Galerist Peter Coeln

Galerist Peter Coeln

Kultur

Galerist Coeln: "Österreich ist unterbelichtet"

Der Wiener Galerist Peter Coeln über die Debatte, die sein Vorschlag für ein Museum der österreichischen Fotografie provoziert hat.

INTERVIEW: WOLFGANG PATERNO

profil: Sie gelten als Ideengeber eines Museums für Fotografie. Seit wann diskutieren Sie das Projekt?
Coeln: Der ehemalige Kulturminister Josef Ostermayer begeisterte sich vor drei Jahren für ein Haus der Fotografie, das auch meine Sammlung von 160.000 Werken ab 1839 bis zu den Anfängen der Digitalfotografie sowie 30.000 Bücher beherbergt hätte.

profil: "WeltLicht“ soll als Name in engerer Auswahl gestanden haben. Nehmen Sie sich da nicht zu wichtig?
Coeln: Von Beginn an war klar, dass mein Name und meine Person in dem Museum keine Rolle spielen sollten. Ich plädiere bis heute für ein unabhängiges Haus, das kein Ableger der Wiener Albertina ist, unter dessen Dach Analog- wie Digitalfotografie versammelt sind. Ich will einen sicheren Platz für meine Sammlung, keinen Tempel.

profil: Es wurde damals ein Areal im Wiener MuseumsQuartier ins Auge gefasst.
Coeln: Es fanden erste Gespräche mit der Stadt statt. Nach der Regierungsumbildung wurde das Projekt allerdings nicht mehr ernst genommen, wobei sich Christian Kern als Freund von "WestLicht“ bezeichnet und selbst zwei Ausstellungen bei uns eröffnet hat. Erst nach längerem Antichambrieren war der neue Kulturminister Thomas Drozda überhaupt zu einem ersten Treffen bereit.

profil: Drozda ließ verlauten, er werde kein Haus für Coeln eröffnen.
Coeln: Drozda kennt die Sammlung nicht. Meine wiederholten Einladungen, ihm die Werke zu zeigen, nahm er nicht an.

profil: Ihre Anregung für die Schaffung eines Fotomuseums übernahm er dennoch.
Coeln: Drozda lud eine Expertenrunde in das Bundeskanzleramt, zu der ich nicht einmal persönlich eingeladen wurde. Die Idee eines Hauses für Fotografie hat er erfolgreich verschleppt.

profil: Das Fotohaus-Projekt wurde flächendeckend kritisiert - von Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder über den Salzburger Fotohof bis zum Wiener Photoinstitut Bonartes.
Coeln: Viele Menschen, die mir anfangs auf die Schultern geklopft hatten, zeigten mir plötzlich ihre Giftzähne. Offenbar herrscht eine unbestimmte Angst um eigene Pfründe. Ohne larmoyant klingen zu wollen: Meine ursprüngliche Absicht war es, dem Bund eine millionenschwere Sammlung einzigartiger Fotoarbeiten zu schenken.


Ich schwimme gern gegen den Strom, um an die Quelle zu kommen.

profil: Albertina-Chef Schröder spricht der Institution Fotomuseum im 21. Jahrhundert dagegen die Existenzberechtigung ab.
Coeln: Vor einem Jahr deutete Schröder mir gegenüber an, dass, sollte der Ostermayer-Plan scheitern, ich ihm meine Sammlung für ein eigenes, von der Albertina räumlich getrenntes Fotomuseum zur Verfügung stellen könnte. Heute will er davon nichts mehr wissen. Man ist verwundert.

profil: Ein wiederkehrender Kritikpunkt ist, dass die einzelnen Fotosammlungen zentral gelagert werden sollen.
Coeln: Keineswegs. Natürlich sollen die einzelnen Bestände dort verbleiben, wo sie ideal archiviert sind. Man braucht aber eine zusätzliche Ausstellungsfläche, möglichst zentral gelegen. Daneben geht es um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Fotografie. Österreich ist gewissermaßen unterbelichtet, was die Fotografie betrifft: Mit den Nationalsozialisten hat sich diese Kunst aus dem Land für Jahrzehnte verabschiedet.

profil: Sollte das Projekt Fotohaus scheitern - wie lautet die Exit-Strategie?
Coeln: Ich sehe mich nach einem ausländischen Partner um, damit die Sammlung öffentlich bleibt. Es gibt Häuser, die meine Preziosen keineswegs als Last sähen.

profil: Sie klingen eingeschnappt.
Coeln: Überhaupt nicht. Ich schwimme gern gegen den Strom, um an die Quelle zu kommen. Diese Diskussion um meine Sammlung hätte ich allerdings nicht einmal in einem schlechten Traum befürchtet.

Peter Coeln, Jahrgang 1954, ist eine Zentralfigur der hiesigen Fotoszene. In einem Hinterhof in Wien-Neubau präsentierte er in der Galerie "WestLicht“ bislang über 100 Ausstellungen, die seit der Eröffnung vor 16 Jahren laut eigenen Angaben über eine Million Besucher anzogen. Sein jüngster Vorschlag stieß indes auf geteilte Reaktionen: Coeln plädiert für die Schaffung eines eigenen Fotomuseums durch den Bund, in das er seine millionenschwere Sammlung einbringen will. Ungemach droht dem Galeristen, der sich über seine Fotomuseum-Idee öffentlich bislang kaum äußerte, auch von anderer Seite: Von Hauptsponsor Leica fehlt die Zusage für die weitere "WestLicht“-Finanzierung - laut Coeln könnte die Galerie mit Jahresende schließen.

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