Neil Young

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Kultur

Neue Alben: Neil Young + Promise of The Real – "The Visitor"

Störrisch in die neuen Zeiten: Für Neil Young zählt heute nur noch der Protest. profil unerhört bespricht die wichtigsten Alben der Woche.

Um Neil Young musste man sich in den letzten Monaten durchaus Sorgen machen. Zuerst hatte der Singer-Songwriter sein jährliches Akustik-Benefizfestival für die kalifornische Bridge School ersatzlos gestrichen – nach 30 Ausgaben war einfach Schluss. Zum anderen erweckte Young den Eindruck, er, der schlurfige Alt-Meister der Singer-Songwriter-Kunst, arbeite bereits an der eigenen Musealisierung: Young als ewiger Störenfried, ein Grantler und genialer Kautz, der als lebende Statue die pure Form des Rock’n’Roll (und eine aufrichtige gesellschaftspolitische Haltung) bis in alle Ewigkeit verkörpern sollte. Fast im Monatstakt veröffentlicht Young zudem Neuauflagen und längst verschollen geglaubte (Live-)Aufnahmen seiner fünf Jahrzehnte umspannenden Karriere.

Im Hier und Jetzt

Das ist natürlich Schwachsinn. Neil Young ist auch 2017 noch wie ein Jungspund im Hier und Jetzt verankert. Young, kürzlich 72 Jahre jung geworden, fühlt sich anscheinend keinen Tag zu alt, immer wieder mit spitzer Meinung und feinem Folkrock gegen all die Blödheit auf Mutter Erde anzusingen. Nach seinem Klimaerwärmungs-Manifest „The Monsanto Years“ (2015) hat der gebürtige Kanadier, der seit Jahrzehnten in Kalifornien lebt, sein 39. Studioalbum wieder mit der US-Band Promise of The Real eingespielt; immerhin spielen da zwei Söhne seines alten Kumpels Willie Nelson mit.

Neil Young + Promise of The Real - Already Great

„I’m Canadian by the way / And I love the USA“, singt Young nun versöhnlich auf seinem neuen Album „The Visitor“. Eine Abrechnung mit Donald Trump ist das neue Album geworden, aber auch ein erster Ausblick, dass dieser kolossale Fehler in der amerikanischen Geschichte nicht zum Dauerzustand verkommen muss. Ein Land, das sich seit gut einem Jahr zwischen Unruhe, Verwirrung und Agonie bewegt, kann die Zügel wieder in die eigenen Hände nehmen, meint der Liederbarde. Für Young sind die Vereinigten Staaten ein Land, das niemanden, schon gar nicht einen „Game show host“ braucht, um es zu alter Größe zu führen: „You’re the promised land / You’re the helping hand“.

So erfrischend nonchalant Young auf „The Visitor“ vor sich hin raunzt, so brav und wenig überraschend lässt er seine Begleitband spielen. Wie bereits auf „The Monsanto Years“ rückt Young seine Zoten und bissigen Proteststrophen in den Vordergrund, die Musik dient hier über weite Strecken nur als Transmitter der Message.

Für Neil Young zählt 2017 eben nur der Protest. Eines scheint aber klar. Als Statue will der Störrische nicht enden.

Diese Woche in der unerhört-Playlist:

Charlotte Gainsbourg: Rest (Warner)
La Sabotage: Rabengasse (Fettkakao)
John Maus: Screen Memories (Domino)
Sisters: Wait Don’t Wait (Rola Music)
Liima: 1982 (City Slang)

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