Simon Jensen und Sebastian Blomberg in Aktion

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Kultur

Kritik: "Die Komödie der Irrungen" am Burgtheater

Aberwitziges Schauspiel, halblustiges Stück: Herbert Fritsch nimmt sich im Burgtheater "Die Komödie der Irrungen" vor.

Wenn der deutsche Regisseur Herbert Fritsch, 66, Wörter wie "Sinn","Aktualität" oder "Psychologie" hört, kriegt er einen Ausschlag. Klassisches Bildungstheater hat er längst hinter sich gelassen. Fritsch setzt lieber auf entfesseltes Körperspiel, zelebriert exzessiv, was auf der seriösen Bühne eigentlich verpönt ist: Akrobatik, Schmierenkomödie und aberwitzigen Nonsens. Deshalb funktioniert seine Methode auch am besten, wenn er keinen Stücktext hat, wenn die Schauspieler Hals über Kopf in seinen absurden Komikkosmos purzeln. Oder wenn der begnadete Pointenschleuderer Tragödien auf ihren exzentrischen Kern hin untersucht.

Das doppelte Trottelchen

Im Burgtheater hat man in der bisherigen Arbeit mit Fritsch den konventionellsten Weg gewählt; nach Molières "Der eingebildete Kranke" steht nun Shakespeares Verwechslungsstück "Die Komödie der Irrungen" an, das mit Zwillingen im Duett (zwei Herren und zwei Diener, die gleich aussehen) aufwartet. Sebastian Blomberg, der an der Burg zu Gast ist, brilliert als doppeltes Trottelchen, als feiner Herr, der gern Brunftlaute ausstößt, wenn die richtige Frau auftaucht und die Reibegeräusche beim Fechtkampf sexuell auslegt. Dorothee Hartinger beweist als seine überforderte Ehefrau erneut ihr komödiantisches Talent. Zudem auf der Bühne: ein Galgen, der als Turngerät und Sexpartner fungiert, sowie eine Trompeten-Installation, die von alleine spielt. Immer wenn sich Fritsch und sein Team von den Dialogen freischaufeln, funktioniert der Abend tadellos. Leider aber muss ziemlich viel Text durchgenommen werden. Und das wirkt dann doch recht brav und langatmig.

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