Ingrid Brodnig

Ingrid Brodnig

Gesellschaft

#brodnig: Und tschüss!

Was uns das Ende von Google+ über die Vergänglichkeit des Internets lehrt.

Ich habe ja schon oft erklärt, wie unsinnig ich diesen Spruch finde: "Das Internet vergisst nichts." Meistens ist diese Aussage gut gemeint - der Satz soll Nutzer warnen, bloß nichts Peinliches über sich online zu stellen. Denn im schlimmsten Fall kursiert die beschämende Information Jahre oder gar Jahrzehnte im Web.

Nur muss man einwerfen: Digitale Information ist vergänglicher, als viele Menschen glauben. Das Internet vergisst sogar recht viel, denn immer wieder gehen Daten verloren. Ein Beispiel liefert Suchmaschinenriese Google, der nun schrittweise sein soziales Netzwerk Google+ abdreht. Seit vergangener Woche kann man dort nichts mehr posten. Am 2. April wird das Unternehmen dann beginnen, sämtliche Beiträge privater Nutzer zu löschen. Google schaltet also nicht nur das Licht in seinem sozialen Netzwerk aus, es fegt die Halle leer - ob man das als User will oder nicht.


Wir Internetnutzer sind von großen Diensten abhängig, die bestimmen, welche Informationen von uns bleiben.

Zugegeben, Google+ war kein Publikumsmagnet. Dennoch gab es viele, zum Beispiel Technikinteressierte, die sich dort austauschten. Google bietet an, die eigenen Posts herunterzuladen und somit zu retten - nur sollte man dies vor April tun, sonst ist es zu spät.

Das Ganze zeigt: Wir Internetnutzer sind von großen Diensten abhängig, die bestimmen, welche Informationen von uns bleiben. Meine Empfehlung ist, relevante Dokumente möglichst selbst auch physisch zu speichern. Zum Beispiel auf externen Festplatten, selbstgebrannten CDs oder DVDs. Doch auch die lokale Speicherung hat ihre Schattenseiten. Datenträger können kaputtgehen oder irgendwann aus der Mode sein. Viele Menschen besitzen noch Floppy Disks oder VHS-Kassetten aus den 1990er-Jahren, haben aber längst kein Abspielgerät mehr dafür. Anstatt zu behaupten, dass das Internet nichts vergisst, sollten wir lieber die Frage diskutieren: Wie stellen wir sicher, dass relevante Informationen des Digitalzeitalters für die Nachwelt erhalten bleiben?

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter ingrid.brodnig@profil.at
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  • Friedrich Fuhs Do., 21. Feb.. 2019 17:38

    Und wenn ich mein Handy, in der Badewanne sitzend, verwende, so frage ich vorher sicher eine/-en JournalistIn. Und so bin ich mir sicher, dass ich weder Goockel+ noch Faselbuch verwende, solange mein Cellphone an einem Verlängerungskabel hängt, keine Badewannenerdung vorhanden und der FI-Schalter mit ungeheuerer Verzögerung nur manchmal auslöst.

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  • Do., 21. Feb.. 2019 13:50

    aber nein, wir sind keineswegs von google abhängig! statt google+ und fakebook/whatsapp goibt's eine ganze menge unabhängiger, oft direkt user-kontrollierter netzwerke und (wesentlich sicherer suchmaschinen: duckduckgo, z.b.) - ello.com, MEWE, und die altbekannten blogger-sites (allerdings auch gut durchspioniert: wordpress, blogger, etc.)
    und wer vom KGB statt von der NSA überwacht werden will:

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    • Do., 21. Feb.. 2019 13:53

      das russische facebook-pendant VK (auch in englischer version)
      sie müssen net unbedingt fakebook-fake-followers sammeln (wie faymann oder trump:)
      und auch net jeden unsinn twittern (der ihnen dann in 5 jahren, wenn sich der politische wind gedreht hat, so peinlich um die ohren fliegen könnt:))
      die alternativen zu google - googelt man am besten! :))

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