Falsche Verknüpfungen
Gesellschaft

Falsche Verknüpfungen

Vorsicht vor brisanten Überschriften. Sieben Arten von Fehl- und Desinformation, Teil 4.

Es ist gang und gäbe im Netz: Artikel, deren Headline empörend klingt, die dann aber bei genauerer Lektüre gar nicht so aufregend sind. Oft widerspricht der Inhalt dann sogar der knackigen Titelzeile. Die Organisation First Draft, die gegen Manipulation im Internet ankämpft, zählt solche "falschen Verknüpfungen" zu einem ihrer sieben Typen von Fehl-und Desinformation im Internet - auch im Boulevardjournalismus passiert das oft.


Irreführend, aber weit verbreitet: Titelzeilen, die im Widerspruch zur eigentlichen Nachricht stehen - und Menschen zum Klicken bringen.

Ein Beispiel aus Österreich: Im November des Vorjahres brachte krone.at einen aufsehenerregenden Artikel. Er lautete: "Grüne gegen Christbaum:,Unzeitgemäßes Ritual'." Als "Symbolfoto" wurde das Wiener Rathaus mit Baum davor gezeigt. Wer den Text der Zeitung las, fand heraus, worum es wirklich ging: Die Geschichte betraf gar nicht Wien, obwohl deutlich erkennbar das hiesige Rathaus abgebildet war. Tatsächlich hatten die Grünen in Düsseldorf vorgeschlagen, keine Bäume mehr für die Adventzeit zu fällen, sondern stattdessen eine lebende Tanne zu schmücken. Genau genommen stimmte es also nicht, dass "Grüne gegen einen Christbaum" waren - der Weihnachtsbaum sollte ja erhalten bleiben. In diesem Fall konnte man einmal mehr beobachten, dass viele Nutzer nur die Überschrift und das Foto ansehen - und ohne den Text zu lesen, wütend posten. Auf Facebook schrieben Bürger Kommentare wie: "Tote Bäume, ihr dämlichen Grünen Politike, wie wäre es wenn die Muslime mal endlich sich verpissen in ihren Länder." Oder: "Diese unnedigen Grünen sollten sich am besten selber abschaffen! Österreich ist ein CHRISTLICHES Land in dem Weihnachten, genauso wie der Christbaum zum brauch gehört. Wenn das die Grünen stört sollen sie sich verpissen!" Bei letzterer Meldung klickten 1200 Mitleser auf "Gefällt mir". Insgesamt erzielte die "Krone" mit dieser Story übrigens mehr als 8000 Likes auf Facebook - ein sehr erfolgreicher Beitrag.

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