DIY-Helden Communication Killer. Paul, Elmar, Thomas und Michael (v.l.n.r.)

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Kultur

Communication Killer aus Kärnten: „Wir sind alle Nachbarn“

„Queen of the Tomb“ heißt die neue EP der Kärntner Garagenrock-Band Communication Killer und verspricht, die Underground-Szene in Österreich mit kompromisslosen Gitarrenriffs aufzumischen. Sänger und Texter Elmar Glanzer über die Herausforderungen eines Musikers in der Provinz, die Arbeit ohne Plattenlabel und warum es noch immer schwer ist, im Süden Österreichs Live-Shows zu spielen.

Fast unbemerkt von der Bilderbuchwanda-Aufgeregtheit hat sich in Österreich in den letzten Jahren eine neue, wilde Underground-Musikszene abseits der ewigen Falco- und Austropop-Revisionisten etabliert. Gerade am Land entstehen DIY-Projekte, die nicht nur aus der Not eine Tugend gemacht haben, sondern auch die spannenderen Bands hervorbringen und mit Kreativität und Eigensinn allen Widerständen trotzen. Zeit für ein Gespräch.

profil: Wie schwer ist es im Jahr 2016 eine Garagenrock-Band von Treibach-Althofen aus zu betreiben?
Elmar Glanzer: Bei uns ist es mittlerweile so, dass unser Gitarrist Thomas in Graz und unser Drummer Paul in Wien wohnen. Nur unser Bassist Michi und ich wohnen noch in Kärnten. Proben und Konzerte müssen mittlerweile langfristig geplant werden, was aber recht gut funktioniert. Interessant war es bei meiner ersten Band Rodriguez, wo am Anfang tatsächlich alle vier Mitglieder aus Althofen waren. Zum Teil sogar Nachbarn von mir. Das Genre Garagen-Punkrock hat sich erst im Laufe der Jahre entwickelt. Rodriguez ist als stinknormale Band mit Skate-Punk-Hintergrund gegründet worden.

profil: Was sind die größten Herausforderungen?
Elmar: Das größte Problem hier am Land ist, geeignete Musiker zu finden, die einen gewissen Sound spielen wollen. Andererseits ist es hier einfacher und günstiger, einen Proberaum zu finden.

profil: Ihr veröffentlicht eure Platten in Eigenregie. Habt ihr es bei einem Plattenlabel gar nicht erst versucht?
Elmar: Natürlich hätten wir gerne ein Label, wir sind auch immer auf der Suche nach einem.
Zurzeit finanzieren wir unsere Releases selbst mit unseren Gagen bzw. Merchandising-Verkäufen. Wir sind gerade dabei ein kleines Vertriebsnetz aufzubauen, indem wir versuchen, unsere Platten in einschlägigen Plattenläden unterzubringen, damit diese in ganz Österreich erhältlich sind. Das ist uns mittlerweile schon in Wien, Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt gelungen.

profil: Du hast von 1997 bis 2008 bei der überregional bekannten Band Rodriguez gespielt. Wie hat sich die heimische Musikszene seitdem verändert?
Elmar: Die größte Veränderung ist die Einbindung des Internets mit seinen ganzen Plattformen. Ich habe bei Rodriguez anfangs noch Briefe an Kontaktpersonen und Fanzines verschickt, was heute nicht mehr vorstellbar ist. Der Zusammenhalt in der Musikszene ohne Internet, Mails und Messenger wurde mit Telefonaten und zum Teil auch mit Fax aufrechterhalten. Das hat bestens funktioniert.

profil: Ihr veröffentlicht auf Vinyl. Analog ist besser?
Elmar: Wir veröffentlichen analog, bieten unsere Songs via Bandcamp allerdings auch zum Download an. Physische digitale Tonträger zu veröffentlichen macht für mich keinen Sinn. Eine Ausnahme sind die selbst gebrannten CDs, die wir zu jeder Platte gratis dazugeben, falls jemand keinen Plattenspieler hat.

Live-Band sucht nach Shows. Das ist nicht immer einfach.

profil: Letztes Jahr hat es ein Song von euch auf einen Sampler einer bekannten britischen Musikzeitschrift geschafft. Wie kam es dazu?
Elmar: Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, über welche Plattform wir da entdeckt worden sind. Ich denke aber, dass es über Facebook oder Bandcamp gewesen sein muss.

profil: In Kärnten ist die alternative Musikszene traditionell auf wenig Gegenliebe gestoßen. Gibt es mittlerweile bessere Auftrittsmöglichkeiten?
Elmar: Es war und ist noch immer sehr schwierig, in Kärnten Shows zu veranstalten. Es gibt ein paar Lichtblicke, wie das JUZ Wolfsberg und einige DIY-Promoter. Es ist immer noch am besten, selbst aktiv zu werden.

profil: Erlebt die Underground-Szene in Kärnten aktuell eine Renaissance?
Elmar: Ich glaube, dass die Heavy-Rock-, Stoner- und Psychedelic-Szene in Österreich momentan sehr floriert. Allein die Bands, mit denen wir bisher live gespielt haben, wie Pastor, Iron Heel, den Grazern High Brian, Cheep Thrill und KRPL, sowie den Heavy Minds aus Linz ist für gute Musik aus Österreich gesorgt. In Kärnten haben wir viele aktive und engagierte Bands aus anderen Genres. Besonders hervorzuheben sind vielleicht die zwei Postrock Bands Doomina und Mountain.

DIY-Helden Communication Killer. Paul, Elmar, Thomas und Michael (v.l.n.r.)

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profil: Eure aktuelle EP „Queen of the Tomb“ klingt durchaus unösterreichisch. Welche Bands inspirieren euch?
Elmar: Wir haben eigentlich nur sehr wenige Bands, auf die wir uns alle einigen können. Vielleicht noch The Shrine, Death Alley, Valient Thorr, Hot Lunch, The Dirty Fences und Kadavar. Ich finde, dass wir nicht nach einer dieser Bands klingen, sondern mehr nach einer Schnittmenge daraus. Wobei all diese Bands natürlich indirekt von unseren alten Helden Stooges, MC 5, Led Zeppelin, Blue Cheer und Black Sabbath beeinflusst sind.

profil: Was erwartet ihr euch von der neuen EP?
Elmar: Wir hoffen natürlich, dass „Queen of the Tomb“ genauso gut ankommt wie unsere Debüt-Single. Das sollte es uns ermöglichen, an einem Nachfolger zu arbeiten, mehr Shows zu spielen und noch ein wenig bekannter zu werden.

"Two Face Woman" von der aktuellen EP "Queen of the Tomb"

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