Ingrid Brodnig

Ingrid Brodnig

Gesellschaft

#brodnig: Vermummungsverbot

iPhones ohne Schutzhülle sind ein absurdes Statussymbol.

Es gibt Menschen, die verweigern Schutzhüllen bei ihren Smartphones: Ein Kumpel von mir hat vor einiger Zeit ein iPhone erhalten und meinte, Schutzhüllen interessierten ihn nicht, die schauen nicht so hübsch aus. Raten Sie mal, wem das Handy auf den Boden fiel und wer dann ein komplett zersprungenes Display hatte.

„Panzerglas“-Folie

Ich bin das Gegenteil von solchen überzeugten Schutzhüllen-Gegnern. Ich kaufe nicht irgendeinen „Protective Case“, ich schaue genau, ob die Hülle auch wirklich weich genug ist, um Druck bei einem Fall abzufedern. Außerdem klebt eine „Panzerglas“-Folie auf meinem Touchscreen. Mich verblüffen Menschen, die sich ein sündhaft teures iPhone zulegen und dann keinerlei Schutz dafür kaufen. Es ist ohnehin absurd genug, 1000 Euro oder mehr für ein Handy auszugeben. Manche gehen wohl davon aus, ihnen wird das Smartphone nie aus der Hand rutschen.

Jedoch gibt es noch eine andere einleuchtende Erklärung, wieso einige iPhone-Nutzer auf eine Hülle verzichten: Es handelt sich um ein neues Statussymbol. Man zeigt, dass man einen vierstelligen Betrag für ein Smartphone ausgeben kann – und es ist auch halb so wild, sollte es kaputt werden. Die These, dass unverhüllte iPhones eine subtile Geste für Wohlstand sind, hat zumindest die Journalistin Maria Teresa Hart im Online-Medium „Vox“ aufgestellt. Ich kann dem viel abgewinnen. Seit bald zwölf Jahren gibt es iPhones bei uns am Markt. Anfangs fiel man mit einem neuen iPhone noch auf, es war oft ein Zeichen für Technik- oder Designverliebtheit. Aber je mehr diese Geräte (auch die teuren Modelle) alltäglich werden, desto weniger eignen sie sich als Distinktionsgewinn.

Wahrer Reichtum

Man kann sich laut dieser These also durch den Verzicht auf jeglichen Schutz für sein topmodernes Spitzenhandy hervorragend wichtigmachen. Aber der Witz ist ja: Wer wirklich, wirklich reich ist, sieht keinen Bedarf für ein Smartphone – sondern hat persönliche Assistenten, die alles für einen erledigen. Wahrer Reichtum im 21. Jahrhundert ist nicht, ein unverhülltes iPhone zu besitzen – sondern auf ständige Erreichbarkeit und solche Geräte verzichten zu können.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter:
ingrid.brodnig@profil.at
facebook.com/brodnig
twitter.com/brodnig

Kommentar verfassen