Österreich hinkt bei der Integration für Schüler mit Down-Syndrome nach.

Österreich hinkt bei der Integration für Schüler mit Down-Syndrome nach.

Gesellschaft

Österreichs fragwürdiger Umgang mit Menschen mit Behinderung

Österreich hat sich vor mehr als zehn Jahren verpflichtet, Menschen mit Behinderungen uneingeschränkten Zugang zum Bildungssystem zu ermöglichen. Es ist beim Vorsatz geblieben.

Lesen Sie Sebastian Hofers Reportage über Emil, einen Teenager mit Down-Syndrom, in der aktuellen profil-Printausgabe.

Es war ein nationaler Feiertag vor zehneinhalb Jahren: Am 26. Oktober 2008 trat die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung auch in Österreich verbindlich in Kraft. Im Bildungsbereich hinkt die Umsetzung den Vorgaben beträchtlich nach. Laut Artikel 24 der Konvention „gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen“. Weiters „stellen die Vertragsstaaten sicher, dass Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderung nicht aufgrund von Behinderung (…) vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden“.

Ende der Pflichtschule als Ende der Integration

Dazu einige Zahlen: Im Schuljahr 2015/2016 besuchten laut einem Rechnungshofbericht 30.690 Kinder mit kognitiven, körperlichen oder Sinnesbehinderungen eine allgemeinbildende Pflichtschule. Rund zwei Drittel von ihnen nahmen am Unterricht im Rahmen einer Integrationsklasse teil, ein Drittel besuchte eine Sonderschule. Mit dem Ende der Pflichtschule ist Integration allerdings überhaupt kein Thema mehr. Gesetzlich ist sie nicht vorgesehen und findet, wenn überhaupt, im Rahmen von Schulversuchen statt. Im Berichtszeitraum besuchten genau 442 Schülerinnen und Schüler mit Behinderung eine AHS oder BMHS.

Inklusion bedeutet im Bildungsbereich, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernen und dabei nicht in je eigene Lerngruppen eingeteilt werden.

Der Rechnungshof versteht dies so, „dass sich Schülerinnen und Schüler nicht in ein starres System zu integrieren haben, sondern dass die Strukturen zugunsten der Förderung des Individuums aufzulösen sind.“ Zur aktuellen Lage in den heimischen Schulen erkannte der RH, vorsichtig formuliert, „ein Spannungsfeld“ und „kritisierte, dass sich das Ministerium in seiner Richtlinie zur Entwicklung von inklusiven Modellregionen lediglich auf die allgemein bildenden Pflichtschulen beschränkte.“

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  • Fr., 05. Apr.. 2019 12:11

    unsre bildungspolitik sollte sich gerade nicht auf 'inklusion' (=drücken des durchschnitts auf minimalniveau), sondern auf FÖRDERUNG der HOCHBEGABTEN ausrichten. nicht eine politik der gewollten verblödung, sondern der hebung der intelligenz.
    in 'inkludierten gesamtschulen' leiden ALLE darunter (inklusive lehrer und eltern), dass behinderte schüler eben NICHT mit normalen mithalten können.

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  • Do., 04. Apr.. 2019 12:24

    inklusion ist eine qual für alle behinderten und eine zusätzliche belastung für alle normalen (eh recht schwachen - s. PISA) schülern. in der theorie sollte inklusion das lernparadies für alle sein - in der praxis ist es die hölle für lehrer/schüler/eltern gleichermassen.
    was wir dringend brauchen, sind gute SONDERSCHULEN. und ein normales schulsystem, das sich an ostasiatische modelle orientiert.

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    • Do., 04. Apr.. 2019 12:25

      ... an ostasiatischen modellen und erfahrungen orientiert. von japan, china und korea lernen, heisst einen spitzenstandard weltweit anstreben. nicht die gezielte massenverdummung a la USA.

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  • Elke Leser (Leserinn) Mi., 03. Apr.. 2019 09:28

    Lebenslanges Lernen sollte wirklich für alle selbstverständlich sein, aber das war's auch schon mit den EU-Vorgaben.

    Das Problem sitzt in der Art der Behinderung. Körperbehinderte Kinder nehmen ohnehin am Regelunterricht teil, geistig behinderte eher nicht, weil es eigentlich keinen Sinn macht. Wofür soll ein Trisomie-Kind mit Wirtschaftsgeographie oder weiterführender Mathematik gequält werden?

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    • Elke Leser (Leserinn) Mi., 03. Apr.. 2019 09:29

      Was soll heißen: "nicht in ein starres System integrieren ... sondern Strukturen zugunsten der Förderung des Individuums auflösen"? Nur Turnunterricht und Pausen, die dafür in allen Klassen, damit der Vormittag ausgefüllt ist?

      Ich glaube, es ist wichtig, ALLE Kinder individuell zu fördern, aber das bedeutet nicht, alle in den selben Sack zu stopfen. In unserer Schule ging das gehörig schief:

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    • Elke Leser (Leserinn) Mi., 03. Apr.. 2019 09:31

      die Mütter waren zwar tief befriedigt, dass ihre geistig behinderten (durchwegs sehr lieben!) Kinder in eine "normale" Schule gingen, die Mädchen wurden aber von etlichen Mitschülerinnen schlecht behandelt. Das ist vielleicht auch eine Vorbereitung auf's echte Leben, aber sie gefällt mir nicht!

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    • Robert Mueller
      Robert Mueller Do., 04. Apr.. 2019 09:03

      Aus ihren Kommentaren schließe ich, dass sie sich noch nicht wirklich mit dem Thema Inklusion beschäftigt haben. Schule ist ein wichtiger Aspekt, und könnte viel zur Umsetzung einer inklusiven Gesellschaft beitragen, aber es ist halt nur ein Teilaspekt.

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    • Robert Mueller
      Robert Mueller Do., 04. Apr.. 2019 09:07

      Im Schulbereich geht es mit Minister Faßmann leider wieder in Richtung #Segregation statt #Inklusion. Gregor Demblin (Gründer von MyAbility) bringt das im Artikel recht gut auf den Punkt: "Die Sonderschule ist aus unserer Sicht eine politische Katastrophe."

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    • Friedrich Fuhs Do., 04. Apr.. 2019 19:08

      @Robert Mueller: Sie können den Fall "Demblin" nicht verallgemeinern, denn Frau Leser spricht von Kindern mit Down-Syndrom. Nur Schüler mit ähnlichem Leistungsvermögen können einand "pushen". Alles Andere beruht auf einem Irrglauben.

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