Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ)

Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ)

Kultur

"Was lief bei den Wiener Festwochen schief, Herr Mailath-Pokorny?"

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny zieht Bilanz über die diesjährigen Wiener Festwochen.

INTERVIEW: KARIN CERNY

profil: An den gerade zu Ende gegangenen Wiener Festwochen unter Tomas Zierhofer- Kin wurde viel Kritik geübt. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
Andreas Mailath-Pokorny: Mein Auftrag an das Team bestand darin, neue Wege zu beschreiten. Es war allen Beteiligten bewusst, dass dies ein hohes Risiko bedeutete. Naturgemäß wird es Korrekturen, Anpassungen und Verbesserungen geben müssen. Positiv zu verbuchen ist, dass es mehr kostenlose Angebote als bisher gab; die Musikschiene "Hyperreality" wurde international stark wahrgenommen. Es wurde viel Neues gewagt. Die Auslastung mit 80 Prozent war dennoch sehr hoch.

profil: 2015 wurden 47.802 Karten verkauft, heuer nur 34.363 "ausgegeben", was auch immer das heißt. Die Einnahmen wurden nicht bilanziert. Es stört Sie also nicht, dass man zahlungskräftiges Stammpublikum verloren hat?
Mailath-Pokorny: Mir ist bewusst, dass Umschichtungen nicht reibungslos möglich sind. Im Vorfeld der Festwochen wurde ich von vielen Menschen gefragt, was man sich heuer anschauen solle. Sie meinten, man kenne sich im Programmheft nicht aus. Einer meiner Hauptkritikpunkte ist, dass die Kommunikation mit dem Publikum nicht gelungen ist. Da muss man nachbessern. Es darf nicht das Ziel eines allgemein zugänglichen und öffentlich finanzierten Festivals sein, dass es zur Geheimwissenschaft wird. Man muss mehr auf die Menschen zugehen. Umgekehrt kann man aber von einem Festivalpublikum erwarten, dass es neugierig bleibt. Kunst ist nun einmal keine sichere Bank.


Es wird detaillierte Manöverkritiken geben.

profil: Letztlich überzeugte bei vielen Produktionen die Qualität nicht. Was wird sich 2018 ändern?
Mailath-Pokorny: Es wird detaillierte Manöverkritiken geben. Mir war aber von Anfang an bewusst, dass im ersten Jahr des neuen Intendanten nicht alle applaudieren würden. An meiner Entscheidung, Tomas Zierhofer-Kin auch 2018 als Festwochen-Leiter zu belassen und ihn zu beauftragen, weiterhin neue Wege zu beschreiten, werde ich festhalten.

profil: Was passiert, wenn Sponsoren abspringen?
Mailath-Pokorny: Dann muss man konkret reagieren. Ich habe aber noch keine entsprechenden Rückmeldungen erhalten. Ich gehe davon aus, dass die Wiener Festwochen von den Sponsoren weiterhin unterstützt werden.

profil: Was halten Sie von der Idee eines zusätzlichen Kurators, der international gut vernetzt ist?
Mailath-Pokorny: Das wird zu besprechen sein. Ich nehme die Angelegenheit nicht auf die leichte Schulter. Es ist aber auch nicht so, dass ich alles über den Haufen werfe. Für Neues braucht man langen Atem.

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