Die bessere Welt: Recycling fürs Volk mit Plasticpreneur
Wirtschaft

Die bessere Welt: Recycling fürs Volk mit Plasticpreneur

Es geht nicht immer nur ums Geld. Vielen Gründern ist es auch ein Anliegen, die Welt ein bisschen besser zu machen – ökologischer, sozialer, sicherer. Sechs junge österreichische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen im Porträt. Teil III: Plasticpreneur.

Plastikmüll? Kein Problem, er lässt sich doch recyceln! Das ist eine populäre Botschaft, die hübsch ökologisch klingt, nach Kreislaufwirtschaft und gutem Gewissen. Allerdings: In der Praxis hapert es enorm mit dem Recycling. Weltweit werden geschätzt nur neun Prozent aller Kunststoffabfälle recycelt; der große Rest landet als Umweltproblem im Restmüll, falls er nicht überhaupt einfach irgendwo liegen bleibt. Für das Recycling muss der Müll nämlich nicht nur zuvor getrennt werden; es braucht auch Recycling-Anlagen. Und die stehen derzeit nur im großindustriellen Maßstab zur Verfügung.

Hier setzt die Idee eines jungen Kärntners an. Sören Lex, 29, will Recycling für alle ermöglichen. "Plasticpreneur" heißt sein Projekt, das im kommenden Herbst vom Einzelunternehmen zur GmbH mit Sitz in Wiener Neustadt aufsteigen soll. Lex hat eine einfache Maschine konstruiert, die alles in allem rund 3000 Euro pro Stück kostet. Funktionsweise, grob erklärt: Sortierter Plastikmüll wird zunächst zu Flocken geschreddert; anschließend werden die Flocken eingeschmolzen und schließlich mittels einer Spritzgussform aus Aluminium in etwas Neues verwandelt.


Es ist erstaunlich, dass ein komplexer Prozess wie das Recycling letztlich von jedem durchgeführt werden kann

Lex studierte Betriebswirtschaft in Wien und Klagenfurt. Das technische Fachwissen eignete er sich unter anderem mithilfe von Open-Source- Plattformen im Internet an. "Es ist erstaunlich, dass ein komplexer Prozess wie das Recycling letztlich von jedem durchgeführt werden kann", sagt er. "Es braucht nur eine gute Anleitung und das richtige Equipment."

Genau das wollen Lex und seine sechs Mitstreiter liefern. Die Zielgruppen sind unter anderem Unternehmen, die recycelte Plastikprodukte in geringer Stückzahl herstellen wollen - 20 Maschinen in ganz Europa hat Plasticpreneur bereits an Interessierte verkauft. Darüber hinaus sieht Lex großes Potenzial in Entwicklungsländern. Auf einer Reise durch Uganda vor einigen Jahren wurde er Zeuge der dortigen Plastikmüllberge. "Dieser Abfall ließe sich sammeln und trennen - und mithilfe unserer Maschinen ohne viel Aufwand recyceln." Was könnte man daraus herstellen? Im Rahmen eines Pilotprojekts in Uganda entstanden Schulmaterialien: Lineale, Rechenschieber und Abakusse.

In weiterer Folge will Lex - in Zusammenarbeit mit Entwicklungshilfeorganisationen - beispielsweise Dachrinnen aus recyceltem Kunststoff herstellen. "Wir haben diesbezüglich schon eine Anfrage aus dem Kongo." Weil Regenrinnen dort nicht üblich sind, sind viele Afrikaner gezwungen, lange Fußmärsche zum nächstgelegenen Brunnen zurückzulegen. Stattdessen, so Lex, könne man Regenwasser auffangen. Mithilfe eines Materials, das zuvor nur nutzlos herumlag.

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