Wiener Rettung

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Die Probleme im Wiener Rettungswesen lassen sich nicht mehr kaschieren. Nun ist auch der Katastrophenschutz gefährdet.

Seit März 2014 berichtete profil regelmäßig über den Notärztemangel und die personelle Ausdünnung bei Rettungs- und Notfallsanitätern der Wiener Berufsrettung (Magistratsabteilung 70). Vertreter der Berufsrettung und Sprecher der zuständigen Gesundheitsstadträtinnen Sonja Wehsely und Sandra Frauenberger dementierten stets, dass es zu Versorgungsengpässen komme. Doch nun lassen sich die Mängel nicht mehr verbergen.

In einem offenen Brief vom Juli beklagen die sozialdemokratischen Betriebsratsvorsitzenden der Berufsrettung die "bestehende Personalknappheit", die "bei hochpriorisierten Einsätzen zur Beeinträchtigung der Versorgungsqualität der Patienten" führe. Aus dem Rathaus soll es für die unbotmäßige Kritik der roten Personalvertreter einen heftigen Rüffel gesetzt haben.

Wie schon seit Jahren argumentiert die MA 70-Führung auch nun, dass bei etwaigen Engpässen die Blaulichtorganisationen (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter, Malteser) aushelfen würden. Doch wie nun bekannt wurde, kündigten etwa Rotes Kreuz und Samariterbund in den vergangenen Monaten reihenweise Sanitäter. Der Grund: Die Wiener Gebietskrankenkasse beauftragt aus Kostengründen für Krankentransporte vermehrt günstigere Rettungsfahrdienste statt die Rettungsorganisationen, denen damit eine wichtige Einnahmenquelle entfällt.

Da Rotes Kreuz & Co. die Berufsrettung bei Großeinsätzen entlasten sollen, ist durch die Kündigung der Sanitäter auch der Katastrophenschutz der Bundeshauptstadt gefährdet. Einen Straßenbahnunfall - wie jüngst in Meidling - kann die Wiener Berufsrettung problemlos abwickeln, einen zweiten Großeinsatz parallel dazu wahrscheinlich schon nicht mehr. Nun sollen zwei Arbeitsgruppen im Auftrag von Gesundheitsstadträtin Frauenberger ein neues Konzept für das gesamte Wiener Rettungswesen erarbeiten. Die Notversorgung, so Frauenberger, sei "jedenfalls nicht gefährdet".

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  • Tom Jericho (tomjericho) Fr, 04. Aug. 2017 23:38

    Es wird interessant sein zu beobachten, wie viele linke Steckerlwähler auch diesen Herbst wieder brav ihr Kreuzerl an der "richtigen" Stelle machen werden, während gleichzeitig das Gesundheitssystem vor die Hunde geht, die Schulden durch die Decke schießen und die ungebremste Einwanderung ins Sozialsystem rasant weiterläuft. Wann kommt das verdiente Ende dieser rot-grünen Katastrophe?

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  • Denis Dunkl (DD81) Do, 03. Aug. 2017 11:46

    Wer hat eigentlich das Wort “Rettungsfahrdienste” erfunden?
    Die haben mit Rettung rein gar nichts zu tun... wie wäre es mit „Fahrtendienst“? Mehr als Personen (in diesem Fall sind es auch keine Patienten) von A nach B bringen machen sie nämlich nicht.

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  • Wolfgang Meindl Di, 01. Aug. 2017 10:08

    Inkompetente Politiker am Werk, nicht einmal das schaffen sie, aber den der Missstände aufzeigt maßregeln.

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  • Werner Schrittesser (Publizistikstudent) Di, 01. Aug. 2017 09:51

    Steht Uber schon in den Startlöchern?

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    • Daniel Steiner
      Daniel Steiner Do, 03. Aug. 2017 00:29

      Ansatzweise wird es auf das hinauslaufen - der Vorschlag vom FSW Chef mit einer Superleitstelle die sowohl Krankentransportwagen der 4 für Wien als auch Fahrtendiensten disponieren soll geht ja in die Richtung: ein Leitstellensystem und es wird einfach das nächste Auto disponiert das für den Patienten gebraucht wird.

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