"Der Jahrmarkt von St. Georg" (um 1559) von Pieter Bruegel dem Älteren

"Der Jahrmarkt von St. Georg" (um 1559) von Pieter Bruegel dem Älteren

Kultur

Sinnloser Wettlauf zwischen Albertina und KHM

Die Albertina und das Kunsthistorische Museum zeigen im Abstand von nur einem Jahr umfassende Bruegel-Ausstellungen. Die Chance auf einen gemeinsamen Wiener Auftritt wird aus schwer nachvollziehbaren Gründen vergeben.

In den Bildern von Pieter Bruegel dem Älteren (1525/30-1569) geht es rund. Da fressen große Fische kleinere, werden Delinquenten gehängt, tanzen Bauern auf der Kirmes und ziehen bedauernswerte Epileptikerinnen durch Straßen. Wer durch die Ausstellung "Bruegel. Das Zeichnen der Welt“, kürzlich in der Wiener Albertina eröffnet, streift, dem wird nicht langweilig. Eva Michel, die Kuratorin der Ausstellung, ging dafür mehrere Jahre lang auf eine, wie sie sagt, "Entdeckungsreise“ durch die Sammlungen der Albertina. Sie stieß auf zahlreiche bisher unpublizierte Grafiken des Meisters, zumeist Versionen bereits bekannter Drucke. Lange waren diese im Verborgenen geblieben, da frühere Mitarbeiter die Blätter gemeinsam mit Werken anderer Künstler in Klebealben einsortiert und sie nicht mit dem Schlagwort "Bruegel“ versehen hatten.

In der Schau wird dieser Umstand kaum thematisiert. Sie wirft dagegen Schlaglichter auf unterschiedliche Themenbereiche - wie die Landschaften, die Darstellung von Volksfesten, die moralisierenden Kompositionen Bruegels. Betont wird, wie nah er seine Sujets heranzoomte. Erschienen die Landschaften seiner Vorläufer aus einer gewissen Distanz heraus betrachtet, setzte Bruegel sein Publikum mitten hinein; spielten sich Volksfest-Szenen zuvor wie auf einer Kulisse ab, rückten die tanzenden und spielenden einfachen Leute näher an den Betrachter heran. Treffende Vergleichsbeispiele (unter anderem von Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer und Hieronymus Bosch) belegen, dass Bruegel Vorbilder hatte, keineswegs im luftleeren Raum arbeitete. Allzu oft erscheinen Künstler derart überragenden Formats in Einzelausstellungen als Monolithe, deren Genialität aus sich selbst schöpft.

Zeitgleiche Präsentation verpasst

Als weniger geglückt erweist sich die Tatsache, dass die Albertina ihre Ausstellung ziemlich genau ein Jahr vor der geplanten Bruegel-Schau des Kunsthistorischen Museums (KHM) eröffnet, das mit zwölf von 40 bekannten Werken die weltweit größte Sammlung des niederländischen Meisters besitzt. Eine zeitgleiche Präsentation hätte ein gutes Zusammenspiel ergeben, die Ausstellungen wären gemeinsam vermarktbar gewesen und hätten aufeinander verwiesen; auch international hätte mit den überragenden Wiener Beständen gewuchert werden können: Zwei der wichtigsten Kunstmuseen Österreichs beweisen ihre gemeinsame Schlag- und Strahlkraft.

Und es ist sogar gesetzlich verankert, dass die Museen kooperieren sollten. Dazu wurde einst die sogenannte "Direktor/innenkonferenz“ initiiert, an der die Bundesmuseen beteiligt sind. Diese diene, so der Text im Bundesmuseen-Gesetz, "dem Informationsaustausch und der Beratung mit dem Ziel der Koordinierung von grundsätzlichen und museumsübergreifenden Fragen. Insbesondere werden Fragen der Sammlungs- und Ausstellungspolitik regelmäßig im Rahmen der Direktor/innenkonferenz behandelt.“

Differenzen zwischen Direktoren

Weshalb also konnte die Albertina nicht ein Jahr warten und die Ausstellung zeitgleich mit jener im Kunsthistorischen Museum abhalten? Fristgerecht zum 450. Todestag Bruegels? Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder erklärt auf Nachfrage, dass er seine Schau sehr gern zeitgleich mit jener des KHMs präsentiert hätte; allerdings habe es Differenzen mit KHM-Chefin Sabine Haag gegeben. Es habe sich nämlich, so Schröder weiter, herausgestellt, dass im KHM der Schwerpunkt auf den Unterzeichnungen in Bruegels Gemälde liege. Tatsächlich erforscht das KHM seit 2012 mit Hilfe aufwendiger technischer Apparaturen, was unter den Schichten von Bruegels Malereien verborgen ist. Es überrascht daher nicht, dass im Haus am Ring die Papierarbeiten eine wesentliche Rolle spielen werden. Genau darin sah Schröder aber das Problem. Weshalb man aber nicht hier wie dort sowohl Grafiken als auch Stiche präsentieren kann, lässt sich nur schwer nachvollziehen.

Die Albertina zeigt eine konzise, klug kuratierte Ausstellung. Sie ist kleiner dimensioniert als es jene im KHM sein wird, hinter der eine groß angelegte internationale Forschungskooperation steht. Der Wunsch nach mehr Kooperation zwischen den Bundesmuseen bleibt ein frommer, und die gesetzliche Regelung erweist sich einmal mehr als zahnlos. Immerhin ist Schröder als Erster im Ziel.

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