Kino-Essay "David Lynch: The Art Life"
Kultur

Elektrisiert: Kino-Essay "David Lynch: The Art Life"

Grundlagenforschung zu den Visionen eines Eigenbrötlers: der Kino-Essay "David Lynch: The Art Life".

Wer das Kino-Werk von David Lynch nicht kennt und sich dennoch in diesen Film verirrt, wird bis kurz vor Schluss meinen, das Porträt eines bildenden Künstlers zu verfolgen; ganz falsch ist das nicht, denn Lynch war lange, ehe er zum Kino übertrat, Maler -und er ist es noch. Das Regie-Trio, das hinter "The Art Life" steht (Jon Nguyen, Olivia Neergaard-Holm, Rick Barnes), beschränkt sich auf die ersten zweieinhalb Dekaden in Lynchs Leben, die Jahre zwischen 1946 und 1971 -und auf die aktuelle Kunstproduktion des Regisseurs. Lynch, heute 71, lebt das Künstlerleben, von dem er schon als Teenager geträumt hat.

Groteske und Fiebertraum

An die 20 Interviews sind der Grundstoff, aus dem "The Art Life" besteht; Lynch berichtet, fast immer aus dem Off, von seiner Kindheit und Jugend. Der ikonische Charakterkopf mit dem wie elektrisiert zu Berge stehenden Haar dominiert "The Art Life" - und man sieht dem Mann gern dabei zu, wie er im kreativen Chaos eines weitläufigen Studios geduldig an seinen Bildschöpfungen werkt. Lynchs Kunst ist figurativ, aber im Bacon'schen Sinne auch entrückt: In den verkratzten, schuppigen Texturen erkennt man abgetrennte Gliedmaßen, entstellte Körper, rätselhafte Situationen zwischen Groteske und Fiebertraum. Dabei sei er ungetrübt glücklich aufgewachsen, gibt Lynch zu Protokoll. Als Halbwüchsiger schlittert er dennoch in eine erste Psycho-Krise, seziert Insekten, erlebt Beunruhigendes.

Die Erzählung endet mit der Erinnerung des Helden an die Zeit, als er in den alten Ställen seiner kalifornischen Kunsthochschule jene epochale Wahnvorstellung, die er 1977 "Eraserhead" nennen würde, erschaffen durfte - wo das Leben und die Kunst so lange ineinander bluteten, bis niemand mehr das eine vom anderen unterscheiden konnte.

David Lynch: The Art Life Official Trailer 1 (2017) - Documentary

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