke Haut zulegen. Ich verstehe es, wenn man als Frau deswegen aufhört zu spielen. Viele haben Angst, dass ihnen diese Beleidigungen dann auch offline bei Spiel-Events begegnen, so ist es aber nicht.

Infobox: E-Sports

E-Sport (von elektronischer Sport) ist der Wettkampf zwischen Menschen mit Hilfe von Videospielen. Sowohl auf Individual- als auch auf Mannschaftsebene werden Bewerbe in verschiedensten Spielen ausgetragen. Die Preisgelder gehen in die Millionen. Rund 335 Millionen Menschen weltweit haben laut Statista im Jahr 2017 Übertragungen gesehen.

profil: Gibt es zwischen Ego-Shootern und anderen Spielarten Unterschiede im Umgang mit Mitspielerinnen?
Scheer: Nicht unbedingt. Ich denke, der Umgangston hängt eher von den vielen jungen Männern ab, die sich "beweisen" wollen. Erziehung ist hier sehr wichtig.

profil: Sie sind auch Schiedsrichterin bei E-Sport-Events, werden Sie da als Frau weniger ernst genommen?
Scheer: Eigentlich habe ich als Schiedsrichterin sehr positive Erfahrungen gesammelt. Viele finden es einfach cool, dass ich das mache.

profil: Sie sind seit Kurzem Genderbeauftragte des E-Sport-Verbandes Österreich. Welche Maßnahmen sind hier zu erwarten?
Scheer: Wir arbeiten bereits an vielen Projekten. Es wird auf jeden Fall darum gehen, weibliche E-Sportlerinnen zu fördern. Eine Frauenliga ist aber nicht geplant, das halte ich für kontraproduktiv, das widerspricht dem Gedanken der Gleichbehandlung.

profil: Sie haben den ESVÖ kürzlich beim Treffen der E-Sports-Verbände in Taiwan vertreten. Gibt es auch in anderen Ländern einen solchen Mangel an Spielerinnen?
Scheer: Die Frauenquoten bei Turnieren sind in anderen Ländern ähnlich niedrig. Bei uns in Österreich sind es definitiv unter fünf Prozent. Einige haben versucht eigene Frauenligen aufzubauen, das wird in der Regel aber kaum angenommen. Die Idee einer Genderbeauftragten finden viele Verbände, mit denen ich mich unterhalten habe, super, ich bin aber in dieser Hinsicht noch die Einzige.

Beim Kommentieren eines Spiels mit einem Kollegen

profil: Wie sehen Sie die Zukunft des E-Sports in Österreich?
Scheer: Der E-Sport steckt in Österreich noch in den Kinderschuhen, er wird noch nicht so angenommen und akzeptiert. In Asien ist man da schon viel weiter. In Taiwan werden Wettkämpfe genauso wie das Wetter in der U-Bahn übertragen. Aber es tut sich langsam etwas.

profil: Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der E-Sportler werden will?
Scheer: Man muss sich einfach trauen, zu den Wettkämpfen zu gehen. Wenn man ein gutes Team hat, hat man auf jeden Fall Spaß, auch wenn man verliert. Es ist einfach ein super Gefühl, die Gegner auch Face-to-Face kennenzulernen.

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