Iris Herscovici

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Wissenschaft

Selbsthilfe-Plattform selpers: "Patienten fühlen sich oft alleingelassen"

Fragen zur Lebensqualität kommen in der ärztlichen Behandlung manchmal zu kurz. Hier will die Online-Plattform selpers Hilfe anbieten.

Nach der Diagnose einer schweren Erkrankung stellen sich den Patienten oft Fragen, für die im medizinischen Alltag wenig Platz ist. Vor allem Themen wie Selbsthilfe und Erhöhung der Lebensqualität können zu kurz kommen. Iris Herscovici will hier mit ihrer Online-Selbsthilfeplattform "selpers" Abhilfe schaffen. In Zusammenarbeit mit Fachärzte und mit Unterstützung von Selbsthilfegruppen entwickelt selpers seit 2016 Online-Kurse, um chronisch kranke Menschen und deren Angehörige über ihre Erkrankung aufzuklären.

Durch die Brustkrebserkrankung ihrer Mutter kam Gründerin Herscovici mit dem Thema in Berührung: "Ich habe als Angehörige mitbekommen, wie einem eine solche Diagnose den Boden unter den Füßen wegzieht." Gleichzeitig erlebte sie, wie viele Fragen in Folge auftauchten: "Im Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin geht das Thema Lebensqualität oft unter. Patienten fühlen sich dann alleingelassen." Die Leiterin einer Agentur für Gesundheitskommunikation beschloss, diese Lücke zu schließen. Gemeinsam mit der Myelom- und Lymphomhilfe Österreich führte sie eine Patientenumfrage durch, mit dem Ergebnis, dass sich viele Betroffene fragen, was sie neben der Therapie selbst für ihre Gesundheit und Lebensqualität tun können. So entstand die Idee zu selpers.


Was fehlt, sind konkrete Anleitungen, wie die Menschen mit den Problemen, die sie im Alltag haben, besser umgehen können.

Im Internet gibt es bereits zahllose Gesundheitsplattformen, selpers soll sich aber abheben: "Viele Seiten bieten nur statische Information. Was fehlt, sind konkrete Anleitungen, wie die Menschen mit den Problemen, die sie im Alltag haben, besser umgehen können." Auf der Website finden sich Onlinekurse zu verschiedenen Krankheiten, die kontinuierlich erweitert werden. Mittlerweile werden verschiedene Krebsarten, COPD, Hämophilie und Lungenhochdruck abgedeckt. selpers ist kostenlos und ohne Registrierung nutzbar. Finanziert wird die Plattform durch Eigenmittel und Partner wie Selbsthilfegruppen oder Pharmafirmen, die jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt haben, so Herscovici: "Es ist auch immer klar ersichtlich, wer einen Kurs gesponsert hat."

Die Inhalte werden gemeinsam mit Experten recherchiert, "dabei wollen wir ein realistisches Bild zeichnen und weder schwarz malen, noch die Dinge zu rosig darstellen." Das Kernstück der Kurse sind meist Videointerviews, die dann von anderen Formaten ergänzt werden. Auch Online- und Offline-Angebote sollen vernetzt werden: "Darum arbeiten wir mit vielen verschiedenen Selbsthilfegruppen zusammen, denen wir eine möglichst breite Öffentlichkeit bieten wollen. Bei selpers geht es um das Empowerment der Menschen."

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