Kelvin allein zu Haus

Kelvin allein zu Haus : Neues Science-Fiction Drama "Life"

Paranoia für den Trump Tower - das Science-Fiction-Kinodrama "Life“.

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Die erste Berührung ist zart, beinahe innig, aber wenn man einer Riesen-Amöbe vom Mars einen Finger reicht, nimmt sie gern die ganze Hand und drückt sie, bis der letzte Knochen bricht. Nach dem feinsinnigen Science-Fiction-Thriller "Arrival“, der die Obama-Ära beschloss, kommt nun der Film für das Trump-Tower-Multiplex. Ein überlanger Händedruck, unterwegs in die Zukunft, mit unhöflich marsianischem Gezerre statt intergalaktischer Verständigung.

"Life“ erzählt von einem aus dem Ruder gelaufenen Forschungsprojekt: Sechs Astronauten der Raumstation ISS wollen in ihrem 200-Milliarden-Dollar-Zuhause eine Bodenprobe vom Mars analysieren, aber die Quarantäne-Box ist undicht, und der rapide wachsende Alien-Organismus, genannt "Kelvin“, wird ordentlich verärgert, während sich die Astronauten als Dilettanten mit Verantwortung für das globale Schicksal erweisen, leider ohne Verbindung zur Bodenstation. Hier agieren nicht erfahrene Wissenschafter, sondern hemdsärmelige Raumfahrer, die lieber Kinderbücher als Betriebsanleitungen durchblättern.

Regisseur Daniél Espinosa hat eine heterogene Darstellerriege um das Startrio Rebecca Ferguson, Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds versammelt. Letzterer versucht sich nach der selbstironischen Superheldenvariation "Deadpool“ erneut als Actionstar, in einem Film, der vor unfreiwilligem Humor strotzt. Allein die Technikabteilung darf in "Life“ brillieren, mit Bildern, in denen es - Schwerelosigkeit sei Dank - kein Oben und kein Unten gibt. Mit pubertärem Pathos zerlegen das zunehmend tentakelige Alien und die dahinschmelzende ISS-Mannschaft die Raumstation Modul für Modul. Diese Wächter der Galaxie verstehen einfach nichts von guter Türpolitik. Bezahlen muss dafür unglücklicherweise das Publikum.

Dieser Artikel stammt aus dem profil Nr. 12 vom 20.3.2017. Das aktuelle profil können Sie im Handel oder als E-Paper erwerben.