#brodnig: Kleine Gesten, große Wirkung
Gesellschaft

#brodnig: Kleine Gesten, große Wirkung

Es ist an der Zeit für eine Verteidigung des Like-Knopfes.

Es gibt ein großes Missverständnis: dass soziale Medien nur oberflächliches Geplapper bieten würden und der "Gefällt mir"-Knopf auf Facebook ein Symbol für die verkrüppelte Sprache im Netz darstelle. Dabei wird komplett ausgeblendet, wie menschliche Kommunikation genau genommen funktioniert. Das erklärt die amerikanische Sprachforscherin Deborah Tannen von der Georgetown University in einem Video sehr gut (zu finden unter bit.ly/Gefaelltmir). Sie erzählt, wie ihr gegenüber viele Menschen über die Oberflächlichkeit auf Facebook und Twitter schimpfen, und meint: "Ich bin Professorin für Linguistik, man könnte also denken, dass ich die Auswirkungen sozialer Medien beklage, speziell, wie diese die Sprache verschlechtern. Aber das tue ich nicht. Ich habe meine Karriere damit verbracht, die Sprache ganz alltäglicher Konversationen zu analysieren. Und ich weiß, dass die meisten Alltagsgespräche nicht von Information handeln, die wir wissen müssen. Es geht darum, mit den Menschen in Kontakt zu bleiben, die wir gern haben. Und das ist ein Bedürfnis, für das sich soziale Medien extrem gut eignen."


Der Like-Knopf auf Facebook ist die moderne Form des freundlichen Kopfnickens.

Genau das wird oft übersehen, wenn sich Menschen über den "Daumen hoch"-Knopf lustig machen und meinen, dieses Geklicke im Netz sei eine minderwertige Form der Kommunikation. Im Gegenteil: Es sind diese kleinen Gesten, die das menschliche Zusammenleben angenehmer machen. Ich like sehr gerne Bilder und Beiträge meiner Freunde - nicht weil ich glaube, dass jedes ihrer Posting den Literaturnobelpreis verdient hätte, sondern weil ich ihnen zeigen möchte, dass ich sie wahrnehme und mag. Der Like-Knopf auf Facebook ist die moderne Form des freundlichen Kopfnickens. Wir brauchen solche kleinen Signale, um den Personen um uns zu zeigen: "Du bist schon in Ordnung." Spracharmut wäre für mich, wenn ich den Like-Knopf nicht mehr drücken oder Menschen freundlich zunicken dürfte.

Kommentar verfassen
  • Elisen Spies
    Elisen Spies Do, 24. Aug. 2017 13:45

    Ich lese gerade "Lügen im Netz" von Ingrid Brodnig.
    Das Buch "Surfen im Seichten" Nicholas Carr, "Was das Internet mit unserem Hirn anstellt", beweist wissenschaftlich, dass der Mensch durch das Internet keine geordnete Denkweise, wie beim Lesen eines ganzen Buches üben kann.
    Ich beobachte, dass Daumen vergeben werden, ohne Inhalte gelesen, verstanden zu haben. So : Daumenlutschliebe.

    Melden