Lulu – weibliche Dreifaltigkeit
Kultur

"Lulu" bei den Salzburger Festspielen – weibliche Dreifaltigkeit

Salzburger Festspiele: Eine griechische Filmregisseurin wagt sich an Frank Wedekinds Skandalstück. Mit starken Bildern und grotesken Elementen.

Lulu, Frank Wedekinds skandalumwitterte „Monstretragödie“ in der Urfassung von 1894, wurde für die Salzburger Festspiele von der griechischen Filmregisseurin Athina Rachel Tsangari auf der Perner-Insel in Hallein in Szene gesetzt. Ihre starke Bildsprache beeindruckt: Schwebende, raumfüllende Ballons, auf denen über Filmprjektionen riesige Augäpfel das Publikum zwinkernd anstarren oder die vielen Namen der Männerphantasie erscheinen. Schauspieler tauchen plötzlich wie aus dem Nichts aus dem grauen Boden auf oder verschwinden ebendort wieder.

Lulu wird von drei Schauspielerinnen als unheilige Dreifaltigkeit verkörpert: Anna Drexler, Isolda Dychauk, Ariane Lebed treten wie in einem antiken griechischen Theaterstück auf: Manchmal als gleichstimmiger Chor, dann wieder hintereinander sprechend, in grotesken bunten Kostümen oder im Inneren von Ballons. Die männerverschlingende femme fatale erscheint als getriebene und verfolgte Person und wird von all ihren Liebhabern ausgenützt und gedemütigt. Die einzige Person, die sie aus ganzem Herzen liebt, ist die Gräfin von Geschwitz – in einer Paraderolle agiert die souveräne Fritzi Haberlandt. Tsangari führt die Männer im Leben Lulus als berechnende Typen vor. Einer will sie sogar in ein Bordell nach Kairo schleusen, am Ende wird sie in London auf den Strich geschickt, wo es zur finalen Begegnung mit Jack the Ripper kommt.

Durch die Textstraffung bleiben die Beziehungen zwischen den Personen manchmal etwas blutleer und kalt. Aber der Regisseurin gelingt eine eindrucksvolle Bildsprache. Auch groteske Elemente setzt Tsangari geschickt ein, wenn sie etwa Rodrigo (Benny Claessens hinreißend komisch als angeblich gebürtiger Vorarlberger) in eine gepolsterte lila Jacke (fabelhafte Kostüme: Beatrix von Pilgrim) zwängt.

Zwei Stunden rasantes, intelligentes Regietheater. Noch zu sehen bis 28. August.

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