Erfinderin der Genschere verurteilt die Genmanipulation zweier chinesischer Babys
Wissenschaft

Erfinderin der Genschere verurteilt die Genmanipulation zweier chinesischer Babys

Es sei "unverantwortlich", CRISPR/Cas9 in der menschlichen Keimbahn einzusetzen, sagt Emmanuelle Charpentier.

"Die Veränderungen sind irreversibel und werden von einer Generation an die nächste weitergegeben“, wird Charpentier heute im "Tagesspiegel" zum umstrittenen Eingriff des chinesischen Forschers Jiankui He zitiert. Er hat eigenen Angaben zufolge die Zwillinge Nana und Lulu als Embryos gentechnisch so verändert, dass sie immun gegen HIV-Infektionen sind. Noch ist nicht erwiesen, ob He die Wahrheit sagt. Er habe dennoch eine "rote Linie überschritten, vor allem weil er für seine Forschungsarbeiten die Bedenken der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft bezüglich der Sicherheit von Keimbahneingriffen ignoriert hat", so Charpentier.

Die bisher genehmigten Gentherapien sind für Patienten, die bereits an Krankheiten leiden, und sind so konzipiert, dass sie nicht an die Nachkommen weitergegeben werden können. Jede andere Form der Genschere sei in Europa verboten "und das ist auch gut so", schreibt die französische Mikrobiologin. Sie sei für eine "strikte Regulierung" der Forschung mit embryonalen Zellen und "entschieden gegen die Verwendung von CRISPR/Cas9-Gen-Editierung für menschliche Optimierung“.

Was ist CRISPR/Cas9?

CRISPR/Cas9 ist eine Methode um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern. Das verwendete Cas9-Protein enthält eine RNA-Sequenz, die dazu passende DNA-Sequenzen binden und anschließend entfernen kann. Diese RNA-Sequenz kann von Forschern nun beliebig variiert werden, so können sie bestimmen, an welcher Stelle ein DNA-Strang zerschnitten wird. Es können auch komplette Gene ausgetauscht werden und das relativ effizient und preiswert im Vergleich zu bisherigen Methoden.

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  • Stefan Uttenthaler
    Stefan Uttenthaler Fr, 30. Nov. 2018 15:35

    Was mich eigentlich mehr stört ist, dass die meisten Medien (Profil zum Glück ausgenommen!) nur über diese Technologie berichten, wenn es etwas Negatives ist. Dass mit Gentechnologie auch sehr viel Positives gemacht wird, wird unter den Teppich gekehrt. Z.B. wird ein Großteil der modernen Medikamente mit Gentechnologie erzeugt, auch in und für Österreich!

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  • stephan urban Do, 29. Nov. 2018 13:37

    Wie würden die Reaktionen ausfallen, wenn man seine Kinder gegen alle Krebsarten immunisieren könnte?
    Wenn man dem/der querschnittgelähmten Sohn/Tochter heilen könnte?

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  • stephan urban Do, 29. Nov. 2018 13:02

    Nun, was ist falsch daran, eine Immunität gegen Aids zu vererben?
    Ich denke, Gentechnik und Stammzellenforschung sind eine noch nie da gewesene Chance, die Medizin auf ein neues Level zu heben.
    Warum die Erkenntnisse der Wissenschaft nicht nutzen?
    Aus konservativen, religiösen, moralischen oder sonstig ideologisch motivierten Gründen? Auf dem Rücken von Betroffenen?

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