Wiener Blut
Kultur

Wiener Blut

Das Theater im Rabenhof bringt das Leben des Literaturphänomens Stefanie Sargnagel auf die Bühne.

Sie sehen aus, als wären sie einem Kinderbuch von Christine Nöstlinger oder Astrid Lindgren entsprungen: wild zerzaustes Haar, zerrissene Pullover, ausgebeulte Schlabberhosen. Sie verhalten sich renitent, und geduscht haben sie wohl auch nicht. Die Schauspielerinnen Miriam Fussenegger, Saskia Klar und Lena Kalisch verkörpern im Wiener Rabenhof-Theater die Autorin Stefanie Sargnagel, zwischen Morgendepression, Energieschub auf dem Eislaufplatz und Beislabsturz: Pippi Langstrumpf im Tschocherl-Land.

Grundlage für die kurzweilige Revue "Ja, eh!“, zu der Austropop-Star Voodoo Jürgens live seine gekonnt bösartigen Wienerlieder beisteuert, ist Sargnagels Text "Penne vom Kika“, mit dem sie im Vorjahr beim Bachmann-Wettlesen in Klagenfurt den Publikumspreis gewann. Zusätzlich wurden Online-Postings und Kommentare der Autorin eingebaut. Es geht um das Erwachsenwerden (und das Ankämpfen dagegen); darum, wie es ist, im Literaturbetrieb plötzlich gefragt zu sein; um die Tatsache, dass Arbeit und Absturztrinken nicht zusammenpassen, aber auch um die Einordnung in eine Wiener Kunsttradition, der ein Hang zur derben Körperlichkeit nicht fremd ist: "Die Aktionisten wühlten fröhlich in der eigenen Scheiße, und wenn einem das alles immer noch zu idyllisch ist, liest man halt eine Sexszene von Jelinek.“

Der beschwingte Abend in der Regie von Christina Tscharyiski beweist, dass Sargnagels pointiert-kluge Alltagsbeobachtungen, die sie meist zuerst auf Facebook postet, durchaus auf die Bühne passen. Dabei hat sie sich bislang beharrlich geweigert, selbst ein Stück zu schreiben.

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