#brodnig: Roboterpoesie
Gesellschaft

#brodnig: Roboterpoesie

Tut mir leid, liebe Menschen: Einige der eloquentesten Twitter-User sind Software.

Es lohnt sich, den Maschinen zuzuhören. Zumindest ist es inhaltlich recht interessant, Robotern - sogenannten Bots -auf Twitter zu folgen. Auf dem sozialen Netzwerk lese ich seit Kurzem bei einem automatisierten Account namens @wayback_exe mit, welcher alle zwei Stunden eine Bildschirmaufnahme von Websites aus den 1990er-Jahren postet. Das ist großartig, denn ständig wird man mit diesen Bildern daran erinnert, wie skurril das Internet früher aussah: Websites beinhalteten wenig Information und wirkten pixelig, der damals übliche Browser Netscape lässt sich als graues, ästhetisches Monstrum beschreiben. Trotzdem werde ich beim Anblick dieser uralten Websites ganz melancholisch.


Manchmal sind Maschinen doch die interessanteren Twitteranten.

@wayback_exe bietet quasi eine Zeitreise in die Anfangstage des Internets. Aber er ist längst nicht der einzige großartige Twitter-Account, der ausschließlich von einer Software betrieben wird. Auch unterhaltsam ist das Profil @accidental575: Wenn englischsprachige Nutzer auf Twitter eine Meldung posten, die durch Zufall die Form eines Haikus hat, dann postet dieser Roboter diese Aussage in Gedichtform. Beispielsweise twitterte neulich ein Onlinemedium: "Scientists have found out how to turn anything into a touchscreen." Der Haiku-Bot brachte die Schlagzeile gleich in eine viel lyrische Form:

Scientists have found /out how to turn anything /into a touchscreen. /

Da sieht man, dass selbst Überschriften aus dem Internet gleich wie Poesie klingen, wenn man sie nur als Gedicht formatiert!

Solche Bots sind deswegen so lesenswert, weil eine kluge Idee dahintersteckt: Während viele menschliche Nutzer dieses oder jenes twittern, erfüllen diese automatisierten Accounts einen klaren Nutzen (etwa die Welt mit skurrilen Haikus zu verschönern). So ernüchternd das klingen mag - manchmal sind Maschinen doch die interessanteren Twitteranten.

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  • Andreas Helmut Anton Veit (TORUS)
    Andreas Helmut Anton Veit (TORUS) Mi, 24. Mai. 2017 04:32

    Skurrile Haikus findet man im Hohen Haus der Politik auch genug, da muss man sich nicht auch noch mit solchen Müll ,,zu twittern" lassen.

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