#brodnig: Toll gemacht, 10 Punkte!
Gesellschaft

#brodnig: Toll gemacht, 10 Punkte!

Was die Offline-Welt von "Super Mario" und Facebook lernen kann.

Ich finde es total faszinierend, welche Tricks moderne Apps und digitale Kampagnen anwenden, um uns Konsumenten bei Laune zu halten: Eines der wichtigsten Anreize ist die sogenannte Gamification. Dabei nutzt man den menschlichen Spieltrieb, um User zum Klicken zu bringen: Etwa zeigen Bestenlisten den Nutzern eines Dienstes, wie aktiv sie diesen Monat waren und wie viele Punkte sie noch benötigen, um ganz oben im Ranking zu sein. Nicht nur klassische Videospiele verwenden Gamification, auch Wirtschaft und Politik tun dies längst.

Wie in Ausgabe 42 berichtet, hat das Team von Sebastian Kurz im Wahlkampf eine App für Fans gestartet: Wer online positive Facebook-Einträge über Kurz postete oder gar Flyer für den ÖVP-Spitzenkandidaten verteilte, sammelte Punkte und tauchte im Ranking der App auf - eine typische Gamifizierung. Wir Menschen fühlen uns motiviert, wenn unser Einsatz per Punktestand bemessen wird.

Auch Facebook nutzt Gamification: Zu Recht erinnert das Sammeln von Likes an Videospiele wie "Super Mario", bei denen man mit Münzen oder anderen virtuellen Gütern belohnt wird. Dieses gute Gefühl, für eine Tätigkeit (etwa ein Posting) sofort mit positivem Feedback (wie Likes) belohnt zu werden, nennen Forscher "instant gratification" - also sofortige Befriedigung. Das Besondere an vielen digitalen Diensten ist, dass sie uns sofort positives Feedback geben, etwa den Daumen hoch. Im Gegensatz dazu sind viele Offline-Erlebnisse frustrierend. Wer wird von seinem Chef für jede winzige Tätigkeit gelobt? Wie oft sieht man den Daumen hoch im Berufsleben?

Man kann Prinzipien wie "Gamification" natürlich kindisch oder trivial finden. Das halte ich für einen Fehler -vielmehr sollte die Offline-Welt davon etwas lernen. Menschen sind einfach glücklicher, wenn sie regelmäßig positives Feedback und spielerische Anreize bekommen - und nicht jedes Jahr bis zur Weihnachtsfeier warten müssen, bei der der Chef vielleicht ein paar freundliche Worte verliert. Die digitalen Dienste sind so erfolgreich, weil sie verspielter und motivierender sind als viele Erlebnisse außerhalb des Internets. Das sollte uns Anlass zum Nachdenken geben.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter ingrid.brodnig@profil.at facebook.com/brodnig twitter.com/brodnig

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  • Werner Schrittesser (Publizistikstudent) Mi, 08. Nov. 2017 08:48

    Ich mag Verspieltheit und Super Mario sowieso. Wenn ich aber etwas (Politik, Videogames, MacDonalds etc) nicht symathisch finde, sinkt mein Spieltrieb auf Null.

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