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Kultur

Die Initiative Phileas zieht Bilanz

Die Initiative Phileas, ein 2015 gegründetes Netzwerk zur Kunstfinanzierung, zieht erste Bilanz.

Wären die documenta 2012 und die Biennalen keine internationalen Kunst-, sondern Sportveranstaltungen gewesen, so hätte das
zuständige Ministerium in Österreich wohl zusätzliche Turnschulstunden und eine Aufstockung der Förderungen eingefordert: So dürftig war die Zahl der heimischen Beteiligten. Die mangelnde Präsenz der Austro-Kunst auf globalen Großveranstaltungen liegt ebenso wenig an der Qualität des Produzierten wie an der Größe des Landes; die Schweizer Kunst ist häufiger jenseits der Landesgrenzen zu besichtigen.

Internationale Kuratoren in Wiener Ateliers

2015 gründeten die umtriebigen Kunst-Netzwerker Jasper Sharp und Moritz Stipsicz daher die Initiative Phileas, eine Organisation, die österreichische Player international platziert und Geld für die Produktion und zum Erwerb von Kunst – zugunsten heimischer Museen –
auftreibt. Man lädt internationale Kuratoren in Wiener Ateliers; mithilfe dieser Bemühungen werden im Zentralpavillon der diesjährigen Biennale in Venedig zwei heimische Beiträge, auf der Kasseler documenta und der Istanbul Biennale jeweils eine Position aus Österreich zu sehen sein. Der jungen Videokünstler Kay Walkowiak wurde an die Lahore Biennale vermittelt. Darüber hinaus kaufte Phileas für das Wiener Filmmuseum sechs Filme des Situationisten Guy Debord an.

Die Summen, die man für all das aufgestellt hat, machen sich imposant aus. Seit seiner Gründung lukrierte Phileas über eine Million Euro: in den vergangenen beiden Jahren jeweils 350.000 Euro, 2017 werden 450.000 Euro fließen. Bei der Gründung des Clubs – eine Mitgliedschaft kostet zwischen 2000 und 15.000 Euro – wurden Befürchtungen laut, dass er den Freundeskreisen der Museen Konkurrenz machen würde. „Es hieß immer, dass es in Wien nur einen kleinen Pool an Leuten gäbe, die bereit sind, Kunst zu finanzieren. Jetzt haben wir 38 Mitglieder, von denen drei Viertel zuvor nie irgendeine Institution unterstützt haben“, sagt Sharp. Der Mehrwert für die Mitglieder: Reisen, Atelierbesuche, Talks, Künstlereditionen. Auf der Liste der Big Spender finden sich Namen, die in der Kunstwelt schon früher auffielen – Großsammler wie Francesca Habsburg, das Ehepaar Hausmaninger und etwa Stefan Stolitzka; aber auch reiche Erben, von Hans Michel Piëch abwärts, sind unter den Partnern.


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  • So, 08. Jan. 2017 10:41

    wenn diese 'grosssamler' weniger für kunst(spekulation) und ihre sammlungen und mehr für ihre verarmten mitbürger spendieren wollten (gratiskarten für mindestrentner für spezielle kunstereignisse, z.b.) - dann wären sie noch immer die gleichen gierschlünde. aber ein bisserl weniger eklig anzuschauen.

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