Ingrid Brodnig

Ingrid Brodnig

Gesellschaft

#brodnig: Google wird klüger

Immer mehr Suchanfragen führen zu keinen Klicks. Das klingt überraschend – und ist ein unbehaglicher Trend.

Bei Google vollzieht sich ein schleichender Trend: Zunehmend passiert es, dass man über Google nicht zu anderen Websites kommt. Stattdessen sucht man etwas und bekommt die passende Antwort bereits von der Suchmaschine eingeblendet. Man muss also gar nicht mehr auf eine Website klicken. Das nennt man „Null-Klick-Suchen“. Ein Beispiel: Wenn Sie „wetter klagenfurt“ eingeben, müssen Sie nicht auf Sites wie wetter.orf.at klicken. Google zeigt Ihnen die Wettervorschau ohnehin im Fenster an. Wenn Sie „20 USD in EUR“ eintippen, dann sagt Ihnen Google, dass 20 US-Dollar umgerechnet rund 18 Euro sind. Auch hierfür müssen Sie keine weitere Website aufrufen. Und auch Wikipedia muss oft nicht angeklickt werden, weil Google ohnehin die ersten Sätze von Einträgen anzeigt.


Mehr als 90 Prozent des Marktes nimmt Google ein.

Für Betreiber anderer Websites ist das ein besorgniserregender Trend: Sie sind darauf angewiesen, dass Google ihnen User bringt. Doch jede zweite Suche auf Google führt mittlerweile zu keinen Klicks. Das berechnet das Marktanalyseunternehmen Jumpshot für die USA. Für Medienhäuser, Wetter-Websites und andere Informationsdienste im Netz ist das eine schlechte Nachricht: Denn diese Sites sind von den Zugriffen über Google abhängig. Mehr als 90 Prozent des Marktes nimmt Google ein. All das ruft Bedenken hervor, ob das dominante Unternehmen fair genug mit kleineren Websites umgeht. Offensichtlich arbeitet der Suchmaschinenriese daran, immer mehr Information selbst zu liefern – das ist praktisch für den Benutzer, aber es wirft ernsthafte Fragen für den Pluralismus und die Überlebensfähigkeit kleinerer Websites auf.

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