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Gesellschaft

Matthias Politycki: Warum wir reisen

Seit 40 Jahren bereist der deutsche Schriftsteller Matthias Politycki die Welt. In zwei Büchern zieht der 62-Jährige nun Bilanz über sein unermüdliches Unterwegssein.

Der Schriftsteller Matthias Politycki machte vergangene Woche in Wien Zwischenstation, bevor es wieder zurück nach Hamburg ging. Politycki, für die Tageszeitung "Die Welt“ der "größte lebende Sprachkulinariker unter den deutschen Dichtern“, reist seit Jahrzehnten um den Globus - laut eigener Zählung hat er bislang 97 Länder besucht, gut die Hälfte aller Staaten.

Nach Romanen wie "Herr der Hörner“ (2005) "Samarkand Samarkand“ (2013), Sport-Essays ("42,195 - Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken“) und Lyrikbänden ("Dies irre Geglitzer in deinem Blick“, beide 2015) zieht der 62-Jährige nun in zwei Büchern Bilanz über sein unermüdliches Unterwegssein: Während Politycki in dem schmalen Vademecum "Reduktion & Tempo“ darlegt, wie sich die gesammelte Welterfahrung auf sein Schreiben auswirkt, unternimmt der Autor in "Schrecklich schön und weit und wild“ den Versuch, grundsätzlichere Fragen zu klären: Warum reisen wir? Was denken wir dabei? Welche Sehnsucht steckt dahinter?

"Schrecklich schön …“ ist zugleich eine Art Rechenschaftsbericht eines notorischen Anti-Stubenhockers. Politycki berichtet darin von Camp-Urlauben, Schlafsack-Abenteuern, Bildungsreisen, Pauschal- und Kreuzfahrtschiff-Trips: "Wer auch nur irgendwas von der Welt sehen will, der will möglichst viel davon sehen, im Grunde alles.“

Nach dem Gespräch macht sich Politycki, ein beharrlicher Mobiltelefon-Verweigerer, der in leicht bayerischem Timbre spricht, auf den Weg. In den kommenden Wochen wird er schwer erreichbar sein, die nächste Reise auf den Spuren der Roten Khmer in Kambodscha steht bevor: "Bald beginnt das Rucksackpacken. Dann bin ich erst mal richtig weg.“

Im Interview in der aktuellen profil-Ausgabe spricht Politycki über die Rückseite von Sehenswürdigkeiten, Attacken im indischen Moslemviertel, Plastikfrösche aus Ceylon und kubanische Zauberkessel.

Schrecklich schön und weit und wild: Warum wir reisen und was wir dabei denken. Hoffmann und Campe, 347 S., EUR 22,70

Schrecklich schön und weit und wild: Warum wir reisen und was wir dabei denken. Hoffmann und Campe, 347 S., EUR 22,70

Matthias Politycki: Reduktion & Tempo. Als Erzähler unterwegs im 21. Jahrhundert. Wallstein, 48 S., EUR 10,10

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  • Günter Pollak (Morgenstern) So, 13. Aug. 2017 06:07

    Sehr lesenswertes Interview! "Reisen erzieht zum Selbstdenken. Einen besseren Schutz gegen jede Form von Ideologie gibt es nicht."

    In der Printausgabe #33 ist ein Leserbrief abgedruckt, de die Erzählungen als "Gemeinheit denen gegenüger deren Gastfreundschaft ..." brandmarkt.

    Jemand der "jahrzehntelang als Autofahrer unterwegs" war, mag Berichte von Radfahrern jenseits Kairo nicht glauben ...

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