#Ibizagate: Eine Affäre und ihre zwei Ebenen
Österreich

#Ibiza-Affäre: Eine Affäre und ihre zwei Ebenen

Die Veröffentlichung des Strache-Videos leistet wertvolle Aufklärung im Dienste der Demokratie. Doch auch die Frage, wer es fabriziert hat, ist aufklärungsbedürftig.

Man muss in der Ibiza-Affäre zwei Ebenen auseinanderhalten: Die eine betrifft die gefährliche Gedankenwelt, die Allmachtphantasien und die kriminelle Energie freiheitlicher Politiker, die sich im Suff offenbaren. Dazu gehören Ideen wie jene, einer russischen Milliardärin gegen Parteispenden öffentliche Aufträge zuzuschanzen, diskrete Vereine zum Zweck der Geldbeschaffung einzurichten oder die „Kronen Zeitung“ aufkaufen zu lassen, um sie für eigene Interessen gefügig zu machen.

Das von „Süddeutscher Zeitung“, „Spiegel“ und „Falter“ veröffentlichte Video leistet in dieser Hinsicht wertvolle Aufklärung im Dienste der Demokratie. Die Szenen aus der spanischen Finca machen ersichtlich, welche Charaktere es mittlerweile an die Spitze der Republik Österreich geschafft haben und wozu sie zumindest gedanklich in der Lage sind.

Zudem haben profil-Recherchen gezeigt, dass es im Umfeld der FPÖ tatsächlich Vereine gibt, die auffallend ähnlich strukturiert sind wie jene, die Strache skizziert. Es deutet also einiges darauf hin, dass die Aufnahmen Indizien oder gar Beweise für Malversationen enthalten, die für behördliche Ermittlungen relevant sind.

Szene aus dem Ibiza-Video.

Und dann gibt es eine zweite Geschichte, die aufklärungsbedürftig und erzählenswert ist wie die erste: Sie handelt von der Art und Weise, wer das Video gemacht hat, wie sie entstanden sind und welche Interessen dahinterstehen. Offenkundig sind die Urheber weder Whistleblower im eigentlichen Sinn noch Journalisten: Immerhin haben sie sich mit der Veröffentlichung fast zwei Jahre Zeit gelassen und anscheinend versucht, mit dem Filmmaterial Geld zu machen. Damit soll keinesfalls unterstellt werden, dass die an der Veröffentlichung beteiligten Medien darauf eingegangen wären – weder „Spiegel“, noch „Süddeutsche“ oder „Falter“ sind bekannt für Scheckbuchjournalismus.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die Motive der Hersteller des Videos möglicherweise krimineller Natur waren. Dem nachzugehen, ist Aufgabe des Journalismus – gleichermaßen wie die Berichterstattung über die politischen Aspekte der Affäre und die Abgründe von Heinz Christian Strache und Johann Gudenus.

profil-Podcast zum Thema:

+++ Lesen Sie hier die ganzen Hintergründe +++

profil-Podcast auf iTunes:

Hier können Sie sich den Podcast auf iTunes anhören.

profil-Podcast auf Spotify:

Kommentar verfassen
  • Hans Csokor Do., 23. Mai. 2019 17:37

    Sicher wäre es besser gewesen, es hätte sich um seriöse Journalisten/Medien gehandelt und nicht (möglicherweise) Personen, die damit Geld machen wollten, aber am Ende bleibt die Tatsache, dass letztlich auch all diejenigen, die es bei den handelnden Personen nicht für möglich gehalten haben, so zu sprechen und zu denken, dass sie eines Besseren belehrt wurden!

    Melden