Ingrid Brodnig

Ingrid Brodnig

Gesellschaft

#brodnig: Lernschwäche

Wie Mark Zuckerberg das Schulsystem verbessern will – und katastrophale Noten von Eltern erhält.

Es ist immer wieder faszinierend, in wie viele Bereiche des Lebens sich die erfolgreichen Firmengründer des Silicon Valleys einmischen wollen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum Beispiel hat maßgeblich für eine Software gespendet und sogar Facebook-Programmierer für ihre Entwicklung eingesetzt, die Schulen verändern soll. Statt als Klasse mit einem Lehrer die Inhalte durchzugehen, lernen die Kinder selbst am Laptop. Ein Programm namens Summit Learning soll ihnen ermöglichen, Unterrichtsstoff individuell durchzunehmen. Die Lehrer fungieren eher als Mentoren im Hintergrund. Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan haben fast 100 Millionen Dollar in das Projekt gesteckt. Das Projekt sei ein Beispiel, „wie Pädagogen und Techniker zusammenarbeiten können, um mehr Potenziale offenzulegen, als wir ansonsten hätten“, postete Mark Zuckerberg 2015.


Warum soll das so toll sein, wenn Kinder am Laptop lernen?

Tatsächlich gibt es in den USA mittlerweile öffentliche Schulen, die keinen klassischen Unterricht haben – sondern wo die Jugendlichen mit der Software lernen. Zum Beispiel in Kansas. Doch wie die „New York Times“ berichtet, gibt es viel Kritik an dem Modell. Mittlerweile kam es zu Protesten von Schülern, einzelne Eltern haben Schilder im Vorgarten aufgestellt, um ein Zeichen gegen Summit Learning zu setzen. Es heißt, dass die Kinder öfter Kopfweh haben und verspannter seien. Manche vermissen den sozialen Kontakt im gemeinsamen Unterricht. Für Jugendliche mit Epilepsie scheint es ein besonders großes Problem zu sein, ständig am Laptop lernen zu müssen. Das Ganze scheint eher ein Debakel zu sein. Mich wundert das nicht. Warum soll das so toll sein, wenn Kinder am Laptop lernen? Gerade das Besprechen von Inhalten und Ideen ist ein wesentlicher Teil des Unterrichts. Mir scheint das eher anmaßend, dass manche Unternehmer in Kalifornien meinen, Technik sei die Lösung auf alle Probleme. Wenn wir bessere Schulen haben wollen, brauchen wir womöglich nicht mehr Computerprogramme, sondern gut ausgebildete, gut bezahlte Lehrer.

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  • Anufa Ellhorn
    Anufa Ellhorn Do, 09. Mai. 2019 12:09

    Wenn Schule nur als "Lernstoffvermittlungsmaschine" gesehen wird, dann ist der Schluss durchaus möglich, dass es ja egal ist, wenn dann auch "die Maschine" den Lehrstoff vermittelt. Schule könnte/sollte/müsste aber so viel mehr sein ... Wie soll z. B. das Einzelkind zweier vollzeit-berufstätiger Eltern (weil sonst die Miete nicht leistbar ist) Sozialverhalten/Problemlösefähigkeiten etc. lernen?

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