Helmut Elsner

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Wirtschaft

Helmut Elsner: "Das Bauernopfer war ich"

Der frühere Bawag-Chef Helmut Elsner kämpft um die Wiederaufnahme seines Verfahrens. Der Fall liegt beim Oberlandesgericht Wien. Eine Entscheidung naht.

profil: Herr Elsner, das Oberlandesgericht Wien könnte schon demnächst über die Wiederaufnahme Ihres Verfahrens entscheiden. Sie waren mit Ihrem Antrag in erster Instanz gescheitert und hatten dagegen Beschwerde erhoben. Für Sie steht da einiges auf dem Spiel.
Elsner: Ich bin 82. Wäre ich allein auf der Welt, würde ich nicht mehr weiterkämpfen. Mir geht es um die finanzielle Absicherung meiner Hinterbliebenen. Die Bawag hat das skandalöse Bandion-Urteil ja dazu verwendet, um zivilrechtlich auf mich loszugehen. Ich habe nicht 48 Jahre in der Bank gearbeitet, damit zum Schluss nichts mehr da ist.

profil: Der Fall Helmut Elsner ist eigentlich rechtskräftig erledigt.
Elsner: Die Hälfte des Bandion-Urteils ist sowieso weggefallen. Vom Vorwurf des Betrugs und der Täuschung des Aufsichtsrats wurde ich rechtskräftig freigesprochen. Geblieben ist die Untreue . Und auch dies ist einfach falsch. Es konnte gar keine Untreue geben, weil die Karibik-Geschäfte auf Wunsch des Machthabers ÖGB erfolgten. Ich habe im Akt die protokollierte Aussage von Herbert Tumpel (Anm.: Zwischen 1987 und 1997 war der spätere AK-Präsident Bawag-Aufsichtsratsvorsitzender) aus dem ersten Prozess gefunden: "Wir haben dem Vorstand nicht vertraut, wir haben geprüft und danach entschieden." Tumpel war damals Finanzreferent des ÖGB. Allein mit seiner Aussage hätte Frau Bandion das Verfahren nach sieben Tagen einstellen müssen. Aber sie hat das überhaupt nicht gewürdigt. In dem Prozess ging es ja ganz im Gegenteil darum, dass der Elsner alle getäuscht habe, den Aufsichtsrat und die armen kleinen Vorstände.

profil: Dass der ÖGB die Veranlagungen wollte, müssen Sie aber doch schon zum Prozessauftakt gewusst haben.
Elsner: Natürlich. Aber das hat überhaupt keine Rolle gespielt. Die Tumpel-Aussage wurde einfach nicht gewürdigt.

profil: Auch der OGH hat sich an dem Fall abgearbeitet.
Elsner: Der OGH würdigt keine Beweise. Man hat mir dort 2011 ausgerichtet: Wenn Sie neue Beweismittel haben, dann können Sie einen Wiederaufnahmeantrag stellen. Das habe ich getan. Ich will erreichen, dass endlich untersucht wird, was der Flöttl wirklich mit dem Geld gemacht hat. Er hat gelogen und gestohlen. Mir geht es aber um meinen Freispruch. Wenn die Öffentlichkeit nicht wissen will, was Flöttl mit dem Geld gemacht hat, dann nehme ich das verwundert zur Kenntnis.

profil: Wolfgang Flöttl kann sich jetzt nicht dazu verteidigen.
Elsner: Das müsste er, wenn es eine Wiederaufnahme gäbe. Ich habe Unterlagen vorgelegt, die zeigen, dass er noch Geld hatte, wo er nach eigener Aussage keines mehr hatte. Mein bester Zeuge ist der Gerichtsgutachter Fritz Kleiner. Auch er hielt die Verlustdarstellung von Flöttl für unglaubwürdig. Der Gutachter stellte auch fest, dass Flöttl noch Monate, nachdem er angeblich alles verloren hatte, Zinsgutschriften in Millionenhöhe bekam. Millionen Zinsen auf nichts gibt es nicht. In dem ganzen Bandion-Urteil kommt das Kleiner-Gutachten aber nicht vor. Das muss man sich vorstellen. Die bestellt einen Gutachter, der macht ein 600-Seiten-Gutachten, und dann wird es nicht verwendet.

profil: Das Oberlandesgericht Wien wird seinem Auftrag entsprechend unbeeinflusst und neutral urteilen.
Elsner: Ich nehme an, dass der Rechtsstaat letztendlich zum Vorschein kommt. Das Bandion-Urteil hat ja gezeigt, was in Österreich möglich ist. Man hat ein Bauernopfer gebraucht und gefunden. Auch das wurde übrigens im ersten Verfahren protokolliert. Verzetnitsch (Anm.: Fritz Verzetnitsch, damals ÖGB-Präsident) hat im Erstverfahren unter Wahrheitspflicht ausgesagt, Sozialminister Hundstorfer habe in einer Gesprächsrunde gerufen: "Wir brauchen ein Bauernopfer." Bandion fragte, wer das sei. Und Verzetnitsch antwortete: "Das hat er nicht gesagt." Die Antwort liegt auf der Hand. Das Bauernopfer war ich.

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